Um nichts zahlen zu müssen, log Roland P. sogar vor Gericht

Vater zahlte jahrelang keinen Unterhalt: So kämpft eine Mutter für ihre Tochter

12. März 2020 - 10:11 Uhr

Gericht verurteilt Unterhaltspreller zu Bewährungsstrafe

Eine Lebensversicherung, vier Konten und seine Wohnumstände verschwieg Roland P. aus Chemnitz vor Gericht – alles nur, um keinen Unterhalt für seine Tochter zahlen zu müssen. Das Landgericht in Chemnitz hat ihn jetzt wegen Unterhaltspflichverletzung und falscher Eidesstaatlicher Versicherung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten sowie 100 Arbeitsstunden verurteilt. Bis dahin war es ein weiter Weg. So richtig gezahlt habe er eigentlich noch nie, erzählt seine Ex Sandra K. im Interview mit RTL. Doch sie wehrt sich: 2017 geht sie endlich zur Polizei, um sich das fehlende Geld wiederzuholen. Leidtragende ist schließlich ihre elfjährige Tochter Marie. RTL hat den dreisten Unterhaltspreller konfrontiert. Wie das Ganze abgelaufen ist, zeigen wir im Video.

Obwohl Sandra einen Unterhaltstitel hat, zahlt ihr Ex fast nichts für sein Kind

Marie ist gerade ein Jahr alt, als sich ihre Eltern trennen. Roland P. soll laut ihrer Mutter Sandra immer wieder aggressiv geworden sein, viel getrunken haben. Um sein Kind habe er sich wenig gekümmert. Anders als seine damalige Freundin. Für ihre Tochter bricht Sandra K. ihr Studium ab, sucht sich einen Teilzeit-Job, um sich und Marie "über Wasser zu halten", wie sie selbst sagt.

Ab und zu habe Vater dann auf seine Tochter aufgepasst, während Sandra K. bei der Arbeit ist. Er habe mal hier und da einen Einkauf gezahlt, aber nie richtigen Unterhalt, nicht über einen längeren Zeitraum hinweg. Und das, obwohl Sandra K. mindestens 199 Euro im Monat von ihm bekommen soll – so, wie es im Unterhaltstitel steht. Laut Düsseldorfer Tabelle steht ihr sogar mehr Geld zu. Warum er nicht zahlt? Er habe kein Geld, kratze selbst an der Armutsgrenze, sagt Roland P.

Sandra K. im Interview mit RTL
Sandra K. hat ihren Ex angezeigt, weil er seit Jahren keinen Unterhalt zahlt. Im Gespräch mit RTL zeigt sie sich wütend und enttäuscht über das Verhalten von Roland P.
© RTL

Mutter ist „wütend und wahnsinnig enttäuscht" vom Vater ihres Kindes

Alles Ausreden und Lügen, wenn es nach Sandra K. geht. Sie selbst habe mit Marie teilweise weniger zum Leben gehabt als Roland P. alleine, erzählt sie im Interview mit RTL. Wütend sei sie auf ihn, sagt Sandra K. "Wütend und wahnsinnig enttäuscht. Man hat sich ja irgendwann mal gerne gehabt und aufeinander gebaut." Als Sandra K. einen anderen Mann kennenlernt und ihn heiratet, hören auch die sporadischen Zahlungen auf. Die neue Beziehung habe er ihr übel genommen, meint sie.

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© privat

Für Sandra K. ist ihr Ex ein Betrüger, dem es um Macht geht

Trotz der Streitigkeiten um den Unterhalt versucht Roland P. vor Gericht, mehr Umgang mit Marie einzuklagen. Es gehe ihm dabei jedoch nur um Macht, glaubt Sandra K. "Ein richtiger Betrüger, Verbrecher ist das für mich. Ein richtiger Verbrecher. Der gern Vati spielen will, weil er ja versucht hat, den Umgang einzuklagen. Also der große Papa. Aber wenn es darum geht, auch die Pflichten zu übernehmen und finanziell aufzukommen für das Kind, da geht kein Weg ran. Da wird gemogelt was das Zeug hält."

Um das Geld selbst gehe es ihr schon lange nicht mehr. Zusammen mit ihrem neuen Ehemann sorge sie gut für Marie, erzählt Sandra K. "Mir geht es einfach um das Recht, um den Anspruch meiner Tochter. Ich finde einfach, man kann sich nicht einfach so aus der Verantwortung ziehen."

Sandra K. mit Tochter Marie
Sandra K. kämpft für ihre Tochter - sie will nicht, dass sich ihr Vater einfach aus der Verantwortung zieht.
© privat

Sandras Tochter Marie spricht nicht gut über ihren Vater

Die Elfjährige leidet sehr unter der Situation. Die Besuche bei ihrem Vater haben mittlerweile ganz aufgehört – denn Marie hat schlechte Erfahrungen im Bungalow gemacht. Eine "schlimme Situation", wie sie es selbst nennt. Ihr Vater habe mal wieder getrunken. Mehr möchte sie selbst dazu nicht sagen. "Ich schäme mich wahnsinnig für meinen Papa, ich rede auch nicht gerne über ihn. […] Für mich ist mein Papa einfach mein Papa und nichts Gutes in meinem Leben. Für mich könnte er einfach weg sein." Harte Worte für ein Kind.

Der Verurteilte selbst wollte sich nicht vor der Kamera äußern

Jetzt zumindest herrscht rechtliche Klarheit: Roland P. bekommt sechs Monate auf Bewährung, muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeiten ableisten und alle drei Monate dem Richter seine Einkommensverhältnisse mitteilen. Unterhalt muss er dann zahlen, wenn er über dem Selbstbehalt von 1.080 Euro im Monat liegt.

Nach dem Urteil gegen ihren Ex zeigt Sandra K. sich erleichtert. "Man sieht, die Mühlen mahlen doch, und es gibt Gerechtigkeit", sagt sie im Interview mit RTL. Auf das Geld macht sie sich trotzdem keine großen Hoffnungen mehr. Marie werde sich in Geduld üben müssen.

Der Verurteilte selbst wollte sich zu keinem Zeitpunkt vor der Kamera äußern. Ob das Verhältnis zwischen Marie und ihrem Vater je wieder zu kitten ist, bleibt fraglich.