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Anschläge vom 11. September: Feuerwehrbrüder Morabito hielten einander für tot

Verzweifelte Suche in den Trümmern des World Trade Centers

Anschläge vom 11. September: Feuerwehrbrüder Morabito hielten einander für tot

Feuerwehrbrüder hielten einander für tot 9/11-Einsatz am Ground Zero
04:25 min
9/11-Einsatz am Ground Zero
Feuerwehrbrüder hielten einander für tot

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Terror in New York: "Oh mein Gott, mein Bruder ist tot"

John und Michael Morabito sind noch immer gezeichnet von den Ereignissen des 11. September 2001. An dem Dienstag vor 20 Jahren waren die Brüder als Feuerwehrmänner des FDNY im Einsatz. In den Trümmern des kollabierten World Trade Centers hielten sie sich gegenseitig für tot und suchten einander verzweifelt. RTL hat die beiden besucht. Ihre Geschichte ist eine der wenigen schönen, die 9/11 hervorgebracht hat.

Morabito-Brüder erreichten als "First Responder" Ground Zero

ARCHIV - 11.09.2001, USA, New York: Eine staubbedeckte Krankentrage und ein Feuerwehrmann stehen nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center neben einem Rettungswagen. (zu dpa «20 Jahre 9/11: Terroranschläge in den USA») Foto: Randy Taylor/ZUM
20 Jahre nach dem 11. September 2001: Eine staubbedeckte Krankentrage und ein Feuerwehrmann stehen nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center neben einem Rettungswagen.
mark avery - batch jai, dpa, Randy Taylor

„Es gab damals nur eine Mission für mich: meinen Bruder finden. Ich musste meinen Bruder finden“, erzählt John im Interview. „Er ist noch am Leben, er ist mein jüngerer Bruder. Er ist in meine Fußstapfen getreten und Feuerwehrmann geworden. Ich liebe ihn über alles.“ John arbeitete am 11. September in der Wache „Ten House“, die zuständig war für das WTC. Sie waren auch die Ersten vor Ort, nachdem der entführte American Airlines-Flug 11 um 08:46 Uhr Ortszeit in den Nordturm der Twin Tower gekracht war. Am Ground Zero angekommen, bot sich den First Respondern ein Bild der Zerstörung und des Grauens.

„Ich sah eine Frau an einer Mauer sitzen, sie war verbrannt, hatte ihre Augen geschlossen, hielt ihre Hände so nach oben und zitterte“, erinnert sich John. „Ihre Fingerkuppen waren weg und die Knochen schauten heraus.“

Brüder Morabito waren First Responder am Ground Zero

John Morabito am Ground Zero, die Verzweiflung ist dem FDNY-Feuerwehrmann ins Gesicht geschrieben.
John Morabito am Ground Zero, die Verzweiflung ist dem FDNY-Feuerwehrmann ins Gesicht geschrieben.
FDNY L-10

Sein Bruder Michael war in einer anderen Wache stationiert, aber auch die Einsatzkräfte rückten aus, um zu helfen. Die Nachrichtenlage war zu diesem frühen Zeitpunkt noch unübersichtlich. Dann raste ein zweites Flugzeug in den Südturm, eine Stunde darauf begannen die riesigen Wolkenkratzer zu kollabieren. Das World Trade Center wurde zum Massengrab von 2.996 Menschen, Manhattan versank in Schutt und Asche – mittendrin John und Michael. „Wir rannten weg und als uns die zweite Staubwolke erwischte, dachte ich: ‘Oh mein Gott, mein Bruder ist tot. Diesen Unfall kann er auf keinen Fall überlebt haben.’“

LESE-TIPP: Die 2. Welle - todkrank durch den giftigen Staub

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Die beiden Brüder Michael und John Morabito: Der Jüngere schlüpfte in die Fußstapfen des Älteren und wurde ebenfalls Feuerwehrmann.
Die beiden Brüder Michael und John Morabito: Der Jüngere trat in die Fußstapfen des Älteren und wurde ebenfalls Feuerwehrmann. In den Wirren nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 verloren sie einander aus den Augen, dachten, der jeweils andere sei tot.
FDNY L-10

Es dauerte nicht lange, da kursierten bereits erste Vermissten- und Todeslisten. Darauf wurde Michael als vermisst geführt. Seine Mutter rief John an: „Ich konnte hören, dass sie extrem aufgeregt war. ‘Bist du in Ordnung?’, fragte sie mich“, erzählt John. Dann habe sie nach seinem Bruder erkundigt und er habe nur antworten können, dass er seit einer Stunde im World Trade Center vermisst wird. „Ich sagte: ‘Mutter, ich muss jetzt los, ich muss Michael finden’“ - und legte auf. Eine fieberhafte Suche begann.

Unterdessen war Michael überzeugt, dass sein Bruder John tot ist. „Ich traf eine ganz bewusste Entscheidung. Ich sagte mir, dass ich mich jetzt konzentrieren muss. Denke bloß nicht an John, sonst bin ich nicht mehr imstande, hier zu arbeiten. Dann hätte ich die ganze Zeit nur noch weinen müssen.“

Wiedersehen am Hydranten: „Es war unglaublich“

Stunden vergehen, John ist inzwischen mit den Kräften am Ende, ausgelaugt und ausgetrocknet. Wasser gibt es kaum, weil Leitungen beschädigt sind. Nur aus einem Hydranten tropft etwas heraus. „Ich fiel auf die Knie und nahm etwas Wasser, um mein Gesicht zu waschen“, erzählt John. Was dann passiert, ist unfassbar: „Ich schaute auf und da sah ich meinen Bruder da entlang gehen.“ Er habe seinen Augen nicht trauen können.

„Es war unglaublich“, erzählt Michael, der John im selben Moment wahrnahm. „Ich kann euch nicht sagen, wie es mir in diesem Moment ging.“ Die Brüder seien einander in die Arme gefallen. Ein schöner Moment an einem schrecklichen Tag. (RTL NY, cwa)