"Miese Arbeitsbedingungen, keine Wertschätzung"

Droht jetzt der #Pflexit? Zig Pflegekräfte sind am Ende ihrer Kräfte

30. November 2021 - 14:21 Uhr

Pandemie hat neue Herausforderungen auf vielen Intensivstationen geschaffen

Es gilt jederzeit, aber aktuell während der Pandemie besonders: Pflegekräfte leisten essenziell wichtige Arbeit. Dass der Joballtag kräftezehrend und von Überstunden geprägt ist, ist kein Geheimnis. Vor allem durch das Coronavirus sind die Intensivstationen in deutschen Krankenhäusern gut gefüllt, zeitweise sogar stark überlastet. Wie sich das auf den Alltag der Pflegekräfte auswirkt, zeigen sie jetzt via Social Media mit dem Hashtag "#Pflexit" – zusammengesetzt aus den Worten "Pflege" und "Exit". Im Video spricht Intensivkrankenschwester Martina Volland darüber, wie wichtig die Corona-Impfung bei der Entlastung der Intensivstationen ist.

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"Heute habe ich gekündigt. Es ist alles so sinnlos"

Ein Pfleger teilt auf Twitter ein Bild, das Fußball-Fans eng zusammenstehend ohne Mund-Nasen-Schutz in einem Stadion zeigt und mit dem Kommentar "Ich habe nur noch Verachtung übrig." versehen ist. Er selbst schreibt dazu: "Ich bin seit 13 Jahren in der Pflege, davon die Hälfte als Fachkraft. Seit 2 Jahren ist mein Privatleben aufs Minimum reduziert um mich nicht zu infizieren & Kollegen/Patienten nicht zu gefährden. Heute habe ich gekündigt. Es ist alles so sinnlos. #pflexit #pflegteuchdochselbst".

"Das ist kein haltbarer Zustand"

Ein weiterer Pfleger zeigt in einem Videozusammenschnitt, mit welchen Aufgaben Pflegekräfte in ihrem Alltag konfrontiert werden. So erzählt er unter anderem: "Eine weitere Bewohnerin hat sich leider das Inkontinenzmaterial etwas nach unten gezogen, sodass teilweise die Bettdecke und ein Teil vom Bett mit Stuhlgang beschmiert waren, was ich dann natürlich frisch beziehen musste und die Bewohnerin zum Teil frisch umziehen musste."

In einem zweiten Video macht er deutlich, wie viel der Job ihm und seinen Kollegen abverlangt: "Dass Menschen, die sich dafür aufopfern, anderen Menschen zu helfen, einen Arschtritt kriegen oder nicht einmal ihre Freizeit genießen können, sowieso unterbezahlt sind und in Dauerbereitschaft sind, das ist kein haltbarer Zustand."

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"Miese Arbeitsbedingungen, keine Wertschätzung"

Eine Pflegerin hat sich für die Kündigung entschieden und fasst zusammen, warum ihr der Arbeitsalltag so enorm zu schaffen gemacht hat: "Ich habe es tatsächlich getan, nach 11 Jahren in der Pflege. Ich bin weg. Weg vom Schichtdienst, WE & Feiertage arbeiten, miesen Arbeitsbedingungen, keine Wetschätzung, geschlagen und beschimpft werden von Patienten. Weg von Schlafstörungen, Rückenproblemen, Burn-out #pflexit".

"Im Moment mutiere ich zu einem Zombie"

Die selbe Entscheidung hat eine Twitter-Userin getroffen, die über 30 Jahre lang als Krankenschwester im Dienst war: "Ich war 35 Jahre eine stolze Krankenschwester, im Moment mutiere ich zu einem Zombie und musste diese Entscheidung treffen. Es tut mir leid für meine Kollegen an der Front und bin in Gedanken bei euch. Aber jetzt brauche ich Hilfe. Bin raus..#Pflexit #Pflege". (jos)

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