Gesellschaft für Neurologie mit neuer Studie

AstraZeneca-Impfung: Höheres Hirnthrombose-Risiko auch bei älteren Frauen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt: AstraZeneca-Vakzin wegen des erhöhten Risikos für Hirnthrombosen bei jungen Frauen nur an über 60-Jährige
Die Ständige Impfkommission empfiehlt: AstraZeneca-Vakzin wegen des erhöhten Risikos für Hirnthrombosen bei jungen Frauen nur an über 60-Jährige
© iStockphoto, Ridofranz

06. Mai 2021 - 12:05 Uhr

Neurologen erforschen deutschlandweit Thrombose-Risiko

AstraZeneca soll nur Menschen über 60 Jahren geimpft werden. So lautet die aktuelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Grund ist die erhöhte Gefahr für junge Frauen, nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin eine Hirnthrombose zu erleiden. Nun haben Forscher festgestellt: Die Komplikation könnte auch bei Frauen Ü60 auftreten! Sie empfehlen deshalb eine Neubewertung des Impfstoffs.

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Forscher stellen weder Impfung noch AstraZeneca-Impfstoff infrage

Auffällig war für die Forscher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vor allem, dass nicht nur jüngere Frauen ein höheres Risiko für zerebrale Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff hatten, sondern eben auch ältere Frauen. Das sei zwar selten, dennoch ist das Fazit der Gesellschaft: "Wir stellen damit nicht die Impfung infrage, auch nicht das AstraZeneca-Vakzin". Weitere Empfehlung der DGN: "wir denken, dass alle Personen, vor allem Frauen, vor der Impfung über dieses Risiko aufgeklärt werden sollten." Dies sei besonders wichtig "gerade auch im Hinblick darauf, auf welche Symptome sie im Nachgang zu achten haben. Außerdem sollte sehr zeitnah eine neue Risiko-Nutzen-Bewertung durch die zuständigen Behörden erfolgen."

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Änderung der Empfehlung für die Impfung?

Die Inzidenzrate der Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 60 nach Gabe des AstraZeneca-Impfstoffs betrug demnach 24,2 auf 100.000 Personenjahre, die von Frauen über 60 nach Gabe des gleichen Impfstoffs 20,5. "Unsere Daten zeigen also: Auch ältere Frauen haben ein erhöhtes Risiko, Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Gabe des AstraZeneca-Vakzins zu erleiden. Ob dies zu einer Änderung der Empfehlung für die Impfung mit AstraZeneca führt, sollte mit den vorliegenden Daten in einer Risiko-Nutzen-Analyse schnell bewertet werden", so die Pressemitteilung.

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Mit der Rate wird beschrieben, wie schnell eine Erkrankung auftritt, wie viele Krankheitsfälle pro Zeiteinheit entstehen. Dabei wird der Begriff "Personenjahre" gebraucht, um die durchschnittliche Erkrankungsrate zu ermitteln.

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Biontech mit geringster Ereignisrate - bei Männern sogar keine

Die weiteren Ergebnisse der Studie laut Pressemitteilung: Bei mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpften Frauen unter 60 Jahren betrug die Ereignisrate Thrombosen innerhalb eines Monats nach der Erstimpfung 24,2 auf 100.000 Personenjahre, bei gleichaltrigen Männern 8,9. Bei unter 60-Jährigen, die den Biontech-Impfstoff erhalten hatten, betrug die Ereignisrate 3,6 bei Frauen und 3,5 bei Männern. Über 60-jährige Frauen wiesen nach Impfung mit Biontech eine sehr geringe Ereignisrate von 0,8 auf, bei Männern über 60 Jahre gab es keine Ereignisse - egal mit welchem Impfstoff sie geimpft worden waren.

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So sind die Forscher vorgegangen

Alle neurologischen Kliniken in Deutschland wurden im April gebeten, über alle Fälle von Hirnvenenthrombosen, Schlaganfällen und Hirnblutungen zu berichten, die spätestens 31 Tage nach einer Covid-19-Impfung aufgetreten waren. Von den neurologischen Abteilungen in Unikliniken antworteten fast alle, von den Neurologischen Stationen an anderen Krankenhäusern reagierten immerhin 30 Prozent.

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Die Forscher identifizierten durch die eingegangenen Antworten 62 Betroffene, 47 davon waren Frauen - 76 Prozent. Der Altersmedian lag bei 46 Jahren, 80 Prozent der Betroffenen waren jünger als 60 Jahre. 45 erlitten eine Hirnvenenthrombose, es gab neun Fälle ischämischer Schlaganfälle, vier Fälle von Hirnblutungen und vier andere thrombotische Ereignisse. Elf Betroffene verstarben aufgrund der aufgetretenen Komplikation.

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