Obwohl der Blutbedarf deutlich reduziert werden könnte

„Team Wallraff“ zeigt lukratives Blutspende-Geschäft: So verdient das DRK an unserem Blut

20. Oktober 2020 - 16:16 Uhr

Blut ist für das DRK eine wichtige Einnahmequelle

Wer Blut spendet, der rettet Leben – das weiß hierzulande dank dem Deutschen Roten Kreuz fast jeder. Doch für die Organisation ist Blut auch eine wichtige und lukrative Einnahmequelle. Dazu vorweg: Es ist sehr wichtig, dass wir Blut spenden. Aber die Recherchen von "Team Wallraff – Reporter undercover" zeigen: Ausreichend Transparenz darüber, was das DRK mit dem Blut macht und wohin die Einnahmen durch die Spenden fließen, gibt es nicht.

Dazu kommt: Der Bedarf an Blutspenden könnte eigentlich deutlich gesenkt und damit massiv Kosten eingespart werden. Warum das aber so gar nicht im Sinne des DRK ist, zeigen wir im Video.

Deutsches Rotes Kreuz beherrscht den Blutmarkt

Nirgendwo auf der Welt wird so viel Spenderblut benötigt wie in Deutschland: Mehr als 3,8 Millionen Vollblut-Spenden notierte das Rote Kreuz alleine 2018. Bei privaten Anbietern bekommen Blutspender Geld. Beim Deutschen Roten Kreuz gibt es keinen finanziellen Gegenwert - dafür nach dem Spenden Kaffee und Brötchen von den ehrenamtlich tätigen Helfern und das gute Gefühl, einen Beitrag geleistet zu haben.

Das Deutsche Rote Kreuz beherrscht den deutschen Blutmarkt: Knapp drei Viertel aller Spenden laufen derzeit über die Blutspendedienste des DRK. Dieses macht pro Blutspende einen Gewinn von fast 145 Euro. Deutschlandweit liegt der Gesamtumsatz durch Spenderblut bei etwa einer halben Milliarde Euro pro Jahr.

Im Podcast: Günter Wallraff über das Geschäft mit der Blutspende beim DRK

Was passiert mit dem Blut und wohin fließt der Gewinn?

Ex-DRK-Präsidiumsmitglied Markus Ostermeier im Gespräch mit Günter Wallraff.
Ex-DRK-Präsidiumsmitglied Markus Ostermeier im Gespräch mit Günter Wallraff.
© RTL

"Es ist ein richtiges Geschäftsmodell geworden und aus meiner Sicht ist der Blutspendedienst mit Sicherheit eine der gewinnbringendsten Unternehmungen, die das Rote Kreuz hat", sagt Markus Ostermeier, ehemaliges DRK-Präsidiumsmitglied, im Gespräch mit Günter Wallraff. Was mit seinem Blut passiert, wisse der normale Spender aber nicht – ebenso wenig, wie die Bilanzen der Blutspendedienste aussehen. Ein Blick in die Bilanz des Blutspendedienstes vom Bayerischen Roten Kreuz zeigt: Auf der Bank liegt ein Guthaben von fast 37 Millionen Euro - und es gibt insgesamt sechs Rotkreuz-Blutspendedienste in Deutschland.

Hierzu schreibt die Anwaltskanzlei des DRK, man weise den Vorwurf mangelnder Transparenz oder Bereicherung zurück: "Wir haben unserem Mandanten (…) geraten, diese anhaltlosen Fragen nicht zu beantworten."

„Patient Blood Management“ will Blutspenden senken

Mittlerweile gibt es auf der ganzen Welt Bestrebungen, den Blutverbrauch bei Operationen zu reduzieren und damit die Anzahl der Blutspenden zu senken – das sogenannte "Patient Blood Management". Wie das funktioniert, sehen Sie im Video oben. Darin erklärt der österreichische Arzt Prof. Dr. Hans Gombotz auch, wie viel Geld Krankenhäuser damit einsparen können und warum das DRK dennoch das Bestreben hat, den Pro-Kopf-Blutverbrauch hoch zu halten - und die Corona-Pandemie nun für cleveres Marketing nutzt.

Hierzu teilte die Anwaltskanzlei des DRK mit: "Tatsächlich kann seit Mai das Gesamtspendenaufkommen den Bedarf an Bluttransfusionen für Patienten teilweise nur zeitversetzt bzw. generell nur auf sehr niedrigem Niveau decken."

„Team Wallraff" bei TVNOW

Die ganze Sendung von "Team Wallraff – Reporter undercover" gibt es bei TVNOW und in der TVNOW App nachträglich in voller Länge zum Abruf.