Gegenwind aus Handel und Politik

Kann die Maske weg? Spahn erntet viel Kritik für diesen Vorstoß

Nach seinem Vorpreschen sieht sich Jens Spahn teils heftiger Kritik ausgesetzt
Nach seinem Vorpreschen sieht sich Jens Spahn teils heftiger Kritik ausgesetzt
© dpa, Michael Kappeler, mkx cul

15. Juni 2021 - 15:26 Uhr

Maskenpflicht könnte schon bald fallen

Es herrscht wieder so etwas wie Normalität in Deutschland: Geschäfte und Dienstleister sind wieder geöffnet, Restaurants und Hotels dürfen wieder Gäste begrüßen. Es gibt jedoch eine Ausnahme: An vielen Orten – vor allem im Innenraum – gilt weiter Maskenpflicht. Das soll sich nach dem Willen von Jens Spahn jetzt aber ändern. "Bei den fallenden Inzidenzen sollten wir gestuft vorgehen: In einem ersten Schritt kann die Maskenpflicht draußen grundsätzlich entfallen", so Spahn im Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Doch es gibt heftige Kritik.

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Einzelhandel gegen schnelle Lockerung der Maskenpflicht

Darauf haben viele Deutsche gewartet: Die Maskenpflicht könnte schon sehr bald der Vergangenheit angehören. Doch diese Ankündigung des Gesundheitsministers stößt nicht überall auf Zustimmung. Die Deutschen Einzelhändler haben nämlich die Befürchtung, dass das eher kontraproduktiv sein könnte. "Wir müssen jetzt alles vermeiden, was die erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie gefährdet und möglicherweise in einen nächsten Lockdown führt", sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland.

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Lockerungen der vergangenen Wochen dürften nicht aufs Spiel gesetzt werden, vor allem weil Kunden und Händler sich an die Maskenpflicht gewöhnt hätten. "Sie sollte erst abgeschafft werden, wenn die Experten aus Medizin und Politik das für verantwortbar halten", so Genth weiter.

Söder sauer über Spahns Vorpreschen

Kritik kommt auch aus Spahn eigenem politischen Lager. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigt sich sogar verärgert über Spahns Vorpreschen. "Ich finde es schade, wenn von Seiten des Bundes, ohne jede Zuständigkeit in der Frage und ohne jede Kompetenz, den Ländern da an der Stelle ein Vorschlag gemacht wird", sagte Söder in München. "Ich rate da zur Zurückhaltung. Es ist noch nicht absehbar, wie das alles wirkt", so Söder.

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Die Maske sei neben der Impfung eines der wenigen wirksamen Instrumente im Kampf gegen Corona. Er sei deshalb dagegen, jetzt zu schnell alles wieder aufzugeben. Vorschnelle Lockerungen hätten sich bereits in der Vergangenheit als Fehler herausgestellt. "Nicht immer gleich alles Acht lassen, wenn der Himmel aufklart", sagte Söder.

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Karl Lauterbach: „Die Maskenpflicht im Außenbereich ist in der Tat zum jetzigen Zeitpunkt bei der niedrigen Inzidenz für viele Bereiche nicht mehr sinnvoll, nicht mehr nötig.“
© dpa, Kay Nietfeld, nic alf

Weniger rigoros gehen CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mit Spahns Vorschlag ins Gericht. Zwar sind beide auch für eine weitere Maskenpflicht in Innenräumen, können sich aber eine Aufhebung im Außenbereich vorstellen. "Die Maskenpflicht im Außenbereich ist in der Tat zum jetzigen Zeitpunkt bei der niedrigen Inzidenz für viele Bereiche nicht mehr sinnvoll, nicht mehr nötig", sagte Lauterbach im Interview mit dem ZDF. Für eine generell Abschaffung der Maskenpflicht brauche es aber eine Impfquote von rund 70 Prozent.

FDP und AfD für Abschaffung der Maskenpflicht

Zustimmung kommt hingegen von der Opposition. Sowohl der stellvertretende FDP-Vorsitzende als auch die die AFD-Vize Beatrix von Storch fordern eine schnelle, generelle Abschaffung der Maskenpflicht. "Wer die längerfristige Aufrechterhaltung der allgemeinen Maskenpflicht möchte - egal, ob in Innenräumen oder im Freien - muss dafür die gesetzliche Grundlage schaffen. Die gibt es bei einer dauerhaften Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 nicht", so Kubicki gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Von Storch fügte im ZDF hinzu: "Die Maskenpflicht muss weg. Sie ist nicht mehr zu begründen. Sie ist der sichtbarste Ausdruck für den Ausnahmezustand. Der ist jetzt zu beenden. Wir müssen wieder Gesicht zeigen."

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