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Coronavirus-Neuinfektionen: Warum der rasante Rückgang bald enden wird

Auch Trendumkehr nicht unmöglich

Nicht zu früh freuen: Warum der rasante Rückgang bald enden wird

09.06.2021, Berlin: Jakob Maske, Kinder- und Jugendarzt, zieht den Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer in eine Spritze. Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Coronavirus - Impfung beim Kinder- und Jugendarzt
som bsc, dpa, Fabian Sommer

Wir dürfen uns nicht zu früh freuen

Impfungen, Wärme und frische Luft einerseits - Mutanten, Lockerungen und Innengastro andererseits. Die Corona-Prognose für den Sommer klingt gut. Doch das rasante Abflauen wird wohl bald ein Ende haben.

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Hier hilft uns Mathe

Dass die Zahlen so stark sinken, hat mit der Corona-Notbremse und weniger Kontakten zu tun. Und mit dem Impfen, weshalb weniger Menschen infiziert werden. Und mit höheren Temperaturen, die es den Viren schwerer machen. Und mit frischer Luft, an der man im Sommer häufiger ist und in der Sars-CoV-2 schlechter übertragen wird. Und mit Mathematik.

Hier kommt es auf die sogenannte Reproduktionszahl an. Die gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. Je niedriger der R-Wert - also je weiter weg von 1 -, desto schneller der exponentielle Rückgang der Corona-Zahlen. Zumindest im Modell, wie André Scherag vom Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Datenwissenschaften des Universitätsklinikums Jena erklärt.

Realität übersteigt die Modelle

Aussagen über exponentielles Wachstum seien vor allem im Modell leicht zu machen, sagt Scherag. Allerdings sei die Realität komplexer. So würden aktuell verschiedene Maßnahmen gelockert, Impfungen und durchgemachte Infektionen hätten Auswirkungen, und verschiedene Coronavirus-Varianten seien unterschiedlich ansteckend. Die Effekte überlagerten sich, und das einfache Modell greife nicht mehr. „Zwar kann man dann einen R-Wert auf Basis der existierenden Daten berechnen“, sagt der Professor. „Eine einfache Interpretation ist in der Regel nicht mehr möglich.“

Zudem kämen manche Einflüsse von außen, betont der Statistiker - etwa die zuerst in Indien entdeckte Delta-Variante des Coronavirus. Würden beispielsweise jeden Tag zehn damit infizierte Menschen mit dem Flugzeug nach Deutschland reisen, wäre der Anstieg linear.

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Gute Prognosen für den Sommer- mehr nicht

Für den Sommer rechnet Jan Fuhrmann vom Forschungszentrum Jülich ähnlich wie im letzten Jahr mit einem mäßigen Infektionsgeschehen. Zwar seien die vorherrschenden Virusvarianten ansteckender, ein zunehmender Anteil potenziell infizierbarer Personen sei aber durch Impfung geschützt.

Dass der Abwärtstrend sich aber beschleunigt, glaubt er nicht. „Zumal mit sinkender Inzidenz immer Öffnungsschritte einhergehen, die wiederum zusätzliche Kontakte und damit mögliche Übertragungswege zur Folge haben“, erläutert er. „Da mit einer vollständigen Ausrottung des Virus in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist, wird aber auch der exponentielle Trend selbst im günstigsten Fall früher oder später abbrechen, und die Inzidenz wird um ein niedriges Niveau schwanken.“

Das Beispiel Großbritannien zeige zudem, dass eine Kombination aus weitreichenden Öffnungsschritten und erneuten Mutationen trotz hoher Durchimpfung und saisonal bedingtem Abflauen des Infektionsgeschehens zu erneut steigenden Fallzahlen führen kann.

Die Inzidenz kann schnell wieder ansteigen

Schon eine Stellschraube kann entscheidend sein: Seit einigen Wochen liegt der R-Wert in Deutschland bei grob 0,8. Ersetzte man in dieser Situation nur die aktuell dominierende Virusvariante B.1.1.7 durch eine im Schnitt 30 Prozent leichter übertragbare , so stiege R laut Fuhrmann auf knapp über 1 - und man käme bald aus einem zügigen Abwärtstrend zu einem schleichenden, sich beschleunigenden Anstieg der Inzidenz. „Und dabei wäre angenommen, dass alle anderen Rahmenbedingungen völlig unverändert blieben.“ (dpa/ lgr)