Dieser Winter wird teuer!

Gaspreise steigen - was Verbraucher jetzt wissen sollten

29. September 2021 - 10:01 Uhr

Preiserhöhung bei Gas: Worauf Sie jetzt achten sollten

von RTL-Verbraucherexperte Ron Perduss

Dieser Winter wird teuer! Wer zuhause mit Gas heizt – und das sind immerhin fast 50% aller deutschen Haushalte – muss diesen Winter mit besonders heftigen Preiserhöhungen rechnen. Schuld daran ist die gestiegene Nachfrage in den letzten Monaten. Hinzu kommt, dass die Gasspeicher in Deutschland nach dem kalten Winter 2020/2021 noch nicht wieder gefüllt sind.

Schon jetzt haben daher viele Energieversorger angekündigt, in den kommenden Wochen die Preise für Gas zu erhöhen. Was Sie dann am besten machen und wie Sie Heizkosten sparen können.

150 bis 200 Euro mehr für einen Vier-Personen-Haushalt

Nachdem wir in diesem Jahr bereits mit gestiegenen Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben, ist das nun die nächste Schocknachricht für alle Verbraucher. Bei aktuell erwarteten Mehrkosten von 15 bis 20% bedeutet das für einen Vier-Personen-Haushalt in diesem Winter Mehrkosten von ca. 150 bis 200 Euro!

Was können Sie nun tun, um diese Preiserhöhung vielleicht nicht mitmachen zu müssen?

Erstmal ist es wichtig, dass Sie den Brief Ihres Versorgers mit der angedrohten Preiserhöhung nicht achtlos weglegen. Gerade wenn Sie in der Grundversorgung sind, zahlen Sie generell oft zu viel! Allein der Wechsel zu einem anderen Anbieter spart bares Geld. Und das kostet Sie maximal 15 Minuten – bringt Ihnen aber im besten Falle ein paar hundert Euro mehr im Monat. Ein annehmbarer Stundenlohn!

Wie kann ich meinen bestehenden Gas-Vertrag kündigen?

Generell können Sie immer zum Ablauf der individuellen Vertragslaufzeit den bestehenden Vertrag kündigen. Bei einem Grundversorgervertrag beträgt die Kündigungsfrist gerade einmal zwei Wochen. Haben Sie bereits einen anderen Anbieter, als den Grundversorger Ihrer Region, so beträgt die Kündigungsfrist meist zwischen einem und drei Monaten zum Ablauf der Vertragslaufzeit. Wenn Ihr Versorger die Preise erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Wie finde ich einen neuen Gas-Versorger?

Das geht recht einfach über die bekannten kommerziellen Vergleichsportale. Aber beachten Sie, dass Sie hier nicht immer alle Anbieter und Tarife ausgewiesen bekommen. Die Portale erhalten von den Versorgern für den Abschluss eines Neuvertrags Provisionen. Daher kann es vorkommen, dass besonders günstige Angebote nicht unter den ersten Suchergebnissen zu finden sind. Schauen Sie auch auf Portalen wie finanztip.de oder bei den Verbraucherzentralen.

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Wie wechsle ich den Gas-Anbieter?

Über die Vergleichsportale bzw. auch bei direktem Abschluss eines Versorgungsvertrages ist es so, dass der neue Versorger auch die Kündigung des alten Vertrages übernimmt. Sie selbst müssen hier nicht weiter aktiv werden. Sie erhalten eine Vertragsbestätigung und müssen nur mit dem Ablauf des alten Vertrages den aktuellen Zählerstand ablesen, damit die Abrechnung erstellt werden kann.

Was muss ich beim Wechsel beachten?

Viele Versorger werben mit Wechsel- oder Neukundenboni. Das verschleiert die tatsächlich anfallenden Tarifdetails. Mein Tipp: Wenn Sie Vergleichsportale nutzen, setzen Sie einen Haken bei "Ohne Neukundenbonus". So werden Ihnen nur die Anbieter angezeigt, die auch ohne Bonus günstiger sind. Bei den Boni-Verträgen ist das Problem, dass Sie hier regelmäßig nach einem Jahr den Anbieter wechseln müssten.

Wenn der Wechsel nicht sofort funktioniert: Besteht die Gefahr, dass die Gas-Versorgung unterbrochen wird?

Diese Gefahr besteht zu keinem Zeitpunkt. Gas wird grundsätzlich immer angeliefert, auch wenn es mit dem neuen Versorger vielleicht etwas länger dauert. Ausschlaggebend für den Wechsel und für die Abrechnung sind dann der Zählerstand und der bestätigte Termin für den Vertragsstart. Sollte alles schiefgehen, so sind Sie immer automatisch im Grundversorgertarif. So lange Sie Ihren Abschlag regelmäßig bezahlen, wird auch die Versorgung nicht eingestellt.

Mit ein paar kleinen Tipps lassen sich Heizkosten sparen

  • Thermostat korrekt verwenden. Wir alle wissen, dass auf dem Thermostat die Ziffern 1-5 abgedruckt sind. Die Wenigsten aber wissen, dass sich hinter den Ziffern Temperaturen verbergen. Es macht keinen Sinn, dass Thermostat auf 5 voll aufzudrehen, um die Wohnung aufzuheizen. "5" bedeutet einfach nur, dass eine Raumtemperatur von ca. 28 Grad erzielt werden soll. Die "3" dagegen heizt den Raum auf ca. 20 Grad auf.
  • Elektrische Thermostate sind nicht nur praktisch, sondern sparen bares Geld. Durch das Programmieren, zu welchen Zeiten welche Temperatur erreicht werden soll, arbeitet die Heizung viel effizienter. Die meist per App steuerbaren Thermostate gibt es bereits ab 30 Euro pro Stück, sie sind nach knapp zwei Heizperioden amortisiert.
  • Heizkörper nicht zustellen. Die Couch, das Sideboard oder der Vorhang – viele Heizkörper stehen nicht wirklich frei. Damit kann die Wärme nicht gleichmäßig abgegeben werden und es wird Energie verschwendet. Zwischen Möbeln und dem Heizkörper sollten am besten zwischen 30 und 40 cm Abstand bestehen.
  • Fenster und Türen abdichten. Hierüber geht viel Wärme verloren. Dichtungsgummis gibt's in jedem Drogeriemarkt und sie sind leicht zu installieren.
  • Richtiges Lüften spart ebenfalls Energie. Kippfenster sind immer eine schlechte Idee – stoßlüften zweimal am Tag reicht vollkommen aus. Und wenn Sie Lüften: drehen Sie die Heizung am besten runter!

Lese-Tipp:

Wann Stoßlüften sinnvoll ist