Wegen Corona-Schulden

Ökonomen wollen unseren Urlaub kürzen

19. Juni 2021 - 10:33 Uhr

Arbeitsmarkt soll Corona-Schulden bekämpfen

Rente mit 68, höhere Zusatzbeiträge für Krankenkassen und jetzt auch noch diese Forderung: Die Deutschen sollen mehr arbeiten und anderthalb Wochen im Jahr weniger Urlaub machen. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kann angeblich so die Wirtschaftsleistung deutlich gesteigert werden – und der Staat muss keine Steuern erhöhen.

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Schweiz als Vorbild für Deutschland

Der IW-Bericht mit dem harmlosen Titel "Schlummernde Wachstumspotenziale im deutschen Arbeitsmarkt" führt jede Menge Sprengstoff mit sich. Laut der Studie könne eine Anhebung der Jahresarbeitszeit um 11 Prozent die Wirtschaftsleistung um bis zu 8 Prozent steigern und die Schulden um mehr als 16 Prozentpunkte senken.

"Um die Lasten der Corona-Pandemie zu bewältigen, muss das Wachstumspotential des Arbeitsmarktes genutzt werden", sagt IW-Chef Michael Hüther der FAZ.

Vorbild für die Ökonomen ist die Schweiz: "So arbeiten in der Schweiz Männer und Frauen pro Kopf nicht nur deutlich mehr Stunden pro Woche, sondern auch fast anderthalb Arbeitswochen mehr im Jahr als hierzulande." In den Berechnungen haben die Wirtschaftswissenschaftler entsprechend das "Schweizer Niveau" als Vorlage genommen. Laut IW betragen die Wochenarbeitsstunden in Deutschland etwa 34 Stunden (Stand 2019), in der Schweiz über 36 Stunden (Stand 2019).

Das bedeutet im Klartext: Die Deutschen sollen 2 Stunden die Woche mehr arbeiten UND anderthalb Wochen im Jahr weniger Urlaub machen, damit sie die Corona-Schulden stemmen können.

IW-Chef Hüther: Auch Mütter in Teilzeit sollen mehr arbeiten

"Die finanziellen Lasten aus der Pandemie können wir jahrzehntelang vor uns herschieben oder wir nutzen Potenziale, die bisher brachliegen. Viele Frauen beispielsweise arbeiten unfreiwillig in Teilzeit, weil Kitaplätze fehlen. Allein für die Unter-Dreijährigen fehlen 340.000 Betreuungsplätze. Diese Versäumnisse aus den vergangenen Jahrzehnten kommen uns jetzt teuer zu stehen. Um die Krisenfolgen zu bewältigen, müssen wir jetzt alle mit anpacken", erklärt IW-Chef Michael Hüther gegenüber Bild.

Fragt sich jetzt nur, was die Politik von den Vorschlägen hält. Im September sind Bundestagswahlen. Dann werden die Wähler entscheiden können, ob sie tatsächlich mehr arbeiten und weniger Urlaub machen wollen. (aze)

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