Debatte über die Energieversorgung in Deutschland

Und plötzlich doch wieder Atomkraft?

 Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident, Parteivorsitzender der CSU Aufbruch22 - Klausur der CSU im Bundestag, Pressekonferenz am 3.2.2022 in Berlin Berlin Amplifier, Berlin Berlin GER
Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident, Parteivorsitzender der CSU: „Aber ich glaube, so für drei bis fünf Jahre wäre das einfach in dieser Notsituation ein guter Übergang, um billigen Strom zu produzieren, der gleichzeitig auch keine Klimabelastung bringt."
www.imago-images.de, imago images/Bernd Elmenthaler, Bernd Elmenthaler via www.imago-images.de

Auch wenn wir den Krieg nicht unmittelbar erleben, spüren wir seine Auswirkungen: Beim Tanken, beim Heizen, beim Strom. Der Preis für Erdgas ist am Vormittag um rund 60 Prozent gestiegen. Auch der Ölpreis ist auf Rekordniveau. Wie kann die Energieversorgung in Deutschland angesichts des Krieges in der Ukraine gesichert werden? Die ersten, darunter CSU-Chef Markus Söder, rufen nach einem Atomkraft-Comeback. Der Wirtschafts- und Klima-Minister Robert Habeck blickt mit Sorgenfalten auf den kommenden Winter.

"Es ist die Frage, ob man es politisch will"

Söder fordert eine mehrjährige Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. „Natürlich wäre eine Verlängerung rein technisch möglich. Es ist die Frage, ob man es politisch will“, sagte der CSU-Vorsitzende im „Morgenmagazin“ des ZDF. „Aber ich glaube, so für drei bis fünf Jahre wäre das einfach in dieser Notsituation ein guter Übergang, um billigen Strom zu produzieren, der gleichzeitig auch keine Klimabelastung bringt.“ Dies wäre jetzt der „richtige Ansatz“. In Bayern ist noch das AKW Isar 2 am Netz, das Ende 2022 abgeschaltet werden soll – Stand jetzt.

Niedersachsens Energie- und Umweltminister Olaf Lies (SPD) widerspricht Söder. Er will trotz des Ukraine-Krieges die Kernkraftwerke in Deutschland nicht länger am Netz lassen. „Das ist aus meiner Sicht überhaupt keine Option. Diese Debatte sollten wir zügig beenden“, sagte Lies der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es gebe keine Möglichkeiten, die Kernkraftwerke am Netz noch länger laufen zu lassen. „Es ist ja nicht so, dass man da ins Lager geht und mal eben einen neuen Brennstab holt“, sagte Lies. In Niedersachsen läuft noch das AKW Lingen, geplant bis Ende 2022.

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Eine Steigerung der Gasförderung in Deutschland ist aus Sicht des Ministers ebenfalls nicht möglich. Vor allem in Niedersachsen gebe es keine Gasförderprojekte, die noch wesentlich ausgebaut werden könnten. „Wir werden uns vielmehr mit unseren europäischen Nachbarn, die Gas ja verstärkt in der Nordsee fördern, verständigen müssen, wie wir daran partizipieren können“, sagte Lies.

Der SPD-Politiker setzt auf einen massiven Ausbau der Windenergie und mehr Tempo bei der Realisierung von Flüssiggas-Terminals in Wilhelmshaven, Stade und Brunsbüttel. Lies sagte, er hoffe auf weniger Proteste gegen neue Windenergie-Projekte.

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Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sieht im Falle eines Abreißens der Kohle- oder Gaslieferketten aus Russland einen schwierigen nächsten Winter. Falls die Lieferketten reißen würden, wäre der kommende Winter eine Herausforderung, sagte Habeck am Sonntag in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“: „Das Frühjahr und den Sommer werden wir gut bestehen können, aber der nächste Winter bereitet mir noch ein bisschen Sorgen.“ Obwohl er für den Ausstieg aus der Atomkraft sei, prüfe man deswegen, ob ein längerer Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland etwas nützen würde. „Aber nachdem, was man absehen kann, ist das nicht der Fall.“

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Mit Blick auf Kohlekraft sagte Habeck, es sei für den Fall der Fälle eine Möglichkeit, „Kraftwerke in der Reserve zu halten“. Sie sollten aber nicht weiter laufen. „In der Reserve heißt, sie werden vorgehalten, sie werden nicht verschrottet, aber sie sind nicht mehr am Betrieb.“

Er betonte, man müsse darauf hinarbeiten, möglichst unabhängig von fossilen Energien zu werden. Mit Blick auf das Klima sagte Habeck: „Wir haben ja die andere Krise, die wir nicht aus dem Kopf verlieren dürfen.“ (eku, mit dpa)

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