Interview mit Politik-Bloggerin Livia Kerp (19)

"Damals, als ich Markus Söder eine 'Star Wars'-Tasse gab und ihn mit dem Wahlrecht ab 16 nervte"

Livia Kerp ist 19 Jahre alt und kommt aus München.
Livia Kerp ist 19 Jahre alt und kommt aus München.
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25. September 2021 - 12:04 Uhr

von Laura Waßermann

Livia Kerp ist politische Bloggerin & Autorin aus München. Sie ist 19 Jahre alt und damit direkt in die Generation Z hinein geboren. Mit 13 Jahren hat sie ihren Blog gegründet und beschäftigt sich seitdem überparteilich mit drei großen Themen: Bildungsgerechtigkeit, Umweltschutz und Demokratieverständnis. Im Rahmen der Bundestagswahl war Kerp für den Instagram-Kanal von RTL Aktuell als GenZ-Reporterin unterwegs und hat die Jugendpolitik im Wahlkampf beleuchtet.

Mit uns spricht sie darüber, was die Jugend von der Politik erwartet und wie Markus Söder auf Darth Vader reagiert hat.

Ist deine Generation politisch?

Livia Kerp: Auf jeden Fall mehr als noch vor ein paar Jahren, aber immer noch viel zu wenig. Die "Fridays for Future"-Bewegung hat sehr viel zur Politisierung meiner Generation bewirkt. Es müssen aber noch viel mehr mitgenommen werden. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Politik den jungen Menschen viel zu wenig Chancen bietet.

Welche Chancen braucht ihr denn?

Die Parteien geben zu wenig jungen Menschen eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Für Parteien gelten 30-Jährige als Nachwuchspolitiker. Das kann nicht sein. In Bayern gibt es den jüngsten Bürgermeister ever. Er ist gerade ein Jahr älter als ich. Das darf keine Seltenheit sein. Wenn man die junge Generation in der Politik mitnehmen will, dann muss man ihnen auch mal zutrauen, Verantwortung zu übernehmen.

Wählen erst ab 18? Gerecht ist anders!

Welche Themen beschäftigen dich am meisten?

Das Wahlrecht ab 16 Jahren ist für mich im Moment das wichtigste jugendpolitische Thema. Denn hier kann die Politik meiner Generation die Hand reichen und beweisen, dass sie uns ernst nimmt. Natürlich ist Klimaschutz, inbesondere die Vermeidung von "Plastikmüll" mein Herzensthema. Es umfasst so vieles. Es fängt schon mit der umweltschädlichen Herstellung an und hört mit Mikroplastik in unseren Weltmeeren und sogar im Trinkwasser auf.

Außerdem beschäftigt mich Bildungspolitik: Bildungsgerechtigkeit und Digitalisierung zum Beispiel oder dass der Bildungsföderalismus reformiert werden muss.

Du sprichst das Wahlrecht ab 16 Jahren an. Warum ist dir das wichtig?

Für mich ist das eine Frage von Wertschätzung. Wenn man die Landtagswahlen und Kommunalwahlen mitzählt, dürfen in Deutschland nur etwa die Hälfte der Jugendlichen ab 16 Jahren wählen. Das ist einfach ungerecht. So ein ähnliches Thema hatten wir schon vor 100 Jahren. Da durften die Frauen auch nicht wählen. Gerecht ist anders.

Da gibt es tatsächlich eine witzige Geschichte zu dem Thema. Für meinen Blog habe ich als 16-Jährige Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) interviewt. Es war ganz lustig, weil ich ihm eine "Star Wars"-Tasse mitgebracht habe mit einem Bild von Darth Vader drauf. Ich war mir nicht sicher, ob er das witzig findet, aber er hat sich tatsächlich gefreut und viel gelacht. Aber als wir über das Wahlrecht ab 16 geredet haben und ich ihn mehrfach versucht habe, davon zu überzeugen, war er zum Schluss dann doch etwas genervt. Ich hab' dann irgendwann das Thema gewechselt – nicht, dass er dann doch noch zu Darth Vader mutiert wäre.

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Du beschäftigst dich viel mit Politik. Welche Rolle spielt Social Media darin?

Eine große Rolle! In meiner Generation spielt Social Media sowieso eine zentrale Rolle. Ich habe einen politischen Blog und stoße auf Infos und Geschichten im Netz. Da spielen auch Instagram, Podcasts oder die Homepages der Politiker mit rein.

An dieser Stelle muss ich aber sagen: Im Netz muss noch sehr viel mehr gegen "Fake News" und "Hate Speech" gemacht werden. Da werden Jugendliche oft allein gelassen. Besonders, wenn es um Mobbing im Netz geht. Da brauchen wir mehr Anlaufstellen und Hilfemöglichkeiten.

Laut einer aktuellen Studie denkt jeder dritte Jugendliche, die Politik beschütze ihn/sie, dessen Zukunft & den Planeten nicht. Siehst du das ähnlich?

Dieses Gefühl bekomme ich aus meinem Umfeld tatsächlich auch mit. Besonders von den Jungs höre ich das öfters. Da ich aber einen ganz anderen Einblick in die Politik habe und mich viel damit beschäftige, sehe ich das etwas anders. Ich fühle mich schon beschützt, ärgere mich aber darüber, dass es in der Politik so lange dauert, bis Entscheidungen getroffen werden.

FFF ist wichtig, Wählen ab 16 aber wichtiger!

Welche Partizipationsmöglichkeiten siehst du für junge Leute, um etwas zu verändern?

Da gibt es mehr als viele glauben. Es fängt damit an, fürs Klima auf die Straße zu gehen oder sich einer politischen Jugendorganisation anzuschließen. Aber da gibt es noch viel mehr. Ich zum Beispiel schreibe einen politischen Blog und rede persönlich häufig mit Politikern. Man kann aber auch eine Petition starten oder sich in seiner Schülerzeitung engagieren. Oder man gründet in seiner Schule einen Arbeitskreis zum Thema Politik.

Das alles habe ich auch in meinem Buch zusammengefasst, da das ein wahnsinnig wichtiger Punkt ist. Denn auch wenn man noch nicht wählen darf, heißt das nicht, dass man keine Stimme hat. Das ist mir sehr wichtig..

Du sprichst dein Buch an. Es heißt "How to Politik: Von Hä? zu Ah!". Was sind deine 3 zentralen Thesen darin?

Darin geht es erst einmal um die folgende drei große Themen: Bildungspolitik, Demokratie und Umweltschutz. Darin gliedern sich natürlich sehr viele unterschiedliche Bereiche. Ich zeige die verschiedenen Parteien und erkläre Begriffe. Ich zeige, warum die Bewegung von "Fridays for Future" wichtig ist, das Wählen ab 16 aber wichtiger. Es geht darum, wie man "Fake News" erkennt und Hilfe bei Mobbing (im Netz) bekommt.

Ich betone aber auch, dass die Klimakrise nicht in einem Generationskonflikt enden darf, so wie es aktuell den Anschein macht. Denn: Die großen Probleme können wir nur gemeinsam lösen. Egal, ob 19 oder 79.