"Ein völlig unauffälliger Schüler"

Anschlag auf Essener Gymnasium verhindert? Schulleiter spricht über terrorverdächtigen Jeremie R.

Die Essener Polizei hat den 16 Jahre alten Jeremie R. unter dringendem Terrorverdacht festgenommen.
Die Essener Polizei hat den 16 Jahre alten Jeremie R. unter dringendem Terrorverdacht festgenommen.
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13. Mai 2022 - 18:09 Uhr

Das katholische Don-Bosco-Gymnasium in Essen ist vermutlich sehr knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Der 16 Jahre alte Schüler Jeremie R. soll einen Anschlag geplant und eine Todesliste geführt haben. "Für uns aus Lehrersicht war das ein völlig unauffälliger Schüler", sagt Schulleiter Lothar Hesse Im RTL-Interview. "Ein freundlicher junger Mensch, der durch keine Auffälligkeit auch nur hätte ahnen lassen, was da in ihm vorgegangen ist."

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Lothar Hesse, Schulleiter des Don-Bosco-Gymnasiums in Essen
Lothar Hesse, der Schulleiter des Don-Bosco-Gymnasiums in Essen, berichtet, dass der 16-Jährige auf alle Lehrer einen netten, unauffälligen Eindruck gemacht habe.
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Jugendlicher soll "Abschied für immer" und ein "Geschenk für alle" angekündigt haben

Doch da scheint eine Menge gewesen zu sein, was seine Lehrer nicht ahnten. Am Donnerstagmorgen stürmte das SEK das Kinderzimmer des Jugendlichen, nahm ihn fest. In seinem Zimmer wurden Waffen gefunden, rechtsextremes, antisemitisches und antimuslimisches Material. "Man glaubt immer, das kann hier nicht passieren", so der Schulleiter. Er erzählt, dass Zeugen die Schule über die mutmaßlichen Pläne des Jugendlichen informiert hätten. Die seien so konkret gewesen, dass er sie für glaubwürdig erachtet habe, darum schaltete der Schulleiter die Polizei ein.

Nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" hatte der Tatverdächtige seinen "Abschied für immer" angekündigt und ein "Geschenk für alle". Der Direktor der Ordenseinrichtung, zu der die Schule des Jugendlichen gehört, Pater Otto Nosbisch, berichtete, dass der Jugendliche mehreren Mitschülern gegenüber seine Pläne angedeutet habe. Da er schon früher öfter von Waffen gesprochen habe, hätten die Mitschüler das ernst genommen und seien zu einer Lehrerin gegangen, die die Schulleitung informiert habe.

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Jeremie R. wollte Essener Gymnasium am Freitag, den 13. angreifen

Offenbar plante Jeremie R. für Freitag, den 13. Mai, einen Angriff auf das Gymnasium. "Ich bin wirklich dankbar dafür, dass wir diesen Tag heute wohlbehalten überstanden haben", so der Schulleiter im Interview. Alle Schülerinnen und Schüler hätten schulfrei bekommen, sodass das Lehrerkollegium über die aktuelle Situation informiert werden konnte. Dann sei besprochen worden, wie es jetzt weiter gehen soll. Dabei habe es auch Unterstützung von Schulpsychologen gegeben.

Der Schulleiter erklärt, dass am Montag wie geplant die mündlichen Abiturprüfungen stattfinden sollen und dass am Dienstag alle Schüler zurück in der Schule erwartet werden. Hesse erzählt, dass alle bestürzt seien und erst mal verarbeiten müssten, was passiert sei. "Es gibt natürlich vorbereitete Notfallordner, aber wenn die Situation erst mal da ist, haben Sie keine Zeit erst mal in irgendwelchen Ordnern zu blättern", sagt er. "Sowas lernt man nicht als Lehrer." Für ihn stehe jetzt im Vordergrund, dass mit der Zeit wieder ein bisschen Normalität zurückkehre und alle Schüler das Schuljahr gut zu Ende bringen könnten.

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Terroralarm in Essen: Ermittlungen gegen Schüler gehen weiter
© dpa, Roberto Pfeil, rp kno

Essen: Haftbefehl gegen verdächtigen 16-Jährigen erlassen

Die Ermittler gehen davon aus, dass Jeremie R. einen rechtsextremistisch motivierten Terroranschlag plante. Gegen ihn wurde am Freitag Haftbefehl wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erlassen. Die Polizei hatte bei ihm rechtsextreme Schriften und Materialien zum Bombenbau gefunden. Sprengstoff und 16 Rohrkörper, einige präpariert mit Uhren und Nägeln, wurden sichergestellt, daneben noch ein selbst gebautes Gewehr und Armbrüste mit Pfeilen.

Bei der Durchsuchung der Wohnung seien auch Hinweise darauf gefunden worden, dass der 16-Jährige psychische Probleme hatte, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag sagte. Es seien Aufzeichnungen aufgetaucht, die als "dringender Hilferuf eines verzweifelten jungen Mannes gelesen werden" könnten. (jgr, mit dpa)