Panik vor dem Pieks

Warum ich trotz Angst vor Nadeln Blutspenderin bin

RTL-Redakteurin Rosalie beim Blutspenden
RTL-Redakteurin Rosalie beim Blutspenden
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14. Juni 2020 - 10:33 Uhr

von Rosalie Cremer

Das Blutspenden liegt bei mir in der Familie. Mein Großvater hat Blut gespendet, mein Vater spendet seit 30 Jahren und für mich war schon als Kind klar: "Ich werde das auch mal machen." Doch die Sache hatte für mich von Anfang an einen Haken: Ich habe Angst vor Nadeln und Spritzen. Daher kostet mich jeder Gang zur Blutspende auch eine riesige Überwindung. So auch dieses Mal. Dabei ist diese Angst total unbegründet, wie eine Ärztin mir erklärt.

Ich habe mir vorgenommen, während meiner Mittagspause das Angebot der RTL Mediengruppe zu nutzen und zur Blutspende vom Deutschen Roten Kreuz zu gehen. Ich habe mir einen Termin geben lassen und bin bereit – oder zumindest optimistisch gestimmt, denn schon beim Gedanken an die Spende werde ich plötzlich ganz nervös…

Eine schlaflose Nacht und zittrige Hände

Am Abend davor schlafe ich schlecht. Den ganzen Morgen und später auf dem Weg zur Blutspende bin ich ganz kribbelig und bekomme schweißnasse, kalte Hände. Beim Ausfüllen des medizinischen Fragenbogens merke ich, dass ich sogar etwas zittere. Es ist verrückt, denn ich spende nicht zum ersten Mal Blut. Seit ich 18 Jahre alt bin, gehe ich regelmäßig. Ich weiß also genau, was mich erwartet. Ich könnte also ganz entspannt sein - wäre da nicht meine irrationale Panik vor dem Pieks.

Die Blutabnahme ist leider auch nicht der einzige Augenblick an diesem Tag, an dem ich in Berührung mit einer Nadel komme. Bevor ich überhaupt spenden kann, wird nämlich mein Hämoglobinwert gemessen. Dies geht nur durch einen Stich ins Ohrläppchen. Wenn ich diese Hürde gemeistert habe, folgt allerdings kurz darauf mein persönlicher Endgegner.

Tief durchatmen, denn es ist alles halb so wild

Nach einem kurzen Check beim Arzt sitze ich wenig später im Behandlungsstuhl. Mein Nervositätslevel erreicht jetzt die höchste Stufe. Sobald mein Arm abgebunden wird, um eine Vene zu finden, dreht sich mein Kopf automatisch zur Seite. Dann der Moment, vor dem ich mich seit Stunden fürchte: Der Pieks. Ich atme tief ein und wieder aus und kaum steckt die Nadel im Arm, werde ich plötzlich ganz ruhig. Ich frage mich: Wovor hatte ich solche Angst? Es ist gar nicht so schlimm.

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Warten, warten, warten und essen

Nun heißt es für mich: warten. Ca. 500 ml werden mir abgezapft und das kann bis zu zehn Minuten dauern. Heute bin ich aber schneller als sonst und unter neun Minuten mit der Spende fertig. Das Rausziehen der Nadel kann ich zwar erneut nicht beobachten, aber ich habe keine Angst mehr. Noch weitere zehn Minuten entspannt im Stuhl sitzen und danach kann ich mich mit Brötchen, Kuchen und Cola stärken – natürlich gratis.

In drei Monaten bin ich wieder am Start

Ich bin erleichtert und auch etwas stolz auf mich. Ein weiteres Mal habe ich meine Angst überwunden und damit auch etwas Gutes getan. Mein Blut wird eventuell bei einem Unfall gebraucht, bei einer Operation oder in der Forschung. Vielleicht kann es einem Menschen sogar das Leben retten. Das war eine schlaflose Nacht durchaus wert.

In drei Monaten ist es wieder soweit. Solange braucht mein Körper, um den Eisenverlust durch die Blutspende wieder komplett auszugleichen. Und auch wenn ich vor dem nächsten Termin wieder ganz nervös sein werde: Ich will auf jeden Fall wieder Blut spenden.

Infos zur Blutspende

Neben dem Deutschen Roten Kreuz gibt es noch viele andere Organisationen, bei denen man sein Blut spenden kann. Hier können Sie sich über den Ablauf einer Spende informieren.