Sohn von Michael Ballack tödlich verunglückt

Quad-Unfälle sind zehnmal gefährlicher als Crashs mit dem Auto

06. August 2021 - 13:32 Uhr

Großes Verletzungsrisiko bei Quad-Unfällen

Emilio Ballack (†18), der Sohn von Ex-Nationalspieler Michael Ballack (44), ist am Donnerstag bei einem Quad-Unfall in Portugal tödlich verunglückt. Die genauen Umstände sind noch unklar. Verkehrsexperten warnen, dass das Fahren mit einem Quad nicht ungefährlich ist. Das Risiko, bei einem Unfall verletzt oder gar getötet zu werden, ist um ein Vielfaches höher als bei einer PKW-Kollision, wie eine aktuelle Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt.

Keine Knautschzone für Fahrer auf dem Quad

Ein Grund dafür liegt unter anderem in der Bauweise der Fahrzeuge, wie der ADAC auf RTL-Anfrage erklärt. "Quads fehlt eine schützende Fahrgastzelle, welche im Falle eines Zusammenstoßes die Energie aufnimmt", so die Unfallexperten des Automobilclubs. Bei Unfällen werde der Fahrer häufig einfach abgeworfen. "Ein Aufprall des menschlichen Körpers mit Hindernissen birgt ein immenses Verletzungspotenzial", so der ADAC. Auch wenn das Quad zur Seite oder nach hinten kippe, sei das Risiko groß, dass sich der Fahrer verletze. Und das passiert offenbar gar nicht so selten.

Quad-Fahrer für Unfälle meist selbst verantwortlich

Die Fahrzeuge drohten schnell zu kippen, "da der Schwerpunkt hoch und die Spur schmal ausfallen", so der Automobilclub. "Quads sind zudem oft ohne Differential ausgestattet, die Räder an der Hinterachse können sich in Kurven deshalb nicht unterschiedlich schnell drehen. Ohne ein solches Getriebe drehen die Räder gleich schnell, das Fahrzeug kann geradeaus aus der Kurve herausgetragen werden", beschreibt der ADAC das Gefahrenpotential.

Die Unfallforscher des GDV haben in ihrer Studie auch nachgewiesen, dass rund 85 Prozent der Quad-Fahrer für die Unfälle selbst verantwortlich seien. Meist sind Probleme mit der Handhabung die Ursache. "Aufgrund des kurzen Radstands reagieren Quads oft nervös auf Lenkimpulse", sagen auch die Unfallexperten des ADAC.

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Quad-Unfälle haben in Deutschland deutlich zugenommen

Besonders junge Leute fahren gerne mit dem "Motorrad auf vier Rädern". Dabei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. In Hamburg verlor zum Beispiel ein Quad-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte gegen einen Baum. Dabei wurde seine Beifahrerin schwer verletzt. In der Nähe von Nürnberg kam eine 17-jährige ums Leben, als sie mit ihrem Quad in einen Graben stürzte und bei Augsburg wurden zwei junge Männer schwer verletzt, weil sie auf einem Privatgelände hinter einen Abhang fünf Meter in die Tiefe fielen.

Kein spezieller Quad-Führerschein nötig

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes waren im Jahr 2020 rund 110.000 Quads in Deutschland zugelassen. Eine spezielle Fahrerlaubnis braucht es nicht. Fahren kann jeder, der einen PKW-Führschein besitzt. Die einzige vorgeschriebene Schutzmaßnahme ist das Tragen eines Helms. Da sich mit der steigenden Zahl der Zulassungen auch die Unfallzahlen deutlich erhöht haben, rät der ADAC allen Quad-Fahrern wenigstens an einem Fahrsicherheitstraining teilzunehmen. (rra)