Schleswig-Holstein will Lösung für Munition im Meer

Tickende Zeitbomben in Nord- und Ostsee

Mehr als eine Tonne Munitionsaltlasten liegen in der deutschen Nord- und Ostsee.
Mehr als eine Tonne Munitionsaltlasten liegen in der deutschen Nord- und Ostsee.
© RTL Nord

13. August 2021 - 7:27 Uhr

1,6 Millionen Tonnen konventionelle und etwa 5000 Tonnen chemische Munition

Schleswig-Holsteins Regierung betont in einem Bericht an den Landtag die Dringlichkeit der Entsorgung von Kriegsmunition aus Nord- und Ostsee. In beiden Meeren liegen im deutschen Teil laut Regierung in 71 belasteten Gebieten 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und etwa 5000 Tonnen chemische Munition.

Eine Gefahr für Mensch und Umwelt

"Von Munition in Nord- und Ostsee gehen vielfältige Gefahren für Mensch und Umwelt aus", erklärte eine Arbeitsgemeinschaft von Bund und Ländern. "Das Risiko ergibt sich aus Art und Dichte der Kampfmittelbelastung und der Form der Nutzung der Meeresgebiete, Ufer und Strände." Kampfmittel setzen mit zunehmender Korrosion der Metallhüllen toxische Stoffe frei. "Zusammenfassend sind insbesondere Menschen, die Meeresnutzungen mit Grundberührung betreiben, einem erhöhten Risiko ausgesetzt", resümiert die Landesregierung. "In geringerem Maße zeigen sich Risiken beim Sammeln von vermeintlichem Bernstein (weißer Phosphor) oder schwer erkennbaren Explosivstoffen (Schießwolle, Treibladungen) und beim Sporttauchen."

Studien zeigen zudem, dass "die Korrosion von Munitionskörpern z.T. stark fortgeschritten ist und dort Sprengstoffe teilweise bereits offen am Meeresgrund liegen." Abbauprodukte konnten laut der Studien bereits im Wasser, in Gesteinen und in Meeresorganismen (u.a. Miesmuscheln,
Plattfische (Klieschen)) in erhöhter Konzentration nachgewiesen werden.

Es sei schwierig, konkrete Prognosen zum Korrosionsverhalten der Munitionshüllen zu machen, da die Eigenschaften des Wasser (Salzgehalt, Sauerstoffgehalt, Temperatur), Materialeigenschaften der Munitionshülle (metallische Zusammensetzung, Materialstärke, Grad der Anfangskorrosion) oder auch die mechanische Belastung (Strömung, Sediment) eine Rolle spielen würden.
Bei aller gebotenen Dringlichkeit des Handelns müsse die gesamte Prozesskette von der Archivrecherche bis zur Entsorgung im Blick behalten werden, schreibt die Kieler Regierung. Die technologische Entwicklung habe deutliche Fortschritte erzielt.

Bei den anstehenden Aufgaben, besonders bei der Bergung von Kampfmitteln und der umweltgerechten Entsorgung der Sprengstoffe, sieht die Landesregierung den Bund in der Federführung. Sie selbst sei bereit, "im Rahmen der zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel und Personalressourcen ihren Beitrag zur Lösung des Problems zu leisten". (dpa/kum)