Schönheit und ökologisches Gleichgewicht unserer Weltmeere bedroht

Delfine, Wale, Schildkröten & Co - darum sind Meerestiere in Gefahr

Wattestäbchen, Plastikbeutel & Co: Sie bedeuten oft den Tod für Meerestiere wie Seepferdchen
Wattestäbchen, Plastikbeutel & Co: Sie bedeuten oft den Tod für Meerestiere wie Seepferdchen
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08. Oktober 2021 - 6:53 Uhr

Globale Erwärmung, Plastikabfälle - die Ursachen sind vielfältig

Schildkröten, Delfine, Haie – der Klimawandel ist nicht nur für uns Menschen eine reale Gefahr, sondern auch für viele Tierarten – an Land und in den Weltmeeren. 40.000 Tierarten stuft die Weltnaturschutznation IUCN in ihrem neuesten Bericht als bedroht ein – so viele wie nie zuvor. Darunter auch zahlreiche Meerestiere. Die Bedrohungen für die Tiere sind allesamt menschgemacht – hier einige Beispiele:

Video: So werden Plastiktüten zur Gefahr für Babyschildkröten

Gegen diese Bedrohungen hilft ihr Panzer nicht: Meeresschildkröten in Gefahr

Plastiktüten sind eine Gefahr für Meeresschilkröten
Meeresschildkröten in Gefahr - sechs von sieben Arten sind bedroht
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Die Babys der Meeresschildkröten schlüpften schon aus ihren Eiern, als noch Dinos unseren Planeten bevölkerten. Seit 100 Millionen Jahren bevölkern die friedlichen Meeresbewohner die Weltmeere und halten CO2-Senken wie Seegraswiesen gesund – ein wichtiger Beitrag fürs Klima. Doch nun sind sechs von sieben Meeresschildkröten-Arten stark gefährdet. "Vor dreißig Jahren gab es an den Stränden Französisch-Guayanas pro Saison 50.000 Meeresschildkröten-Nester. Heute sind es nicht einmal mehr 200", beklagt die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

VIDEO-TIPP: Wegen Plastikmüll: Baby-Meeresschildkröte kämpft ums Überleben

Die Schildkröten verheddern sich in den Netzen oder aufgegebenen Fanggeräten des industriellen Fischfangs. Der Klimawandel beeinflusst Meeresströmungen. In den wärmeren Gewässern verändern sich die Wanderrouten der Meeresschildkröten, was sich negativ auf ihre Fortpflanzungsfähigkeit auswirkt. Haben sie dennoch Nachwuchs, verwechseln gerade Jungtiere oft Abfälle mit Essbaren und ersticken dann an den Plastikteilen oder verhungern mit vollem Magen, weil sie die Kunststoffe nicht verdauen können. Schon 14 Plastikteilchen können eine Schildkröte das Leben kosten.

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Mönchsrobben - immer weniger Tiere im Mittelmeer

Während es für die Kegelrobben an den Küsten Deutschlands gerade Entwarnung gab – sie gelten erstmals seit längerem nicht mehr als gefährdete Art, steht es nicht so gut um die Mönchsrobben. Im Mittelmeer und vor Marokko und Madeira sind immer weniger Tiere zuhause. Die Gründe: Die Mönchsrobben sind direkt vom Klimawandel betroffen. Die IUCN geht davon aus, dass nur 29 Prozent der Robbenbabys überleben, weil Höhlen im Mittelmeerraum durch Hochwasser und Sturmfluten volllaufen. Um ihre Jungtiere durchzubringen, brauchen die Robben aber trockene Rückzugsplätze.

Doch auch die Lärmbelästigung und die Verschmutzung des Meers setzen den Robben zu. Durch die Überfischung vermindert sich das Nahrungsangebot für die Mönchsrobben. "Die Populationen sind mittlerweile so klein, dass die genetische Vielfalt stark bedroht ist", berichtet der World Wildlife Fund (WWF). Krankheiten oder toxische Algenblüten könnten so schnell ganze Bestände vernichten.

Für Delfine ist Lärmverschmutzung ein Riesenproblem

Sousa- bzw. Buckeldelfine gehören zu den gefährdeten Arten
In China nennt man die Buckeldelfine oder Sousa Pandas der Meere, weil sie so selten sind.
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In Japan oder Peru werden die Meeres-Säugetiere gejagt und auf Fischmärkten als Delikatessen angeboten. Aber zahlreiche Delfinarten sind nicht nur gefährdet, weil sie bei einigen Menschen auf dem Speisezettel stehen. Sie werden gejagt und an Delfinarien auf der ganzen Welt verkauft – ein brutaler Prozess, bei dem viele der Tiere ihr Leben lassen.

LESE-TIPP: Tausende Delfine getötet – verstörende Bilder aus Japan

Auch bei uns in Europa werden immer wieder tote Delfine oder Schweinswale an den Küsten angeschwemmt. Oft haben auch sie sich in Netzen verfangen, zum Beispiel wenn sie über Thunfischschwärmen unterwegs sind. Zwar wird Thunfisch mittlerweile oft als "delfinfreundlich gefangen" verkauft, Umweltschützer monieren jedoch, dass es an Kontrollen mangelt.

Nicht nur die Verschmutzung der Meere, sondern auch Lärmverschmutzung zählt zu den Risikofaktoren für Delfine. Die Tiere nutzen Schall zur Orientierung und zur Nahrungssuche. Schlecht, wenn da immer mehr Kreuzfahrtschiffe oder Diesel-Frachter über die Ozeane tuckern und bei militärischen Übungen mit Sonaren nach U-Booten gesucht wird. Auch der Einsatz von Druckluftgeräten bei der Suche nach Öl oder die Sprengung von Munitionsaltlasten verursachen Geräusche, die nichts für die empfindlichen Ohren der Delfine sind. Selbst bei Offshore-Windparks scheiden sich die Geister, weil auch sie einen Schalldruck von 225 dB erzeugen können.

Auch Schweinswale sind in Gefahr

Die Vaquita-Schweinswale in der Bucht zwischen Kalifornien und Mexiko sind die letzten ihrer Art und akut vom Aussterben bedroht. Die aktuelle Weltpopulation wird auf neun bis zehn Tiere geschätzt. Aber dass 2020 drei neue Jungtiere geboren wurden, gab Naturschützern ein bisschen Hoffnung, dass diese Art nach 250.000 Jahren doch nicht für immer von unserem Planeten verschwindet. Zumindest nicht durch genetische Faktoren. Denn anders als bei anderen Tierarten sind die Vaquitas nicht betroffen von Mutationen, die durch Inzucht entstehen und unvorteilhaft für die Fortpflanzung sind. Vor allem die illegale Überfischung in der Bucht mit sogenannten Kiemennetzen hat für eine Dezimierung der Population binnen weniger Jahre gesorgt. Und dann hat Mexiko 2021 auch noch die vor vier Jahren eingerichtete Schutzzone im Golf von Kalifornien, in denen die wenigen verbleibenden Vaquitas heimisch sind, ganz offiziell wieder für den Fischfang freigegeben. Möglicherweise das Todesurteil für die Vaquita-Schweinswale.

Schweinswale sind aber nicht nur durch extensiven Fischfang bedroht, sondern wie Delfine und auch wie viele Fische äußerst sensibel für akustische Umweltbelastungen. Auch in Deutschland ist eine Schweinswal-Art heimisch. 2019 starben mehrere Schweinswale nach Minensprengungen im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt. Die Waffenfunde aus dem zweiten Weltkrieg wurden von einer NATO-Einheit kontrolliert gesprengt. Beteiligt: Marine-Kräfte der deutschen Bundeswehr 41 Tiere wurden innerhalb eines Monats tot aufgefunden. 24 wurden obduziert, bei acht von ihnen konnte klar ein Explosionstrauma festgestellt werden, berichten das Umweltbundesamt und der Naturschutzbund NABU.

LESE-TIPP: Waffen aus den Weltkriege – tickende Zeitbomben in Nord- und Ostsee

Auch Blauwale sind eine gefährdete Art

Blauwale gibt es immer weniger in den Meeren
Blauwale gehören zu den gefährdeten Arten
© (C) 2012 Andrew Sutton ((C) 2012 Andrew Sutton (Photographer) - [None], Andrew Sutton

Mit bis zu 32 Metern Länge sind Blauwale die größten Tiere der Erde – und mit einem Gewicht von bis zu 200 Tonnen doppelt so schwer wie einst die gigantischen Langhalssaurier. Und doch ist der Mensch – der gerade einmal so groß ist wie das Herz eines Blauwals - eine riesige Gefahr für die sanften Riesen.

Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Blauwal als stark gefährdet ein. Der Antarktische Blauwal gilt sogar als vom Aussterben bedroht. Jahrhundertelang war die Jagd auf Wale die größte Gefahr für die friedlichen Tiere. Doch auch nach dem Walfangmoratorium von 1986, von dem Länder wie Japan neuerdings auch schon wieder abkehren, gibt es genug Bedrohungen für die Meeresgiganten: Plastikverschmutzung, Überfischung, industrielle Abwässer und Kollisionen mit den immer zahlreicher werdenden Schiffen.

LESE-TIPP: Traurige Bilder aus dem Golf von Neapel – riesiger Wal angespült

Seepferdchen in Not

Dickbauch-Seepferdchen sind eine gefährdete Art
Dickbauch-Seepferdchen - Grundschleppnetze radieren ihren Lebensraum aus
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Wussten Sie, dass Seepferdchen Fische sind – und das, obwohl sie ihre Jungen lebend gebären? Und zwar die Männchen! Die Weibchen legen die Eier nämlich in die Männchen. Sozusagen eine Laune der Natur mit umgekehrten Geschlechterverhältnissen – und drollig sind die kleinen Knochenfische mit ihren Pferdeköpfchen auch anzusehen. Aber der Bestand einiger Seepferdchen-Arten ist gefährdet.

VIDEO-TIPP: Hier werden kleine Seepferdchen geboren

Laut Greenpeace leiden zum Beispiel die Dickbauch-Seepferdchen vor den Küsten Australiens und Neuseelands wie viele andere Meerestiere unter der industriellen Fischerei, die mit Grundschleppnetzen den Meeresboden abrasiert. Dabei gehen den Fischern nicht nur viele Meeresbewohner als "Beifang" ins Netz. Sie "rasieren" den Meeresboden ab, hinterlassen riesige Furchen und zerstören damit Lebensräume für Wasserwesen, zum Beispiel Seegraswiesen – als CO2-Senken wichtig für das ökologische Gleichgewicht. Doch die Gefahren für Seepferdchen lauern auch woanders. So werden sie gezielt aus dem Wasser gefischt und landen in privaten Aquarien oder werden getrocknet in der asiatischen Medizin verwendet,

Die größten Bedrohungen für die Tiere im Lebensraum Meer

Anders als wir, sind die Tiere unschuldig an der klimatischen Veränderung. Der Klimawandel ist menschengemacht. Greenpeace nennt unsere größten Sünden beim Namen:

  • Überfischung
  • Plastikverschmutzung
  • Abwässer aus Industrie und Landwirtschaft
  • Tiefseebohrungen
  • Ölförderung und Ölpesten
  • Unterwasser-Lärm

Die Menschen allein können etwas dagegen tun. Denn die Ozeane als intakter Lebensraum sind auch für uns Menschen wichtig – schon allein wegen der kühlenden Wirkung für unser Klima. Natürlich müssen große Konzerne aufhören, die Weltmeere durch Abwässer zu verschmutzen und Politiker sich dafür einsetzen, zumindest Teile der Weltmeere zu Schutzzonen zu erklären. Aber auch wir können im Kleinen einiges tun – von der Reduktion von Plastik bis hin um umweltfreundlichen Reisen.

LESE-TIPP: So lässt sich Plastikmüll auf Reisen vermeiden