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Bundeswehr-Arzt Benedikt Friemert: "Hauptsächlich Explosionsverletzungen durch Raketen!"

Erste Kriegsverletzte aus der Ukraine kommen in Deutschland an - darunter auch Kinder

Bundeswehr-Arzt Benedikt Friemert: "Hauptsächlich Explosionsverletzungen durch Raketen!"

"Hauptsächlich Explosionsverletzungen durch Raketen" RTL Ukraine Talk
04:35 min
RTL Ukraine Talk
"Hauptsächlich Explosionsverletzungen durch Raketen"

von Tamara Bilic und Lena Andro

Seit Beginn des Krieges gibt es immer mehr Kriegsverletzte, die versorgt werden müssen. Da die Ukraine das alleine nicht mehr schafft, werden Patientinnen und Patienten in andere Länder ausgeflogen, damit sie dort behandelt werden können. Auch nach Deutschland.

Über die ersten Kriegsverletzten, die hierher gebracht wurden, spricht Prof. Dr. Benedikt Friemert vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm mit RTL-Reporterin Tamara Bilic.

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"Da waren sehr viele Kinder dabei“

Am vergangenen Dienstag sei der erste Flug mit Kriegsverletzten nach Deutschland gekommen. „Das waren 13 oder 14 Patienten, da waren sehr viele Kinder dabei“, sagt Prof. Dr. Benedikt Friemert. Meistens seien die Mütter der Kinder dabei gewesen.

Die „fliegende Intensivstation“, wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie den Bundeswehr-Airbus nennt, sei am Dienstag in Köln gelandet und die Patientinnen und Patienten wurden dann in verschiedenen Kliniken um Köln herum verteilt.

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Bundeswehr rechnet mit mehreren tausend Verletzten

Wenn man von Kriegsverletzungen spricht, meint man Verletzungen, die „große Defekte in den Körper gerissen haben“, so Prof. Dr. Friemert. Meistens handelt es sich hierbei um Explosionsverletzungen. Diese führen zu „spezifischen Verletzungen, die vor allen Dingen dazu führen, dass der Körper aufgerissen wird, dass da eben Defekte entstehen, es fehlt Muskulatur, es fehlt zum Teil Knochen“, erklärt der Oberstarzt.

Die Wunden sind dann oft auch verschmutzt, „sodass sich darauf noch Infektionen setzen, die dann sogenannte chronische Infekte werden.“ Das Hauptproblem ist also erst einmal den Infekt zu behandeln und dann die Rekonstruktion der beschädigten Körperteile durchzuführen, sodass der Körper wieder funktionsfähig ist.

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Größte Herausforderung: Psychologische Betreuung und Sprachbarriere

Doch neben den körperlichen Leiden, sieht der Chirurg, der selber auch mehrfach in Afghanistan im Einsatz war, auch den psychologischen Zustand der Patienten als Problem: „Sie liegen lange bei uns. Sie sprechen die Sprache nicht. Und wenn man eine psychische Traumatisierung hat und muss dann viel operiert werden und versteht das Umfeld nicht, dann ist das nochmal eine Belastung mehr und das über Monate.“

Denn eines ist klar: Die Patienten, die nach Deutschland kommen werden, müssen wahrscheinlich mit ihren schweren Verletzungen bis zu einem Jahr in den Krankenhäusern behandelt werden – laut Prof. Friemert ein „Marathon“.

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