Ist sie die älteste Mutter der Welt?

Inderin bringt Zwillinge zur Welt - mit 74!

6. September 2019 - 18:25 Uhr

Diese Geburt ist ein „medizinisches Wunder“

Es ist ein "medizinisches Wunder": Eine 74-jährige Frau aus Indien hat Zwillinge geboren. Zwar ist ihr Alter noch nicht offiziell bestätigt, aber damit wäre sie die älteste Mutter der Welt. Im Video sehen Sie, wie der Traum von Erramatti Mangayamma in Erfüllung ging.

Ihr Leben lang wollte sie Kinder bekommen

Ihr ganzes Leben hatte Erramatti Mangayamma aus einem kleinen Dorf im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh nur einen Wunsch: Sie wollte Kinder haben. Doch obwohl sie laut eigenen Aussagen mehrere Ärzte und auch Tempel besucht hatte, blieb ihr das Kinderglück ihr ganzes Leben lang verwehrt. Bis jetzt. Am 5. September soll die 74-Jährige in einem Krankenhaus in der Stadt Guntur (Andhra Pradesh) per Kaiserschnitt Zwillingsmädchen zur Welt gebracht haben. Mit Hilfe von In-Vitro-Fertilisation, also künstlicher Befruchtung durch Eizellspende, soll das medizinische Wunder gelungen sein.

Ist sie die älteste Mutter der Welt?

Noch ist das offizielle Alter der Inderin nicht bestätigt, doch sollte es tatsächlich stimmen, ist Erramatti Mangayamma die älteste Mutter der Welt. Den derzeitigen Rekord hält Maria del Carmen Bousada de Lara, eine Frau aus El Puerto de Santa Maria in Spanien. Im Jahr 2006 hatte sie mit Kaiserschnitt Zwillinge zur Welt gebracht. 2008 gebar zwar noch Omkari Panwar aus dem indischen Bundesstaat Uttar im Alter von 72 Jahren ein Kind. Sie konnte jedoch keine Geburtsurkunde vorlegen, um ihr Alter zu bestätigen. Großes Aufsehen hat auch die Vierlingsgeburt von Annegret Raunigk erregt. Die Deutsche wurde 2015 mit 65 Jahren Mutter von Vierlingen. Sie gilt damit als älteste Vierlingsmutter der Welt.

"Die Nachbarn haben mich unfruchtbare Kuh genannt"

Für Erramatti Mangayamma ist mit der Geburt der Zwillinge ihr großer Lebenstraum in Erfüllung gegangen, wie sie der indischen Zeitung "Times of India" berichtet. Kein Kind zu gebären sei für sie eine schwere Belastung gewesen, die sie all die Jahre getragen habe. "Die Leute sahen mich mit anklagenden Augen an, als hätte ich eine Sünde begangen, erzählt sie der "Times of India". "Die Nachbarn haben mich 'godralu' genannt" (ein indisches Schimpfwort für eine kinderlose Frau, das übersetzt so viel wie "unfruchtbare Kuh" bedeutet). Nur ihr Ehemann Yaramati Sitarama Rajarao (80), mit dem sie seit 57 Jahren verheiratet ist, stand all die Jahre unerschütterlich an ihrer Seite.

Das Sperma stammte von ihrem Ehemann (80)

Eigentlich hatte das Paar die Hoffnung Kinder zu bekommen schon aufgegeben, doch eine Nachbarin, die mit 55 Jahren durch künstliche Befruchtung schwanger geworden sei, soll die 74-jährige auf die Idee gebracht haben, wie die britische Zeitung "Sun" berichtet. Das Paar konsultierte den IVF-Experten Dr. Dr. Sanakkayala Umasankar aus Guntur, der sie davon überzeugte, sich der künstlichen Befruchtung zu unterziehen. Ihre Behandlung soll laut Angaben der "Sun" von der IVF-Klinik in bezahlt worden sein, da der Erfolg eine historische Leistung markieren würde.

"Sowohl der Mutter als auch den Babys geht es gut. Zehn Ärzte haben neun Monate lang gearbeitet, um ihre Gesundheit im Auge zu behalten. Dies ist ein medizinisches Wunder", so Dr. Umasankar zur "Times of India". Das Sperma, das für die Befruchtung verwendet wurde, soll laut Angaben der Sun von ihrem 80-jährigen Ehemann stammen.

Und auch die frischgebackenen Eltern sind überglücklich: "Es ist der Gnade Gottes und der Ärzte zu verdanken, dass ich jetzt stolzer Vater von zwei kleinen Mädchen bin", so der stolze Vater zur "Times of India".

Wie funktioniert eine In-vitro-Fertilisation?

Die IVF-Methode ist eine Befruchtung im Reagenzglas. Diese wird vor allem dann angewandt, wenn die Frau Probleme mit der Fruchtbarkeit hat. Dabei werden ihr zunächst Hormonpräparate verabreicht, um die Eizellreifung anzuregen.

Sind die Eizellen genügend gereift, werden sie abgesaugt und in einem Reagenzglas mit dem Samen des Mannes zusammengebracht. Hierbei wird nicht nachgeholfen - das Ei wird sozusagen natürlich befruchtet. Die Qualität des Spermiums spielt demnach eine große Rolle.

Die daraus entstehenden Embryonen wachsen zunächst in einem Brutschrank heran, bis ihre Qualität feststellbar ist. Spätestens fünf Tage nach der Befruchtung werden sie der Frau in die Gebärmutter eingesetzt. Nach zwei Wochen kann dann festgestellt werden, ob die Befruchtung geglückt ist. Die Wahrscheinlichkeit, durch In-Vitro-Fertilisation schwanger zu werden, liegt zwischen 20 und 40 Prozent.