Ich überlebte den Terror von Hanau!

Mann flehte Muhammed B. an: "Halt bitte meine Wunde zu. Bitte, bitte. Dann war es schon vorbei."

22. Februar 2020 - 14:03 Uhr

Muhammed B. überlebte den Horror von Hanau

Die ersten Schüsse fielen in einer Shisha-Bar in der Hanauer Innenstadt. Danach fuhr der Täter zu einer weiteren Shisha-Bar im Stadtteil Kesselstadt – auch dort fielen Schüsse. Der Täter und elf weitere Menschen starben. Muhammed B überlebte den Angriff verletzt. Im Video berichtet er von den schlimmsten Stunden seines Lebens - und wie ein Mann direkt neben ihm starb.

Muhammed B. überlebte Schießerei in Hanau

Was er erlebte, sei "wie in einem Spiel oder in einem Film" gewesen, erzählt Muhammed. "Ein Blutbad, ganz normales Blutbad." Er selbst wurde auch verletzt und hatte dabei offenbar großes Glück, dass er überlebte. Die Kugel ging nach seinen Angaben "hinten raus, paar Zentimeter vorbei an meiner Wirbelsäule und Luftröhre". Als er auf dem Boden lag und sich die Wunde zuhielt, überall Blut sah - da habe er realisiert, dass es eine Schießerei ist.

„Ich kann nicht atmen, ich spüre meine Zunge nicht“

Aus dem Krankenhaus gab Muhammed B. auch dem Sender Haber-TV Türkei ein Interview. Unter Tränen erzählte er, was in der "Arena Bar" im Stadtteil Kesselstadt passierte.

Er habe gerade beim Essen gesessen, als plötzlich Schüsse fielen, berichtet er. "Wir waren ca. zehn bis zwölf Personen. Es haben nur vier Leute überlebt, einer davon bin ich", erzählt er. Zuerst hätten sie Schüsse von draußen gehört. Dann sei der Täter auch in die Bar hereingekommen und habe systematisch auf alle geschossen, die er gesehen habe. Muhammed B. konnte sich hinter einer Wand verstecken, wurde aber in die Schulter getroffen.

Während er erzählt, was er erlebt hat, bricht ihm immer wieder die Stimme und ihm kommen die Tränen. In der Bar brach Panik aus. "Wir lagen alle irgendwie aufeinander", erzählt er. "Der Junge, der unter mir lag, hatte ein Loch im Hals", erinnert er sich. "Ich kann nicht atmen, ich spüre meine Zunge nicht", habe der Verletzte gesagt.

Muhammed B. riet ihm, er solle sein letztes Gebet sprechen. "Das hat er dann gemacht", erinnert sich der Verletzte im Interview. In der Bar sei es mucksmäuschenstill geworden und der Täter habe die Bar verlassen. Was andere Zeugen in Hanau beobachtet haben, lesen Sie hier.

Tobias R. erschoss in Hanau wohl auch seine eigene Mutter

Tote durch Schüsse in Hanau
Muhammed wurde bei dem Angriff auf die Arena Bar in Hanau verletzt.
© dpa, Boris Roessler, wst

Nach bisherigem Stand der Ermittlungen fuhr der mutmaßliche Täter Tobias R. daraufhin zurück zu seiner Wohnung. Als SEK-Kräfte die Wohnung stürmten, fanden sie den 43-Jährigen und seine 72 Jahre alte Mutter dort tot auf. Den Vater brachten die Beamten unverletzt aus der Wohnung, um ihn zu befragen.

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen – wegen Terrorverdachts. Nach Angaben des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU) gibt es Hinweise auf ein "fremdenfeindliches Motiv". Die meisten der Opfer haben Migrationshintergrund.

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