"Ich lasse mir den Spaß nicht nehmen"

Böller-Verkaufsverbot wegen Corona: Deutsche decken sich im Ausland mit Feuerwerk ein

18. Dezember 2020 - 14:56 Uhr

Vielerorts ist das Zünden von Feuerwerk noch nicht verboten

Silvester ohne Raketen, Knallerei und Zündeln? Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten haben in ihrem jüngsten Corona-Beschluss auch festgelegt, dass der Verkauf von Feuerwerk in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie verboten werden soll. Das private Zünden von Raketen und Pyrotechnik bleibt aber immer noch erlaubt – zumindest in manchen Bundesländern. Viele Deutsche, die nicht auf ihr Feuerwerk verzichten möchten, fahren jetzt ins Ausland und decken sich dort ein.

Wie die rechtliche Situation mit Silvesterfeuerwerk in diesem Jahr aussieht, erklärt hier eine Anwältin.

Deutsche fahren über die Grenze nach Frankreich

Im französischen Großblittersdorf direkt hinter der Grenze bei Saarbrücken betreibt Christian Scobel einen kleinen Feuerwerksladen. Auch in normalen Jahren kommen etwa 50 Prozent seiner Kunden aus Deutschland. Aber in diesem Jahr merkt er, dass besonders viele kommen, weil der Verkauf von Pyrotechnik bei uns verboten ist. "Wir haben normale Böller für kleine Kinder und für große", erklärt er.

Seine Kunden wollen auch im Corona-Jahr Silvester feiern, wie sie es gewohnt sind und das neue Jahr mit einem lauten Knall begrüßen. "Ich lass mir die Lust am Feiern und Knallen nicht verderben", erklärt ein deutscher Kunde im Laden. Er wolle für sich privat ein kleines Feuerwerk veranstalten. Ein anderer Kunde hält das Verkaufsverbot für "totalen Schwachsinn". "In Großstädten hätte ich das noch verstanden, aber auf dem Land?", meint der Kunde.

Nicht alle Böller, die im Ausland verkauft werden, sind bei uns erlaubt

Hintergrund des Verbotes ist, dass die Politik verhindern möchte, dass sich an Silvester große Menschenansammlungen bilden, wenn nachts auf der Straße geböllert wird. Außerdem soll das ohnehin schon gestresste Krankenhauspersonal nicht noch zusätzlich mit Notfällen belastet werden, wenn Menschen sich bei Unfällen mit Feuerwerkskörpern verletzen. Feuerwerk an öffentlichen Orten ist vielerorts komplett verboten. Das Abbrennen im eigenen Garten ist nach den Corona-Verordnungen einiger Länder aber weiterhin erlaubt.

Aber geht dieser Plan der Politik auf? Scobel verkauft in seinem Geschäft auch Feuerwerk der Kategorie F3, das in Frankreich erlaubt, in Deutschland aber nicht zugelassen ist. Auch in Polen werden Böller verkauft, die bei uns illegal sind. Viele könnten also 2020 viel gefährlicheres Feuerwerk in die Luft jagen als üblich.

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Böller wird angezündet
Nicht alle Böller, die es im Ausland zu kaufen gibt, sind in Deutschland zugelassen.
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In manchen Bundesländern ist das Böllern ganz verboten

Das kann nicht nur gefährlich werden, sondern auch unangenehme juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Schon der Kauf eines Böllers, dem die in Deutschland erforderliche CE-Kennzeichnung fehlt, ist ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.

Brandenburg will darum Beispielsweise verhindern, dass alle zum Feuerwerk einkaufen nach Polen fahren. Darum gilt dort jetzt auch eine Quarantäne-Pflicht, wenn man weniger als 24 Stunden bleibt.

Viele Deutsche wollen auf jeden Fall knallen

Für die Kunden im Feuerwerksladen in Großblittersdorf wäre ein Silvester ohne Feuerwerk kein richtiges Silvester. Sie erzählen, dass sie sich ihre Böller notfalls auch über das Internet bestellt und in Luxemburg abgeholt hätten. Knallen wollen sie alle auf jeden Fall. Sollte das auch noch verboten werden, wollen sie es notfalls auch irgendwo heimlich im Wald tun.