Algerien: Über 30 Geiseln soll Flucht gelungen sein

Geiselnahme in Algerien
In dieser Anlage haben sich die algerischen Terroristen mit ihren Geiseln verschanzt.
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Geiseln müssen Sprengstoffgürtel tragen

Algerische Militärhubschrauber haben nach Darstellung der Geiselnehmer einen Angriff auf das Gasfeld im Osten Algeriens gestartet, auf dem islamistische Terroristen mehrere Dutzend westliche Arbeiter in ihrer Gewalt halten. Bei der Attacke seien Geiseln verletzt worden, sagte ein Sprecher der Terroristen der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI.

Nach Informationen des algerischen Fernsehsenders Ennahar gelang 15 Ausländern die Flucht, darunter einem französischen Paar. Ihnen sei es gelungen, zusammen mit rund 30 Algeriern aus der Gewalt der Islamisten zu entkommen.

Die Islamisten hatten die Einrichtungen in einem Erdgasfeld gestürmt. Über die Zahl der Geiseln gibt es unterschiedliche Angaben. Die Terroristen hatten behauptet, 41 Ausländer in ihrer Gewalt zu haben. Die algerische Regierung sprach von rund 20 Geiseln.

Das Militär belagert die Anlage im Osten des Landes. Die Regierung schloss Verhandlungen mit den Geiselnehmern aus. Diese sollen eigenen Angaben zufolge auch sieben US-Bürger, zwei Franzosen und zwei Briten in ihrer Gewalt haben. Für sie könnte eine Befreiungsaktion dramatische Folgen haben: Einige der entführten Ausländer müssen einem Fernsehbericht zufolge Sprengstoffgürtel tragen.

Die Entführer seien schwer bewaffnet und drohten damit, die Einrichtungen an dem Gasfeld in die Luft zu sprengen, wenn das algerische Militär einen Befreiungsversuch starte, sagte eine der Geiseln 'France 24' dem Sender zufolge. "Sie haben die beiden Anlagen gleichzeitig angegriffen. Sie sind hineingegangen und haben alle zusammengetrieben, sobald es hell wurde", sagte der Mann in einem Ausschnitt eines Telefongesprächs. Bei dem Überfall waren ein Brite und ein Algerier getötet worden.

Hinter der Geiselnahme steht nach algerischen Angaben die Organisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI). Die Rebellen fordern ein Ende des französischen Einsatzes in Mali. Die Terrorgruppe wird nach Angaben des Innenministers von dem einäugigen Islamisten Moktar Belmoktar angeführt. Es handele sich um etwa 20 bewaffnete Männer, die aus Algerien stammten, sagte der Innenminister.

Die nordmalische Islamistengruppe Ansar Dine hat bereits jede Verbindung zu den Terroristen bestritten. "Wir haben keinen Grund, dort zu sein", sagte ein Sprecher der Tuareg-Gruppe. Hinter der Aktion sollen aber Menschen stehen, die den Islam verteidigen. "Muslime werden dem Angriff Frankreichs und seiner Verbündeten nicht tatenlos zusehen", sagte der Sprecher weiter.

EU-Außenminister beschließen Militärausbilder

In Brüssel haben derweil die Außenminister der 27 EU-Staaten in einer Sondersitzung entschieden, Militärausbilder nach Mali zu schicken. Dies teilte der EU-Ministerrat mit. Die vermutlich etwa 250 Ausbilder sollen die malischen Streitkräfte in die Lage versetzen, islamistische Aufständische im Norden des Landes zu bekämpfen. Diese sollen durch etwa 200 Soldaten geschützt werden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, der Umfang der deutschen Beteiligung stehe noch nicht fest: "Das werden wir jetzt natürlich in der Bundesregierung erörtern." Zuvor müsse zwischen den Europäern gesprochen werden, "wer welche Beiträge leistet".

Fest steht bislang, dass Deutschland zwei Transall-Transportmaschinen entsenden will. Sie sollen von Hohn in Schleswig-Holstein und Landsberg am Lech in Bayern zunächst ins malische Bamako fliegen.

Von dort aus geht es in einen der 14 anderen Staaten der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas weiter, von wo aus dann Soldaten nach Bamako gebracht werden sollen. An dem Einsatz beteiligen sich 12 Bundeswehrsoldaten. Jedes Flugzeug kann rund 90 Soldaten transportieren und wird mit zwei Crews besetzt.

Zur weiteren Unterstützung der malischen und französischen Truppen werden auch die ersten Truppen der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas erwartet. Die 3.300 Soldaten der Ecowas sollen überwiegend von Nigeria, Niger und Burkina Faso gestellt werden. Die Bundesregierung hatte nach einer Anfrage der französischen Regierung entschieden, den Kampf gegen die islamistischen Rebellen im Norden Malis mit den beiden Transportern zu unterstützen. Französische Truppen sollen aber damit nicht transportiert werden.