Virologe Drosten: MERS-Virus ist der nächste Kandidat

Wie Corona-Tests bei Kamelen die nächste Pandemie verhindern sollen

Veterinäre testen ein Kamel in Kenia mit Wattestäbchen auf das MERS-Virus.
Veterinäre testen ein Kamel in Kenia mit Wattestäbchen auf das MERS-Virus.
© AFP via Getty Images, TONY KARUMBA, tk

22. April 2021 - 14:25 Uhr

Auch in Deutschland starben bereits Menschen an einer MERS-Infektion

Während der Kampf gegen das Coronavirus in vollem Gange ist, warnen Wissenschaftler bereits vor neuen Pandemie-Risiken durch andere Viren. Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, kündigte schon im November an, sich nach Abklingen von Covid-19 intensiv mit MERS-Viren beschäftigen zu wollen. MERS sei der nächste Pandemie-Kandidat, sagte Drosten dem Magazin "Capital". Auch in Deutschland gibt es bereits Todesfälle, die in Zusammenhang mit einer MERS-Infektion stehen. Wie groß ist die Bedrohung?

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MERS trat erstmals in Saudi-Arabien auf

Ein Röhren dröhnt an diesem nebligen Morgen durch die Kapiti-Ebene im Süden Kenias. Drei Männer sind nötig, um das zwei Meter große und 200 Kilogramm schwere Kamel festzuhalten. Es grunzt und schlägt mit den Hufen aus, als ein Tierarzt langsam einen riesigen Wattestab in seine Nasenlöcher einführt. Es ist wie beim Menschen: Auch Kamele haben wenig Freude daran, wenn mit einem Stäbchen in ihrer Nasenhöhle herumgenestelt wird. Und es ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von Mensch und Kamel: Beide können sich mit dem MERS-Virus infizieren.

Der Erreger trat erstmals 2012 in Saudi-Arabien auf und zählt ebenfalls zu den Coronaviren. Ursprünglich scheint die Erkrankung von Fledermäusen auszugehen, Dromedare dienen offenbar als Zwischenwirt und übertragen das Virus auf den Menschen. Das von ihm hervorgerufene Middle East Respiratory Syndrome ist allerdings gefährlicher als Covid-19. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verlaufen 35 Prozent der Fälle tödlich. Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und kann sich in kürzester Zeit zu einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung entwickeln. Laut dem Robert Koch Institut sind in Deutschland bislang drei MERS-Fälle bekannt geworden. Ein Patient konnte geheilt entlassen werden, ein anderer starb. Im dritten Fall überlebte der Erkrankte zunächst die MERS-Infektion, starb aber kurz darauf an den Spätfolgen.

Ein wuchtiger Tritt für den Kamelführer in Kenia

 MERS coronavirus, illustration Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus MERS-CoV particles virions, computer illustration. Formerly known as novel coronavirus, MERS was first identified in Saudi Arabia in 2012. Most people infected with MERS dev
Das MERS-Virus zählt zu den Coronaviren
© imago images/Science Photo Library, Science Photo Library via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Größere Aufmerksamkeit erregte das Virus hierzulande 2015, als es zu einem Ausbruch in Südkorea kam. Ein einziger Patient hatte gleich 82 Menschen angesteckt. Insgesamt infizierten sich 186 Menschen, 38 von ihnen starben. Eingeschleppt wurde das Virus von einem südkoreanischen Touristen, der Urlaub in Saudi-Arabien gemacht hatte. Mediziner vermuten, dass das Virus dort durch eine Tröpfcheninfektion von infizierten Dromedaren übertragen wurde. Äußerlich ist den Tieren oft nichts anzumerken. Doch in vielen arabischen Ländern sind Dromedare mit den Viren infiziert.

Zurück nach Kenia: Ein weiteres Kamel hält wenig vom Wattestäbchen in seiner Nase und verpasst dem Kamelführer, der es zu bändigen versucht, einen wuchtigen Tritt. Es ist nicht der einzige, den der Mann an diesem Morgen einstecken muss. Auf der 13.000 Hektar großen Kapiti-Ranch untersuchen die Mitarbeiter des International Livestock Research Institute (ILRI) mit Hauptsitz in Nairobi Wildtiere, Rinder und Schafe, um mehr über die Gefahr von Zoonosen zu lernen. Laut dem Wissenschaftlichen Beratungsgremium der Vereinten Nationen für Biodiversität (IPBES) gibt es bis zu 850.000 Viren, die möglicherweise vom Tier auf den Menschen übergehen können – so wie auch das MERS-Virus.

Zoonosen: Wenn das Zusammenleben von Mensch und Tier zur Gefahr wird

Wissenschaftler wollen gewappnet sein

In Kenia steigen immer mehr Menschen auf die Haltung von Kamelen um. Die Tiere benötigen weniger Wasser, und ihre Milch ist nahrhafter. Mittlerweile lebt im afrikanischen Land eine der größten Kamel-Populationen der Welt – und die Sorge, dass das MERS-Virus mutiert und sich schneller überträgt, ist groß. Im ILRI-Labor in Nairobi untersuchen deshalb Wissenschaftler Proben von Kamelen in ganz Kenia auf MERS-Viren. Hier arbeitet auch die Biologin Alice Kiyong'a. "Die MERS, die wir derzeit in Kenia haben, ist [im Vergleich zur Variante in Saudi-Arabien] nicht leicht auf Menschen übertragbar", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Doch das könnte sich bei jeder Mutation ändern. Dann wollen die Wissenschaftler gewappnet sein.

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