Zum Abschied sagt er nicht mal Tschüss

München: 85 Tage lang kämpfen Ärzte um ungeimpften Coronaleugner

Symbolbild: Pfleger kümmern sich um einen Patienten.
Symbolbild: Tag und Nacht kämpfen Ärzte in München für das Leben eines Coronaleugners.
ert fgj fdt, dpa, Robert Michael

Es ist ungewöhnlich für ein Krankenhaus einen Krankheitsfall so öffentlich bekannt zu geben. Aber die Pfleger, Ärzte und Mitarbeiter der München Klinik Bogenhausen sind einfach fassungslos. Auf der Webseite der Klinik teilen sie die Geschichte des „Corona-Leugners“. Dort schreiben sie: „Schlechte Beratung, Sprachbarriere, Leichtfertigkeit oder aktive Entscheidung – es gibt viele Gründe, wieso diese Menschen nicht geimpft waren. Die meisten haben es bereut, andere leider bis heute nicht. Wie dieser Patient, der auch nach schwerster Erkrankung nicht an Covid-19 glaubt. Das war sein Verlauf.“

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Wirre Verschwörungstheorien: Impfstoff mit Embryozellen

Marian K. (Name vom Krankenhaus geändert), seines Zeichens ein 45-jähriger Mann, Ehemann, Vater und Impfgegner. Er ist überzeugt, dass „Covid-Impfstoffe Embryozellen enthalten“. Am 20. August 2021 kommt er in die München Klinik Bogenhausen mit Erkältungssymptomen. Sein Zustand verschlechtert sich rapide. Er muss mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden.

Invasive Beatmung eingeleitet

Am 7. September wird sich entschieden, den Mann invasiv zu beatmen. Hierbei wird die Atmung des Patienten durch eine maschinelle Beatmungsform unterstützt. Ob der Herr per Beatmungsschlauch oder über eine Maske beatmet wurde, ist unklar.

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Patient braucht "künstliche Lunge"

In der Nacht vom 12. September verschlechtert sich sein Zustand noch mal mehr. Sein Kreislauf sackt ab und die Ärzte müssen die „künstliche Lunge“ einsetzen. Die extrakorporale Membranoxygenierung, kurz ECMO, ist eine Form der künstlichen Beatmung für Patienten mit akutem Lungenversagen. Hierbei wird das Blut über eine Maschine herausgesogen, in der Maschine mit Sauerstoff versorgt und zurück in den Körper gepumpt.

Ehefrau setzt auf Heilsteine

Nach einiger Zeit bessert sich sein Zustand, trotzdem muss er weiter beatmet werden. Auch infektiös ist er nicht mehr und kann entisoliert werden. Dann schlägt das Schicksal erneut zu. Marian K. fängt sich eine bakterielle Infektion ein und sein Zustand verschlechtert sich sofort. Es steht nicht gut um ihn. Seine Frau, ebenfalls Impfgegnerin, legt Heilsteine um sein Bett herum.

Priester war zur letzten Salbung da

Am 7. Oktober erleidet der 45-Jährige eine Thrombose, seine Frau ruft einen Priester für die letzte Salbung. Corona leugnet auch sie weiterhin. Wie durch ein Wunder geht es ihm danach wieder besser. Am 18. Oktober kann die künstliche Lunge entfernt werden. Wochenlang wird er in einer Reha behandelt und kann nach 85 Tagen, am 13. November 2021, die Klinik verlassen.

Kein Tschüss, kein Danke

Über seinen Abgang ist die Klinik immer noch erschüttert: „Dieser Patient verließ uns ohne Danke, ohne Tschüss. Das ist fürs Team nach fast drei Monaten Kampf wie ein Schlag ins Gesicht.“ Tag und Nacht haben die Pfleger der München Klinik Bogenhausen um sein Leben gekämpft. Klar, es ist ihr Job, aber ein wenig Anerkennung für diesen unermüdlichen Kampf oder wenigstens etwas Einsicht wäre ein schöner Dank ans Team gewesen. Stattdessen betont die Klinik: „Der Patient möchte sich weiterhin nicht impfen lassen.“ (gas)

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