Neues EuGH-Urteil

Entschädigung auch bei Streik: Darauf haben Fluggäste jetzt Anspruch!

Bei Streik haben Fluggäste ab sofort Anspruch auf Entschädigung.
Bei Streik haben Fluggäste ab sofort Anspruch auf Entschädigung.
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06. Oktober 2021 - 16:24 Uhr

Bei Streik Geld zurück?

Lange ist die Reise schon geplant, die Flugtickets gebucht und die Koffer gepackt. Doch kurz vor knapp kommt die Horror-Nachricht: Das Flugpersonal streikt, der Flug fällt aus. Bekomme ich als Fluggast nun wenigstens eine Entschädigung? Eine neue Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) bringt jetzt Klarheit in dieser Frage.

Verbraucher haben Anrecht auf Entschädigung

Kurz vor knapp wird der Flug gestrichen, weil das Personal streikt: Das ist einem Fluggast passiert, der von Salzburg nach Berlin reisen wollte. Er hatte daraufhin 250 Euro Entschädigung verlangt. Aber die Airline Eurowings hatte sich gesträubt. Sie hätte keinen Einfluss auf den Streik gehabt. Der EuGH sprach in dem darauf folgenden Rechtsstreit ein Machtwort, das alle Fluggäste glücklich machen sollte: Verbraucher, denen durch einen Streik kurzfristig der Flug gestrichen wird, haben ein Anrecht auf Entschädigung.

Bei Kurzflügen unter 1.500 Kilometern kann ein Fluggast in Zukunft bis zu 205 Euro Schadensersatz fordern, wenn seine Verbindung wegen eines Streiks gestrichen und keine angemessene Alternative geboten wurde. Bei längeren Flügen steigt die Entschädigungssumme.

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Die Ausnahmen

Es gibt jedoch einige Ausnahmen. Beispielsweise, wenn Sie von der Fluggesellschaft zwei Wochen vorher informiert werden. Oder wenn ein "außergewöhnlicher Umstand" vorliegt. Dies ist laut entsprechender EU-Verordnung dann der Fall, wenn sich die Umstände für die Annullierung "auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären".

Interessant ist, dass sich die Airline Eurowings in dem oben skizzierten Fall bereits auf "außergewöhnliche Umstände" berufen hatte. Jedoch lies das oberste EU-Gericht diese Auslegung nicht gelten. Der Streik sei vorhersehbar gewesen. Und wie jeder Arbeitgeber könne eine Airline, deren Beschäftigte für bessere Arbeitsbedingungen streiken, "nicht behaupten, es habe keinerlei Einfluss auf diese Maßnahmen". (skn/dpa)

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