Studie der Universität Göttingen

Jede zweite Schule ohne WLAN – digitale Kluft reißt auf

Eine ausreichende technische Versorgung, sowie flächendeckender WLAN-Zugang - an vielen Schulen Mangelware.
Eine ausreichende technische Versorgung, sowie flächendeckender WLAN-Zugang - an vielen Schulen Mangelware.
© deutsche presse agentur

01. Juni 2021 - 19:07 Uhr

Zu wenig Tempo bei Digitalisierung

Digitalisierung an Schulen in Deutschland – seit Jahren geht es hier nur schleppend voran. Durch die Corona-Pandemie hat sich zwar Einiges getan. Doch der Großteil der Schulen ist weiterhin nicht gut aufgestellt. Und das obwohl der Bund mit dem sogenannten "Digitalpaket" 6,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung an Schulen zur Verfügung gestellt hat. Wo liegen die Unterschiede und woran hapert es?

Studie liefert neue Ergebnisse

Aus einer neuen Studie der Universität Göttingen geht hervor, dass es in Sachen technischer Ausstattung und Digitalisierung immer noch Nachholbedarf gibt. Vor allem die Kluft zwischen einzelnen Schulen werde immer größer. Laut Studienleiter Frank Mußmann gebe es hier "eklatante Lücken": Ein Drittel aller Schulen gehört zu den so genannten "Nachzüglern", nur zwölf Prozent sind "Vorreiter" in Sachen Digitalisierung.

Wie wichtig eine ausreichende Digitalisierung im Schulalltag ist, zeigt ein weiteres Beispiel aus der Studie: Nur ein Drittel der Schülerinnen und Schüler an den "Nachzügler"-Schulen sind in der Lage zu überprüfen, ob bestimmte Informationen, die sie im Internet finden, wirklich vertrauenswürdig sind. Bei den "Vorreiter"-Schulen können dies hingegen fast doppelt so viele.

Zu wenig WLAN und Laptops

Verbesserungsbedarf gibt es auch bei der digitalen Infrastruktur: Laptops, ein flächendeckendes WLAN – all das fehlt an vielen Schulen. Nur die Hälfte stellt Schülerinnen und Schülern einen WLAN-Zugang zur Verfügung, bei den Lehrern haben immerhin 70 Prozent einen Zugang. Bei der technischen Versorgung – zum Beispiel mit Laptops – sieht es ähnlich aus.

Dass hier noch ein weiter Weg zu gehen ist, das weiß auch die Politik: 6,5 Milliarden Euro stehen im so genannten "Digitalpaket" für die Schulen – und den Ausbau der Digitalisierung – zur Verfügung. Wie RTL und ntv im Interview mit Bildungsministerin Anja Karliczek erfuhren, sind davon bisher aber erst circa eine Milliarde abgerufen worden.

Zu viel Bürokratie und ein kompliziertes Antragsverfahren erschweren den Schulen den Zugang zu den – ausreichend vorhandenen – Fördergeldern. Im NRW-Schulministerium hat man beispielsweise schon ein "Erklärvideo" online gestellt, um Antragsstellern zu helfen.

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Kleine Fortschritte bei Digitalisierung

Doch es gibt auch Positives zu berichten: "Deutschland kommt, was die Digitalisierung angeht aus einem tiefen Loch […] doch da ist sehr viel passiert in den letzten Jahren", so Studienleiter Frank Mußmann über die Digitalisierung von deutschen Schulen im internationalen Vergleich. Denn laut der Studie wurden auch Fortschritte gemacht – Schluss mit Zettelwirtschaft und Overheadprojektor: 68 Prozent der Lehrkräfte setzen täglich digitale Medien im Unterricht ein, weitere 30 Prozent zumindest "regelmäßig".

Für den Studienleiter also trotz allem eine positive Entwicklung. Aber – wie auch die Bildungsministerin zum Stand der Digitalisierung in Schulen anmerkte: "Wir haben noch ein bisschen Arbeit vor uns." (khe)