Lehrerverband spricht von "Ärgernis"

Exklusive Umfrage: Keiner weiß, wie viele Kinder gegen Corona geimpft werden

Coronavirus - Impfung beim Kinder- und Jugendarzt
Coronavirus - Impfung beim Kinder- und Jugendarzt
© dpa, Fabian Sommer, som bsc

15. Juni 2021 - 15:14 Uhr

Keiner hat den Überblick - Lehrerverband spricht von "Ärgernis"

Von Philip Scupin

Seit einer Woche dürfen Kinder zwischen 12 und 15 Jahren geimpft werden. Doch wie viele haben den Piks tatsächlich bekommen? Eine RTL-Abfrage zeigt: Ärzte und Politik haben keinen Überblick. Für den Lehrerverband ein "Ärgernis".

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Ärzte und Politik tappen im Dunkeln

Erst gab es das große Versprechen auf Kinder-Impfungen, dann wurde es gedämpft – und jetzt kann niemand sagen, ob überhaupt schon Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren geimpft worden sind.

Deutschland im Impf-Blindflug: Eine Woche nach Aufhebung der Priorisierung weiß keine der relevanten Stellen in Deutschland, wie viele Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren in den ersten sieben Tagen ein Impfangebot angenommen haben. Das zeigt eine Abfrage von RTL beim Bundesgesundheitsministerium, dem Robert-Koch-Institut, den Kassenärztlichen Vereinigungen und Gesundheitsministerien in den Bundesländern.

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Ärzte müssen Alter nicht melden

 Symbolbild Schule und Klassenzimmer im Lockdown Symbolfoto eines Impfpass mit Impfstempel gegen das Coronavirus mit Klassenzimmer einer Schule im Hintergrund. Wann werden Lehrer und Schueler geimpft. Deutschland *** Symbolic image school and classro
Konkrete Angaben nach einzelnen Altersjahrgängen seien nicht möglich, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium.
© imago images/Political-Moments, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Aus dem Bundesgesundheitsministerium heißt es, für Impfungen von Kindern und Jugendlichen gebe es nur die generelle Kategorie der unter 18-Jährigen. Sie solle künftig im Impfdashboard des Ministeriums auftauchen. Konkrete Angaben nach einzelnen Altersjahrgängen aber seien nicht möglich. Viele der Kassenärztlichen Vereinigungen und Länder-Gesundheitsministerien verweisen entweder aufeinander oder auf das Robert-Koch-Institut (RKI).

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Das Institut aber teilt auf Anfrage mit, es habe derzeit keine genauen Daten und werde auch in Zukunft keine haben. Denn nur die Impfzentren müssten das genaue Alter der Impflinge melden – und Kinder würden voraussichtlich kaum dort den Piks bekommen, so das RKI. Stattdessen werden viele zum Arzt gehen. Die niedergelassenen Ärzte aber müssen nach der Corona-Impfverordnung lediglich durchgeben, ob ein Impfling jünger oder älter als 60 Jahre ist.

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Bayern und Berlin zählen Kinderimpfungen

Immerhin – zwei Bundesländer haben den Überblick:

  • Bayern meldet 23 Impfungen von Kindern zwischen 12 und 15 Jahren in der ersten Woche nach Aufhebung der Priorisierung.
  • Berlin verzeichnet 89 verimpfte Dosen.

Zumindest unspezifische Daten erhielt RTL aus mehreren anderen Bundesländern:

  • In Niedersachsen sind laut der Kassenärzte in der vergangenen Woche 4.058 Menschen unter 18 Jahren geimpft worden.
  • in Hessen waren es 3.741.
  • Der Gesundheitssenat in Bremen kann berichten, dass im Impfzentrum der Stadt in der vergangenen Woche kein Kind aus der Altersgruppe zwischen 12 und 15 Jahren geimpft wurde.

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Lehrer sorgen sich um Präsenzunterricht

Heinz-Peter Meidinger
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger.
© deutsche presse agentur

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, befürchtet Auswirkungen für die Ausgestaltung des Schulunterrichts in den nächsten Monaten. Es sei ein "riesiges Ärgernis", dass es bei Kindern und Jugendlichen keine verlässlichen Zahlen über Impfquoten gebe. "Da stochern wir total im Nebel", so Meidinger bei RTL. Nicht einmal die Schulleitungen vor Ort hätten Zahlen vorliegen. Die Frage, welche Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen auch im nächsten Schuljahr aufrechterhalten werden müssen, hänge aber "ganz stark" davon ab, ob bis dahin alle Impfwilligen ein Impfangebot erhalten und wahrgenommen hätten.

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