Nach den Fluten 2002 und 2013

"Durchhalten, die Fehler nicht wiederholen" - So hat Grimma den Wiederaufbau geschafft

21. Juli 2021 - 9:16 Uhr

Wiederaufbau am Beispiel der sächsischen Stadt Grimma

Die sächsische Stadt Grimma wurde gleich zweimal von einer großen Flutkatastrophe erwischt. Beim Jahrhunderthochwasser im Sommer 2002 und im Juni 2013 wurde die historische Altstadt komplett geflutet. Der Wiederaufbau von Grimma zeigt beispielhaft, worauf in den aktuellen Überschwemmungsgebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen nach den Aufräumarbeiten geachtet werden sollte.

Grimma gleich zweimal von Hochwasser überflutet

In Grimma können die Menschen ganz genau mitfühlen, was die Flutopfer in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gerade erleben. Fast drei Meter hoch floss das Wasser hier beim Jahrhunderthochwasser 2002 durch die Altstadt, als hier die Mulde über die Ufer trat. "Das war wie im Kriegsgebiet, so sah das hier aus. Die Pflastersteine, die Autos waren übereinandergestapelt", erzählt eine Ladenbesitzerin, die beide Fluten miterlebt hat.

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Durchhalten und beim Wiederaufbau schon Wiederholungen einplanen

In Grimma setzte man sich zusammen und ging auf Ursachenforschung. Häuser, die nah am Ufer standen wurden nicht wieder aufgebaut, das Flussbett erweitert und eine Hochwasserschutzanlage gebaut. Darüber hinaus wurde ein komplettes Katastrophenwarnsystem installiert, um die Einwohner rechtzeitig in Sicherheit bringen zu können. Erkenntnisse, mit denen Grimmas Bürgermeister Matthias Berger die Betroffenen an der Ahr und der Erft jetzt ermutigen möchte. "Durchhalten, die Fehler nicht wiederholen: Das haben wir spätestens nach dem Hochwasser 2013 gelernt, dass man Elektro- und Sanitäranlagen nicht ins Erdgeschoss macht, dass man keinen Trockenbau rein macht. Dass man beim Wiederaufbau schon drüber nachdenken sollte, sich beim Wiederaufbau auf Wiederholungen einzustellen."

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Hilfskonvoi aus Grimma ins Katastrophengebiet unterwegs

Die Erfahrungen aus Grimma zeigen, dass der Wiederaufbau teuer wird und er wird viel Zeit in Anspruch nehmen. 2002 stellte die Bundesregierung 385 Millionen Euro als Soforthilfe bereit. Jetzt sind es 400 Millionen Euro. Das wird kaum reichen. Aktuell sind aber ganz andere Hilfen gefordert. In Grimma hatte die riesige Welle der Hilfsbereitschaft den Menschen wieder Mut gemacht. Deshalb wollen die Sachsen jetzt auch mit anpacken und schicken einen Hilfskonvoi in das Katastrophengebiet. Steffen Kunze, Sachgebietsleiter Brandschutz Grimma: "Wir haben es gut gemanaged und gut organisiert, uns selbst gut aufgestellt und dann haben uns natürlich ganz, ganz viele aus ganz Deutschland geholfen. Und das ist natürlich die Hilfe, die wir jetzt auch ein Stück weit zurückgeben wollen", erzählt uns der Sachgebietsleiter Brandschutz in Grimma, Steffen Kunze.

Mut zum Wiederaufbau

Mit einfachen Mitteln, mit Schaufeln, Gummistiefeln, Schmutzwasserpumpen, Kettensägen und Hochdruckreiniger wollen die Sachsen jetzt im aktuellen Hochwassergebiet helfen. Erst mal grob aufräumen und damit den Opfern zeigen, dass auch ihnen jetzt geholfen wird - damit sie nicht aufgeben, vor dem Wiederaufbau. (rra)