Anschlag in Hanau

Tobias R. tötete zehn Menschen in Hanau: Polizei holte seinen Vater aus der Wohnung

Tote durch Schüsse in Hanau
© dpa, Boris Roessler, wst

21. Februar 2020 - 8:48 Uhr

Tat von Tobias R. unter „Terrorverdacht“

Im hessischen Hanau sind zehn Menschen durch Schüsse getötet worden. Auch der mutmaßliche Täter, Tobias R., und seine Mutter sind tot. Der 43-Jährige ist am Morgen leblos in seiner Wohnung aufgefunden worden. Nach RTL-Informationen hat die Polizei den Vater des Täters unverletzt aus der Wohnung geholt. Er wurde routinemäßig befragt, wie auch der "Spiegel" berichtet. Anders als zuvor berichtet, ist der 72-Jährige kein Mitglied der Grünen, sondern stand vor ein paar Jahren als Kandidat auf der Liste der Grünen.

Blutiger Anschlag in Hanau

Nach dem blutigen Anschlag am späten Mittwochabend in zwei Shisha-Bars und einem Kiosk ermittelt der Generalbundesanwalt wegen Terrorverdachts. Der mutmaßliche Todesschütze sei ein 43-jähriger Deutscher aus Hanau, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth. Es gebe Hinweise auf ein "fremdenfeindliches Motiv". Nach RTL-Informationen handelt es sich um Tobias R. In seiner Wohnung fand die Polizei auch ein Bekennerschreiben und ein Video, das gerade ausgewertet wird. Auch der Generalbundesanwalt Peter Frank geht davon aus, dass der Täter eine "zutiefst rassistische Gesinnung" habe.

Der Tatverdächtige soll vor der Tat auch ein Video auf Youtube veröffentlicht haben. In dem Clip spricht Tobias R. Englisch und wendet sich mit einer "persönlichen Botschaft an alle Amerikaner". Er behauptet, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort werde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände "jetzt kämpfen". Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten.

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Das wissen wir bisher über die Opfer

Inzwischen ist klar: Neun der Todesopfer haben Migrationshintergrund, fünf die türkische Staatsbürgerschaft. Muhammed B. überlebte den Angriff auf die Shisha-Bar in Kesselstadt verletzt. Im Krankenhaus gab er dem türkischen Sender Haber-TV Türkei ein Interview.

Auch die Töchter von Nurhan Agit wurden Augenzeugen der Schießerei, überlebten aber. Im Interview erzählt die Mutter unter Tränen, wie sie sich die ganze Nacht um ihre Kinder sorgte. Der Sohn einer Freundin kam bei dem Angriff ums Leben.

Hilfetelefon für Betroffene der Gewalttat von Hanau eingerichtet

Wer von der Gewalttat in Hanau betroffen ist und Unterstützung braucht, kann sich auch an ein Hilfetelefon wenden. Unter der Nummer 0800 / 000 9546 können Betroffene ihr Anliegen vorbringen, wie der Beauftragte der Bundesregierung für die Opfer terroristischer Taten, Edgar Franke, am Donnerstag bei Twitter schrieb. Er wies zugleich auf weitere Hilfsangebote auf der Internetseite des Bundesjustizministeriums hin.