Wer hat ein hohes Risiko?

Corona, Diabetes, Herzinfarkt: Diese Rolle spielt die Blutgruppe

Die Blutgruppe kann die Gesundheit beeinflussen - offenbar auch in Sachen Coronavirus.
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17. Juni 2020 - 9:48 Uhr

Blutgruppe kann Einfluss auf die Gesundheit haben

Mit welcher Blutgruppe man auf die Welt kommt, kann einen Einfluss auf die Gesundheit haben – zum Beispiel bei Diabetes, Blutgerinnseln und Herzinfarkten. Auch für den Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion scheint die Blutgruppe eine Rolle zu spielen: Laut einer Studie haben Patienten mit Blutgruppe A ein 50 Prozent höheres Risiko für einen schweren Verlauf mit Atemversagen. Ob Menschen mit dieser Blutgruppe sich jetzt Sorgen machen müssen, ordnen Experten unten ein.

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Die Blutgruppen und ihre Risiken

Menschen mit der Blutgruppe 0 haben ein erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt oder Diabetes zu erkranken. Sie neigen aber seltener zu Blutgerinnseln. Wer Blutgruppe A, B oder AB hat, könnte dagegen eher eine Thrombose entwickeln. Geht man nach dem Ergebnis der Studie von Wissenschaftlern aus Kiel in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe aus Norwegen, gibt es auch bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Unterschiede.

In der weltweit ersten großangelegten genomweiten Studie fanden die Forscher Genvarianten, die die Schwere einer Erkrankung mit Covid-19 beeinflussen. Dazu zählte auch das Gen mit den Merkmalen für die Blutgruppe. Besonders schwer erkrankten Menschen mit der Blutgruppe A, Menschen mit der Blutgruppe 0 dagegen waren bei einer Corona-Infektion um 50 Prozent besser vor einem schweren Verlauf geschützt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen auch schon eine amerikanische und eine chinesische Studie.

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Blutgruppe nicht entscheidend für Infektionsrisiko

Doch müssen sich jetzt Menschen mit Blutgruppe A Sorgen machen? Erstmal nicht, denn Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe infizieren sich nicht generell leichter mit dem Coronavirus. Die Blutgruppe könnte allerdings entscheidend für die Schwere des Krankheitsverlaufs sein. Die Studie ist allerdings noch ein "Preprint", befindet sich also in einem vorläufigen Stadium. Das bedeutet, dass sie noch von anderen unabhängigen Wissenschaftlern begutachtet werden muss. Die Ergebnisse zeigten demnach lediglich einen Trend an, so Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia.

Kritik an Studie: Andere Risikofaktoren nicht berücksichtigt

Und es melden sich auch schon die ersten kritischen Stimmen zu Wort, wie etwa die Statistik-Expertin Katharina Schüller. Sie bemängelt in einem Artikel der Zeitschrift stern, dass in der Studie Risikofaktoren wie schwere Begleiterkrankungen nicht kontrolliert wurden. Und so sei auch nicht klar, ob die die Blutgruppenunterschiede in direktem Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stünden oder eher indirekt durch bestimmte Risikofaktoren. Dazu zählen etwa Herz-Kreislauf-Leiden, Rauchen oder Menschen mit einem höheren Lebensalter.

Risikopatienten erkennen und Medikamente entwickeln

Die Blutgruppe allein scheint also nicht das Erkrankungsrisiko zu bestimmen. Dennoch zeigt die Studie, dass es Gene gibt, die zu einem schweren Covid-19-Verlauf beitragen könnten. Die Forscher fanden eine weitere Genvariante auf dem Chromosom 3. Patienten mit diesem Genmerkmal hatten ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Ob Blutgruppe oder Chromosom – die Ergebnisse der Studie könnte helfen, Risikopatienten schneller zu erkennen und langfristig auch geeignete Medikamente zu entwickeln.

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