Ein heftiger Streit öffnet potentiellem Täter die Augen

Anti-Gewalt-Training für Männer: So funktioniert die Prävention

20. Januar 2020 - 17:57 Uhr

Raus aus der Gewaltspirale

Sie wollen ihre Ehen, ihre Familien und auch sich selbst retten: Die Männer, die in Lüneburg ein Anti-Gewalt-Training absolvieren, wollen keine Täter sein. In dem Programm lernen sie, mit Situationen umzugehen, in denen ihnen zuvor vielleicht sogar handgreiflich geworden wären. Lars (Name von der Redaktion geändert) ist einer von ihnen. Was ihn zu dem Training veranlasst hat, zeigen wir im Video.

Jede vierte Frau von häuslicher Gewalt betroffen

Laut dem Bundesfamilienministerium hat jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch ihren Partner erfahren. Männer bedrohen, schlagen oder würgen ihre eigene Partnerin. Dabei reicht das Einschreiten von Polizei und Justiz oft nicht aus - zu häufig kommt es zu Wiederholungstaten.

Um das zu verhindern, gibt es in Lüneburg seit elf Jahren ein Anti-Gewalt-Training für Männer. Rund 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer sucht hier freiwillig Hilfe, sie wollen raus aus der Gewaltspirale.

Probleme in der Gruppe ansprechen

Seit elf Jahren kommen Männer zu Albrecht von Bülow, die beispielsweise in Streitsituationen die Kontrolle verlieren. Er leitet das Anti-Gewalt-Training und steht Betroffenen zur Seite. "Es ist wichtig, von anderen Rückmeldung zum eigenen Verhalten zu bekommen. Vor allem von Männern, die in ihrem Therapieprozess schon weiter fortgeschritten sind. Die können sagen: Ich kenne das Problem, das hatte ich auch. Aber man kann damit umgehen", erklärt uns der Sozialpädagoge.

Hilfetelefon für Frauen und Männer

Laut Bundesfamilienministerium waren 2018 mehr als 114.000 Frauen von Gewalt in der Partnerschaft betroffen. Männer, die ihr Verhalten ändern wollen, können sich an die "drobs Fachstelle für Sucht und Suchtprävention" (04131) 684460 wenden. Und auch Frauen können sich Hilfe suchen: Sie sind Opfer von Gewalt - egal, ob Sie geschlagen, gestalkt oder missbraucht wurden? Melden Sie sich beim "Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen" vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben unter der Telefonnummer 08000 1160 16.