„Ich bin überzeugt, dass sie das getan hat“

Annelie K. (67) wegen Giftmord an Ehemann verurteilt - Tochter fürchtet sich noch immer vor ihr

16. Februar 2021 - 22:38 Uhr

Im Video: Tochter traut Annelie K. den Mord zu

Jahrelang sah alles so aus, als hätte der Ehemann von Annelie K. selbst eine Überdosis Schlaftabletten und Alkohol zu sich genommen. Der 49-Jährige starb im Mai 2003. Nun fast 18 Jahre nach seinem Tod wurde seine inzwischen 67 Jahre alte Witwe wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. "Die Kammer hat keinen Zweifel, dass Sie Ihren Mann vergiftet haben", sagte Richterin Simone Herberger in der Urteilsverkündung vor dem Landgericht Chemnitz. Auch Jana K., die Tochter der Angeklagten, ist sich sicher, dass ihre Mutter schuldig ist. "Ich bin überzeugt, dass sie das getan hat", sagte sie im RTL-Interview.

Auch Jana K. berichtet von Substanzen in ihrem Essen

Jana K. floh mit 17 Jahren aus der Familie – bevor ihr Stiefvater unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Doch was sie bis dahin zuhause mitbekommen hat, wirft kein gutes Licht auf ihre Mutter. "Das ist eine Frau, die über die Jahrzehnte gelernt hat, ihre Mitmenschen ganz gezielt und geschickt zu manipulieren", erzählt Jana K. Auch ihr habe die Mutter als Kind zerdrückte Tabletten oder andere Substanzen ins Essen gemischt.

Manchmal habe die Mutter sie genötigt, ihrem Stiefvater ein Getränk zu bringen, in das sie zuvor etwas gemischt hatte. Die Tochter der Angeklagten erinnert sich gut an einen Vorfall, als sie 12 oder 13 Jahre alt war. Sie musste dem Stiefvater wieder ein Getränk bringen. Danach habe ihm der Schaum vor dem Mund gestanden und sie habe gedacht, dass er sterben würde. Doch er erholte sich wieder – weil der Mann alkoholkrank war, schöpfte er selbst wohl keinen Verdacht.

Jana K., Tochter der Angeklagten
Jana K. traut ihrer Mutter den Mord an ihrem Stiefvater zu und macht sich sogar jetzt noch Sorgen um ihre eigene Sicherheit.
© RTL

Mutter drohte Jana K., dass ihre Halbschwester von der Wickelkommode fallen könnte

Wenn sie sich weigerte, sich dem Willen ihrer Mutter zu beugen, habe Annelie K. gedroht, ihren Haustieren oder Janas jüngerer Stiefschwester etwas anzutun. Mehrere ihrer Haustiere seien dann auch plötzlich gestorben, sagt sie im RTL-Interview. "Ich habe sie als einen sehr herzlosen Menschen erlebt", sagt die Tochter. Mit 17 hielt sie es nicht mehr aus und brach den Kontakt zu ihrer Familie komplett ab. Sie versuchte sogar ihren Aufenthaltsort und ihre Identität zu verschleiern. Erst über Bekannte erfuhr sie von dem Tod ihres Stiefvaters.

Es war Jana K.s Halbschwester, die die Ermittlungen gegen Annelie K. ins Rollen brachte. "Über das Geschehen schien Gras gewachsen zu sein, niemand hätte die Akten noch einmal aus dem Keller geholt", sagte die Richterin. Doch die andere Tochter von Annelie K. verwickelte ihre Mutter in ein Gespräch über die Todesumstände ihres Vaters. Mit dem Handy nahm sie dann heimlich auf, wie die Mutter detailliert beschrieb, wie sie ihren damaligen Mann umgebracht hatte.

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Annelie K. soll ihrem Ehemann Schlafmittel ins Eis gerührt haben

Das Gericht ist überzeugt, dass Annelie K. ihrem Mann ein Schlafmittel ins Eis mischte. Als er daraufhin zusammenbrach, flößte sie dem Alkoholsüchtigen Desinfektionsmittel und Cognac ein. Diese Mischung war tödlich. Vor Gericht beteuerte die 67-Jährige unter Tränen ihre Unschuld. "Ich habe meinem 2003 verstorbenen Mann nichts angetan. Ich bin keine Mörderin."

Ihr Verteidiger Andreas Baumann hatte auf Freispruch plädiert und die Verwertung der heimlichen Aufnahme vor Gericht kritisiert. Er werde sicherlich Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen, sagte der Anwalt nach dem Richterspruch. Auch der neue Ehemann von Annelie K. ist überzeugt, dass seine Frau niemanden umgebracht hat. "Ich hatte angenommen, dass ich sie heute mitnehme", sagte er im RTL-Interview. "Die ist unschuldig", betonte er.

Jana K. fühlt sich selbst jetzt nicht sicher vor Annelie K.

Jana K. ist dagegen der Überzeugung, dass ihre Mutter im Laufe der Jahre noch weitere Straftaten begangen haben könnte. Für sie ist der Auftritt ihrer Mutter vor Gericht eine große Show. Dort sprach die 67-Jährige sogar sächsisch. Normalerweise würde Annelie K. immer Hochdeutsch sprechen, erzählt die Tochter. Sie habe erlebt, mit wie viel sie in all den Jahren durchgekommen sei. Darum macht sie sich auch Sorge um ihre eigene Sicherheit und um die ihrer Familie. "Ich habe das auch mit meinen Kindern besprochen, wenn ich in nächster Zeit einen Unfall habe, muss das kein Unfall gewesen sein", erzählt sie.

Selbst wenn ihre Mutter nun im Gefängnis bleiben muss, fühlt sich Jana nicht hundertprozentig sicher. "Wenn ich hier aussage, gibt es ein gewisses Gefahrenpotential für mich und meine Kinder", ist sie überzeugt. Trotzdem ist es auch eine große Erleichterung für Jana K., dass sich ihre Mutter nun vor Gericht verantworten muss. "Ich hoffe, dass es tatsächlich Gerechtigkeit in dem Sinne gibt", sagt sie.