Fragliches Verhalten von Eltern

Kinder als menschliche Schutzschilder auf Anti-Corona-Demo in Berlin?

19. November 2020 - 14:02 Uhr

Verstöße gegen Auflagen

Rund 7.000 Menschen haben gestern nach Schätzungen der Polizei gegen das Infektionsschutzgesetz demonstriert. Dabei gab es 365 Festnahmen und mehrere Verletzte. Zwar berichten Reporter von offensichtlich Rechtsextrem und bekannten Neonnazis, der Großteil aber bestand aus einer bunten Mischung bürgerlicher Menschen aller Altersklassen. Auffällig war aber, dass auch Babys und Kleinkinder in der Menge waren, auch nachdem die Polizei die Demonstration beendet hatte und mit einer Räumung drohte. Die Polizei-Gewerkschaft spricht von einem taktischen Mittel der Eltern. Im Video erklärt eine Mutter mit Kleinkind, warum sie protestierte.

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Kein direkter Strahl möglich

Eine Mutter wickelt ihr Kind während der Anti-Corona-Demo in Berlin.
Eine Mutter wickelt ihr Kind während der Anti-Corona-Demo in Berlin.
© RTL

Eine Mutter wickelt ihr Kind. Direkt auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor, direkt vor einem Polizeiwagen. Kurz davor hatte die Polizei die Menschenmenge bereits zwei Mal aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Die Demo wurde wegen nicht eingehaltener Hygiene-Regeln abgebrochen. Nach der dritten Aufforderung wird das Gelände geräumt, dafür stehen die Wasserwerfer schon bereit. Allerdings entscheidet sich die Polizei für die leichteste Form des Einsatzes. Der Wasserstrahl wird nach oben gerichtet und regnet auf die Demonstranten hinab. Polizeisprecher Thilo Cablitz erklärt dem RBB: "Einen direkten Strahl können wir zurzeit nicht einsetzen, weil sich darunter auch Kinder befinden."

Polizei-Gewerkschaft: "Eine Art Schutzschild"

Ob Eltern sich mit ihren Kindern gezielt im Räumungsgebiet aufgehalten haben oder sich der Gefahr nicht bewusst waren, ist unklar. Benjamin Jendro von der Polizei-Gewerkschaft GdP glaubt aber nicht, dass alle Kinder zufällig vor Ort waren:

"Ich will nicht sagen, dass jeder, der sein Kind da mitnimmt, das aus taktischem Kalkül macht. Man merkt aber auch schon, dass gerade die Szene, die sich durchaus ein bisschen radikalisiert in den letzten Wochen und Monaten, nicht nur in Berlin, in Leipzig, in Frankfurt haben wir das gesehen, da ist es natürlich schon ein taktisches Mittel dann Kinder in die erste Reihe zu stellen, als eine Art Schutzschild. Das ist ein stückweit perfide und erschwert die polizeilichen Maßnahmen."

Auf Unwissenheit können sich die Eltern dabei nicht berufen:

"Wir erleben dann immer wieder Szenen, dass unsere Kollegen Menschen darauf hinweisen: 'Wir müssen jetzt die Versammlung auflösen, bitte nehmen Sie Ihr Kind zur Seite' und das halt nicht passiert", sagt Benjamin Jendro von der GdP.

Auf Twitter gibt es Kritik an den Eltern, die sich mit ihren Kindern weiter im gefährlichen Gebiet aufhielten.

Fakt ist auch: Um das Gebiet ohne direkten Wasserstrahl zu räumen, mussten Polizisten in die Menschenmenge eindringen, mit unter sogar Pfefferspray benutzen. Einem Beamten wurde gegen den Kopf getreten, einer brach sich die Hand, ein Dritter kugelte sich die Schulter aus. Sicherlich Taten einer Minderheit, die auf Krawall aus war. Trotzdem haben Eltern durch das Mitbringen ihrer Kinder das polizeitaktische Vorgehen mit beeinflusst.

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