Nach „Team Wallraff“-Reportage

So reagiert das Deutsche Rote Kreuz auf die Vorwürfe

Das Logo und der Schriftzug des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Foto: Frank Molter/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

20. Oktober 2020 - 18:34 Uhr

„Team Wallraff“-Reportage sorgt bei Zuschauern für Empörung

Nach der aktuellen "Team Wallraff"-Reportage "Das Deutsche Rote Kreuz – aus Liebe zum Menschen?" zeigten sich die Zuschauer in den sozialen Netzwerken empört: Auf Facebook reagierten bereits Zehntausende auf die Enthüllungen der Undercover-Reporter, Hunderte machten ihrer Enttäuschung in Kommentaren Luft.

Das Deutsche Rote Kreuz selbst kritisiert die Berichterstattung von "Team Wallraff": "In der Sendung wurde in einem unseriösen und einseitigen Beitrag, gespickt mit vielen Halbwahrheiten, Stimmung gegen das DRK gemacht", sagt DRK-Generalsekretär Christian Reuter. 

DRK distanziert sich vom Einsatz aggressiver Haustürwerber

In einer Stellungnahme des DRK heißt es weiter: "Durch die Sendung wird anhand weniger Einzelbeispiele die verdienstvolle Arbeit von mehr als 443.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und mehr als 180.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Misskredit gebracht. Wir sind eine Organisation mit 500 Kreisverbänden und mehr als 4.200 Ortsvereinen, in denen auch Fehler gemacht werden. Hinweisen auf Missstände in unserem Verband müssen wir nachgehen und darüber auf allen Ebenen auch eine offene Diskussion führen.

So distanzieren wir uns zum Beispiel ausdrücklich vom Einsatz aggressiver Haustürwerber. Auch bei der Haustürwerbung muss der Grundsatz der Freiwilligkeit unter allen Umständen gewahrt bleiben."

"Team Wallraff" hatte kritisiert, dass Spendensammler, die im Auftrag des DRK unterwegs sind, aber zu externen Dienstleistern gehören, mitunter aufdringlich zu Werke gehen. So hatte es zumindest RTL-Reporter Manuel, der untercover als Spendensammler für die Firma Kober unterwegs war, bei seinem Teamleiter beobachtet.

So äußert sich das DRK zum Thema Spenden

Weiter heißt es in der Stellungnahme des DRK:

"Unsere Spender und Unterstützer erwarten vom DRK außerdem zu Recht einen professionellen und effizienten Umgang mit den uns anvertrauten Mitteln. Das DRK ist Mitglied im Spendenrat, der ebenfalls regelmäßige Qualitäts- und Transparenzkontrollen durchführt. Darüber hinaus lassen wir uns freiwillig jedes Jahr vom Deutschen Institut für soziale Fragen (DZI) prüfen, um das DZI-Spendensiegel zu erhalten. Anders als in der Sendung suggeriert, legt der DRK e.V. seine Aufwendungen für Werbung, allgemeine Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltung offen. Dieser Anteil lag beim DRK nach Angaben des DZI im Jahr 2017 bei 14,56 Prozent der Gesamtausgaben, also weit unter der vom DZI genannten Quote von maximal 30 Prozent."

"Team Wallraff" hatte aus internen DRK-Dokumenten zu einem Spendenmailing aus dem Sommer 2015, bei dem insgesamt 845.000 Euro an Spenden zusammenkamen, aufgeschlüsselt, wie diese verwendet wurden. Beim laut Spendenmailing vermeintlichen Empfänger, einem ehrenamtlichen Schwimmlehrer aus dem Ortsverband Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, kam von dem Geld seinen Angaben zufolge gar nichts an.

Das sagt das DRK zur Arbeit der Blutspendedienste

In der Stellungnahme äußert sich das DRK auch zu dem Thema Blutspenden und dem Vorwurf von "Team Wallraff", es habe Interesse daran, den Bedarf an Blutspenden in Deutschland möglichst hoch zu halten, weil diese eine lukrative Einnahmequelle seien. Auf die konkreten Vorwürfe wird dabei aber nicht eingegangen:

"Auch die Arbeit der Blutspendedienste wurde durch Halbwahrheiten in einem schlechten Licht dargestellt. Die DRK-Blutspendedienste sind die Pioniere des Blutspendewesens in Deutschland – es ist ein seit Jahrzehnten bewährtes System, das auf die Zusammenarbeit von ehren- und hauptamtlichen Kräften fußt. Die Blutspendedienste des DRK decken etwa 75% des bundesweiten Bedarfs an lebensrettenden Blutpräparaten ab und leisten somit einen entscheidenden Beitrag zur Versorgung schwerkranker und verletzter Menschen, die ohne fremdes Blut nicht überleben würden, und damit zum Erhalt des Gesundheitssystems. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern sowie ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz. Nur gemeinsam gelingt es, die Versorgung kranker und schwerverletzter Mitmenschen weiterhin zu sichern."

DRK wirft Team Wallraff „unseriöse Berichterstattung“ vor

Zuvor veröffentlichte das Deutsche Rote Kreuz bereits auf Facebook eine Stellungnahme, in der es der "Team Wallraff"-Redaktion "unseriöse und tendenziöse Berichterstattung" vorwarf. Darin heißt es unter anderem: "Auch das DRK mit seinen fast 500 Kreisverbänden und 4.300 Ortsvereinen ist nicht perfekt. Aber was das Team Wallraff macht, ist eine völlig einseitige und unseriöse Darstellung, gespickt mit vielen Halbwahrheiten."

"Team Wallraff"-Reporter Manuel Heckmair, der undercover als Rettungssanitäter-Praktikant beim DRK recherchierte, erklärt: "Wir würden uns freuen, wenn das DRK den Dialog mit uns sucht und wir gemeinsam versuchen, die Missstände, die wir in unserem Film nachgewiesen haben, zu beseitigen."

„Team Wallraff" bei TVNOW

Die ganze Sendung von "Team Wallraff – Reporter undercover" gibt es bei TVNOW und in der TVNOW App nachträglich in voller Länge zum Abruf.