"Game Changer" von Familienministerin Giffey

Für Kita & Schule: Wie sicher sind Corona-Spucktests?

Corona-Spucktest für die Anwendung zu Hause: Röhrchen mit Anleitung
Corona-Spucktest für die Anwendung zu Hause: Wie sicher sind die Ergebnisse?
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Schnelltests für Kinder: Die Vor- und Nachteile

Die ersten Corona-Schnelltests für Laien werden nach Einschätzung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte Anfang März eine Sonderzulassung erhalten. Wenn es nach Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) geht, sollen Kitas und Schulen sich jetzt vorbereiten und dann schon für den Einsatz parat stehen . Gerade im Hinblick auf kleinere Kinder machen Spucktests Hoffnung auf eine einfache und schmerzfreie Kontrolle – aber wie zuverlässig sind sie? Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, erklärt die Vor- und Nachteile.

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Sorge des Experten: Infektionen trotz negativem Testergebnis

Giffey sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung“ vor wenigen Tagen, schon seit dem 2. Februar seien Schnelltests auch zur Anwendung durch nicht medizinisches Personal mit Schulungsvideo zugelassen. "Mein Appell an die Länder ist: Der breite Einsatz dieser Schnelltests muss jetzt vorbereitet werden, damit sie sofort genutzt werden können, wenn sie zugelassen und verfügbar sind", betonte sie. Aber sind sie wirklich bald einsatzbereit – und vor allem zuverlässig?

„Bei den Spucktests, gerade für den Hausgebrauch, haben wir noch ein bisschen Probleme mit der Zuverlässigkeit. Wir brauchen, um uns drauf verlassen zu können, noch eine Evaluation, damit wir es vergleichen können mit PCR-Tests “, so Dr. Zinn. Die Genauigkeit sei bisher noch ein Nachteil: „Wir haben Befürchtungen, dass wir Infektionen nicht nachweisen, die dann in die Gruppen und Schulen getragen werden.“

Wie funktioniert der Corona-Speicheltest?

„Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem Abstrich“, erklärt Dr. Zinn. „Wir haben an der Nasen-Rachen-Hinterwand Rezeptoren, wo das Virus bei einer Infektion andockt. Und wenn ich dann Spucke sammle im Mund, hoffe ich, dass ich da Virusbestandteile – Antigenpartikel nennen wir die – nachweise.“ Es sei möglich, dass die Tests mittlerweile genauer sind als früher und auch kleinere Antigenpartikel schon nachgewiesen werden können.

Gerade für kleinere Kinder, die vor einem herkömmlichen Nasen-Rachen-Abstrich Reißaus nehmen würden, ist ein Speicheltest angenehmer. „Die würden das auch ruhig jeden Tag machen“, so der Hygiene-Experte. „Wichtig ist nur, dass wir auch wirklich genug Virusmaterial in der Spucke der Kinder finden, um nicht falsche Ergebnisse zu kriegen. Wenn Kinder negativ und dann noch infektiös sind, haben wir nichts gewonnen.“

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Schnelltests als Chance - aber wer macht's?

Auch Dr. Zinn findet: „Wir sollten generell mehr testen, das ist noch ein ungehobener Schatz. Das sind einerseits die Schnelltests, aber andererseits auch die PCR-Tests, wo wir noch Hunderttausende Kapazitäten pro Woche haben, die wir nicht benutzen.“ Er warnt aber davor, bei den Kitas und Schulen den gleichen Fehler zu machen „wie bei den Seniorenheimen, wo wir gesagt haben: ‘Ihr müsst testen’, und es ist nicht geklärt: Wer testet denn? Wenn ich einen Kindergarten habe mit 30, 35 Kindern, kann ich nicht eine Betreuerin abstellen, die macht dann nichts anderes mehr.“

Stattdessen könnten morgens zum Beispiel gut angelernte Eltern oder kommerzielle Firmen helfen, die Kinder zu testen. In jedem Fall müsse die Fragestellung vorher geklärt sein. „Das haben wir im Herbst gelernt: Nur einfach sagen ‘Wir testen’ reicht nicht aus – es muss gut vorbereitet sein und es müssen auch wirklich Tests sein, die aussagekräftig sind.“

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Quelle: dpa/RTL.de