So wichtig ist „Social Distancing“

Was wir von der Spanischen Grippe über das Coronavirus lernen konnten

Die Spanische Grippe hielt die Welt damals ähnlich in Atem wie heute das Coronavirus.
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23. März 2020 - 12:45 Uhr

Corona und Spanische Grippe: Viele Parallelen

So wie jetzt gerade das Coronavirus unser Leben fest im Griff hat, stellte in den Jahren zwischen 1918 und 1920 die Spanische Grippe die Menschheit vor Herausforderungen. Durch die Pandemie starben weltweit bis zu 50 Millionen Menschen - mehr als beim Ersten Weltkrieg insgesamt. Die Aggressivität des Virus, die Schnelligkeit der Ausbreitung und die Sterblichkeitsrate von 1,5 bis 3 Prozent erinnern an das neuartige Coronavirus. Können wir dadurch etwas von der gut 100 Jahre zurückliegenden Pandemie lernen?

Das können wir! Vor allem, wenn man sich die Situation in den beiden US-Städten Philadelphia und St. Louis genauer anguckt. Wie "Geo.de" erläutert, unterschied sich die Zahl der Opfer bei der Spanischen Grippe sehr stark von Ort zu Ort - wie auch jetzt in Europa beim Coronavirus.

Trotz offizieller Warnungen sagte Philadelphia am 28. September 1918 eine große Parade nicht ab, bei der 200.000 Besucher sich auf engstem Raum aneinanderdrängten. Wenige Tage später platzen die Krankenhäuser aus allen Nähten und etwa 45.000 Menschen sind infiziert. Mehr als 12.000 von ihnen sterben innerhalb der nächsten Wochen.

In St. Louis dagegen war die Sterblichkeitsrate etwa 8 Mal niedriger. Warum?

Die Spanische Grippe in Philadelphia und St. Louis
Die Spanische Grippe in Philadelphia und St. Louis
© Hatchett / PNAS

Was hat St. Louis besser gemacht?

Noch vor dem ersten registrierten Fall wurde auf die Gefahr durch Menschenmengen aufmerksam gemacht. Man schloss Schulen, Kinos, Bibliotheken, Kirchen und verbot öffentliche Veranstaltungen. Dadurch verteilte sich die Zahl der Infektionen über einen längeren Zeitraum. Die Krankenhäuser konnten die Patienten besser behandeln und nur 700 Menschen starben in St. Louis an der Infektionskrankheit.​

Was bedeutet das für unsere heutige Situation?

Auch wenn es schwerfällt: Die beste Möglichkeit, um die Corona-Krise einigermaßen gut zu bewältigen, ist das sogenannte "Social Distancing". Wir müssen den Kontakt zu anderen Menschen drastisch herunterfahren und nur auf das allernötigste Minimum beschränken. Das Video zeigt drei mögliche Szenarien, wie sich das Coronavirus ohne einschränkende Maßnahmen, mit einschränkenden Maßnahmen, an die sich aber nur wenige halten und mit einer strikten Befolgung dieser Maßnahmen ausbreitet.

Auch Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum der Bioscientia, verweist darauf, dass wir von den Fehlern vergangener Pandemien wie der Spanischen Grippe, viel lernen können: "Die Ausgangssperre etc. ist genau das, was wir gelernt haben", erklärt er im Gespräch mit RTL. "Im Gegensatz zur Spanischen Grippe, wo viele Leute ohne irgendwelche Regulatorien unterwegs waren, versuchen wir, genau das Gegenteil zu machen."

Das Ziel dabei ist nicht, die Gesamtzahl der Infektionen zu verringern, sondern sie zu verlangsamen. Dadurch können wir verhindern, dass die Krankenhäuser - wie damals in Philadelphia - von jetzt auf gleich überlastet sind, was die medizische Versorgung dramatisch erschwert.

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