Sechsjähriger wurde von seinem Großvater nach Tel Aviv gebracht

Eitan aus Italien nach Israel entführt: Geht es dem Opa um eine Millionensumme?

15. September 2021 - 11:45 Uhr

Spurensuche bei den Großeltern von Eitan in Tel Aviv

Der Streit um den kleinen Eitan (6) verschärft sich rasend schnell. Sein Großvater hat den Sechsjährigen nach Israel entführt – um an die hohe Entschädigungssumme, die dem Jungen wohl zusteht, zu kommen? RTL hat sich auf Spurensuche begeben, unter anderem bei Eitans Großeltern in Tel Aviv.

Eitans Großvater offenbar mehrfach vorbestraft

In der israelischen Großstadt lebt Eitans Opa Shmulik P. in einer Wohnung in einem großen Neubau. Als unsere Reporterin klingelt, antwortet eine Frauenstimme, dass man nicht mit den Medien sprechen wolle. Ob Eitan in der Wohnung ist? Keine Antwort.

Wahrscheinlich scheint mittlerweile, dass es sich bei dem Drama um den kleinen Jungen um mehr als einen reinen Sorgerechtsstreit handelt. Es ist anzunehmen, dass die Entschädigung – vermutlich in Millionenhöhe –, die Eitan als Opfer des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore zusteht, eine große Rolle in den Ereignissen der vergangenen Tage spielt.

Ein weiteres pikantes Detail zudem: Eitans Großvater ist offenbar mehrfach vorbestraft, er soll seine Ex-Frau mehrfach misshandelt haben. Mit der Entführung seines Enkels begibt Shmulik P. sich nun erneut auf einen rechtlich äußerst fragwürdigen Kurs.

"Niemand hat den Jungen gekidnappt"

Eitan (re) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2).
Eitan (re) mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder (†2).
© .

Und Eitans Großmutter? Sie und Eitans Opa leben mittlerweile getrennt, dennoch soll sie von den Plänen ihres ehemaligen Partners gewusst haben.

Als unsere Reporterin bei ihrer Wohnung klingelt, öffnet ein Mann. Wo Eitan ist sagt er uns nicht. Es handle sich allerdings keineswegs um eine Entführung. "Niemand hat den Jungen gekidnappt. Der Junge ist hier her nach Hause gekommen", so der Fremde. Die Szene sehen Sie oben im Video.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Eitan mit Privatjet aus der Schweiz nach Israel ausgeflogen

Shmulik P. hatte Eitan am vergangenen Samstag mit dem Flugzeug aus der Schweiz nach Israel ausgeflogen – ohne das Wissen seiner Tante Aya B., die nach dem Tod von Eitans Eltern der Vormund des Kleinen ist und den Großeltern nun schwere Vorwürfe macht.

Offenbar hatte der Großvater die Entführung ausführlich geplant. Nach RTL-Informationen buchte Shmulik P. für 9.000 Euro ein Privatflugzeug, welches am Samstag von Hannover nach Lugano flog. Bei einem abgesprochenen Ausflug mit Eitan fuhr Shmulik P. zunächst aus dem italienischen Pavia in die Schweizer Stadt und flog von dort in seine Heimat Israel.

"Er selber sagt, dass er sich spontan dazu entschlossen hat, weil ihm andauernd der Kontakt zu seinem Enkelsohn erschwert wurde", erklärt Shmulik P.s Anwältin Sara Carsaniga gegenüber RTL. "Der habe ihn wiederholt darum gebeten, nach Israel mitgenommen zu werden."

Wird Eitan schon bald nach Italien zurückgeführt?

Sechsjähriger Eitan Biran soll von Großvater nach Israel entführt worden sein.
Aya Biran, Eitans Tante, spricht zu Reportern.
© AP

Weil die Vormundschaft für Eitan bei seiner italienischen Tante liegt, könnte der Sechsjährige schon bald nach Italien zurückgeführt werden. "Wir bewerten aktuell den Vorfall, um uns dann einschalten zu können", sagte der italienische Außenminister Luigi di Maio am Montag vor Journalisten.

Eitan besitzt die italienische und die israelische Staatsangehörigkeit. "Er ist auch Israeli, aber in erster Linie ist er Italiener. Er war ein Jahr und 18 Monate alt als er herkam und ist in Pavia aufgewachsen", sagt seine Tante.

Eitans israelische Verwandten wollen nun allerdings, dass der Junge nach Israel zurückkehrt. "Wir wollen nicht, dass Eitan in eine katholische Schule geht, wir wollen, dass er auch die jüdischen Feiertage feiert, nicht nur Weihnachten", heißt es.

Bei einem Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore kamen im Mai 14 Menschen ums Leben. Der kleine Eitan überlebte als einziger Insasse der Gondel. Seine Eltern, zwei Urgroßeltern und sein zweijähriger Bruder verstarben.