Experte schätzt ein

Batterie verschluckt? Einfaches Hausmittel verhindert Schlimmeres - aber ist das sicher?

Ein junges Kind steckt gebrauchte Batterien in ein Glas.
Was tun, wenn mein Kind eine Batterie verschluckt hat?
@ZZZDIM, DMITRIY KUZNETSOV ZZZDIM.COM

Es ist die Angst eines jeden Elternteils, dass die Kleinsten etwas in den Mund nehmen und im schlimmsten Fall verschlucken - was gefährlich sein könnte. So ist es auch der Fall bei Batterien, die die Kinder mitunter in die Finger bekommen und verschlucken können. Sitzt sie erst einmal in der Speiseröhre fest, kann das ganz schön gefährlich werden. Es gibt jedoch einen Hausmittel-Trick, der im Notfall erste Abhilfe verschafft. Was Sie tun sollten, während Sie auf den Krankenwagen warten...

Darum ist das Verschlucken von Bakterien so gefährlich

Eine Person balanciert auf ihrem Zeigefinger eine Knopfbatterie.
Kann besonders schnell in Kinderhände gelangen und gefährlich werden: die Knopfbatterie.
AntonioGuillem

Einmal nicht aufgepasst und schon ist es geschehen: Ihr Kind hat mit einer Batterie, besser gesagt mit einer kleinen Lithium-Knopfzelle rumgespielt, sie in den Mund gesteckt und verschluckt. Das ist aus drei Gründen problematisch, wie Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht RTL bestätigt: „Die Lithium-Knopfbatterien werden am häufigsten verschluckt, weil sie so pillenartig aussehen. Wenn die verschluckt werden, sorgt das für dreierlei Probleme. Zunächst ist die rein mechanische Verstopfung alles andere als optimal.“ Das zweite – und größte Problem – ist der Stromfluss, wie der Mediziner erklärt. Denn aus den kleinen Batterien fließt gar keine Batteriesäure – sondern Strom. Das Tückische: Die kleinen Lithium-Knopfzellen haben eine viel höhere Volt-Anzahl, als zum Beispiel herkömmliche AAA-Batterien. „Durch die Batterie fließt Strom. Wenn die Speiseröhre feucht ist und Strom eine alkalische Lösung produziert, wird das Gewebe zerstört. Wenn die Batterie also länger in der Speiseröhre festhängt, perforiert das Organ und es gibt ein Loch, durch das dann wiederum Bakterien in den Bereich der umliegenden Organe gelangen.“

Und genau das sei das Gefährliche daran, wenn Kinder – und auch Erwachsene – eine Knopfzelle verschlucken. „Die Entzündung und das Austreten der Bakterien ist problematisch und kann im schlimmsten Fall zum Tod führen“, erklärt Dr. Specht weiter.

Deswegen ist es sehr wichtig, dass umgehend ein Arzt aufgesucht oder eben ein Krankenwagen aufgesucht wird. „Das Kind wird dann sediert und in Narkose gelegt, damit es per endoskopischer Entfernung von der Knopfzelle befreit werden kann. Von oben, durch den Mund, wird die Batterie dann herausgeholt.“

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Welche Erste-Hilfe-Maßnahme im Notfall greift

„Magengel aus der Apotheke, was meist gegen Sodbrennen eingesetzt wird, hilf. Oder eben haushaltsüblicher Honig“, erklärt Dr. Specht. Wieso? Das Magengel oder den Honig, aufgrund ihrer cremigen Konsistenz, legen sich wie eine Schutzschicht um die Batterie. „Dadurch ist der Stromfluss weniger stark und die alkalische Lösung, die entsteht, wird abgepuffert“, weiß der Experte. Zudem – das ist bisher aber noch nicht hundertprozentig belegt – rutscht die Batterie auf diese Art und Weise vielleicht sogar runter und kann auf dem üblichen Weg ausgeschieden werden. „Die Hauptwirkung ist aber die Neutralisation der alkalischen Lösung.“ Untersucht worden ist das Ganze an Schweinen, im Rahmen einer 2018 erschienenen Studie.

Dem Kind einige Millimeter Honig einzuflößen, sei also eine gute Idee, wie der Mediziner ausführt. Trotzdem sollte immer ein Arzt hinzugezogen werden, damit ein Röntgenbild gemacht werden und die Knopfzelle entfernt werden kann.

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Das sollten Sie ebenfalls beherzigen

Wichtig: Nach zwei Stunden sollte die Batterie in jedem Fall entfernt werden. Es kann sogar schon früher zu massiven Problemen führen. Dr. Christoph Specht betont zudem, Seinen Gesundheitszustand für 30 Tage weiter zu beobachten. Denn auch nach Verschlucken, Steckenbleiben und Entfernen der Batterie kann es noch zu Gewebeschädigungen kommen. (vdü)