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Ahrtal: Schock für Bewohner! Politik will Helferzentren der Flutkatastrophe schließen

Weil sich der Betrieb angeblich nicht mehr lohnt

Politik will Helferzentren im Ahrtal schließen - den Spenden droht die Müllpresse

Spendenzentren vor dem Aus Politik will Helferzentren im Ahrtal schließen

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Diese Entscheidung klingt unglaublich – und macht die Bewohner im Ahrtal fassungslos. Knapp ein Jahr nach der Flutkatastrophe mit 134 Toten will der Kreis Ahrweiler die Helferzentren Ende Juli schließen. Viele Flutopfer können die Schließung überhaupt nicht verstehen, weil sie immer noch massiv auf Spenden angewiesen sind. Doch den Sachspenden im Wert von mehreren hunderttausend Euro droht jetzt sogar die Müllpresse.

Weit entfernt von der Normalität

Entkernte Häuser, herausgerissene Böden und laufende Bautrockner – im Ahrtal ist das auch fast ein Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe noch Realität. Von einem normalen Leben sind viele Menschen weit entfernt, denn noch immer sind die Bauarbeiten hier nicht abgeschlossen, die Bewohner sind weiterhin auf Spenden und Baustoffe angewiesen.

Bislang konnten sich die Betroffenen in Hilfszentren wie dem Baustoffzelt in Grafschaft kostenlos Baumaterial und andere Dinge zum Leben mitnehmen - dank der Riesen-Spendenbereitschaft.

Ende Juli ist Schluss

Doch damit soll bald Schluss sein. Der Kreistag Ahrweiler hat beschlossen, das „Baustoffzelt Kaiser“ in Grafschaft-Ringen und das „Spendenverteilzentrum Ahrtal“ in Grafschaft-Gelsdorf Ende Juli zu schließen – zu teuer, heißt es. Der Kreis könne die 50.000 Euro Betriebskosten pro Monat nicht mehr stemmen. Das Zelt soll abgebaut, die übrigen Spenden sogar vernichtet werden. In einer Pressemitteilung der Landrätin wird behauptet, dass ein weiterer Grund für die Schließung die nicht immer verlässliche Zusammenarbeit mit einem Teil der Organisatoren gewesen sei.

Deshalb sollen eigentlich auch gar keine neuen Spenden mehr angenommen werden. „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Betroffenen, die nach wie vor dringend auf diese Spenden angewiesen sind“, sagt Wilhelm Hartmann, der Initiator des Baustoffzelts. Die Spenden nehmen sie trotzdem noch an – und nennen sie Geschenke, die sie weiterverschenken. Laut Kreisverwaltung stünden Aufwand und Nutzen nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis. Täglich holen sich hier rund 130 Menschen täglich Baumaterial, aber auch Trost und Zuversicht.

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Die Betroffenen sind fassungslos

Für die Leute, die seit knapp einem Jahr auf einer Dauer-Baustelle leben, ist die Entscheidung, die Zentren zu schließen, vollkommen unverständlich. „Wir konnten es einfach nicht fassen. So eine für uns unmenschliche Entscheidung, den Leuten hier die Hilfe wegzunehmen“, sagt eine Ahrtal-Bewohnerin. Eine andere ergänzt: „Solange das Tal das braucht, verstehe ich überhaupt nicht, dass das Zelt geschlossen wird. Nein! In keinster Weise.“

Die Verantwortlichen wollen sich nicht äußern

Gerne hätten wir auch mit jemanden von der Kreisverwaltung gesprochen, aber hier war niemand zu einem Interview bereit. Geld kommt auch vom Land – doch auch die rheinland-pfälzische Landesregierung wollte sich auf RTL-Anfrage nicht äußern. Der Koordinator des Baustoffzelts zieht eine bittere Bilanz: "Die sagen mir alle: ‘Ihr dürft nicht gehen. Ihr müsst bleiben, wir brauchen euch’. Und da muss ich wirklich sagen: Das macht mich traurig, dass das leider nicht erkannt wird." (rcl)

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