„Es ist einfach wirklich schwer auszuhalten”RTL-Moderatorin Mareile Höppner zeigt, wie man sich gegen Deepfake-Pornos zur Wehr setzt

RTL-Moderatorin Mareile Höppner und Jung Quan vom Verifizierungsteam zeigen, was man als Betroffene aktuell gegen Deepfake Pornos unternehmen kann
RTL-Moderatorin Mareile Höppner und Jung Quan vom Verifizierungsteam zeigen, was man als Betroffene aktuell gegen Deepfake-Pornos unternehmen kann.
RTL
von Lina Schäfer und Anke Jonschker

Gemeinsam gegen die Täter!
Es ist Mareile Höppner selbst bereits mehrfach passiert: Unbekannte bedienen sich an ihren auf Instagram geposteten Fotos. Mittels KI verändern sie die Bilder zu pornografischen Inhalten. Zusammen mit Jung Quan, RTL-Verifizierungs-Expertin, zeigt sie, dass sich der Kampf dagegen lohnt.

Deepfakes sehen täuschend echt aus

Eigentlich wollte sie die Bilder und Videos nie wieder sehen. Doch um betroffenen Zuschauerinnen einen Weg zu zeigen, wie sie sich gegen Deepfakes wehren können, sieht sich Extra-Moderatorin Mareile Höppner (48) ein paar der von ihr kursierenden Bilder und Videos noch einmal an. Sie sehen täuschend echt aus. Jung Quan sagt: „Ich habe mir die Seiten mal genauer angeschaut, wo solche Inhalte landen. Das sind einschlägige Pornoseiten oder Foren, die bestimmte Communitys und Bedürfnisse ansprechen.”

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Für Mareile Höppner erklären diese KI-generierten Bilder, „warum ich immer mal wieder Zuschriften bekomme, wo Menschen – und das sind vornehmlich Männer – denken, dass sie mit mir in Kontakt stehen und auch eine persönliche Verbindung empfinden.” Und es sei einfach erschreckend, wie einfach man mithilfe von KI Bilder manipulieren kann. Sie teilt gern private Schnappschüsse von sich auf Instagram und will sich das auch nicht nehmen lassen: „Sonst würde ich wahrscheinlich überhaupt keinen Spaß mehr haben, irgendwas zu teilen.”

Mareile Höppner: „Ich finde es brutal”

Jung Quan hat sich auf die Spur des Users begeben, der die widerlichen Inhalte von Mareile eingestellt hat. Aber auch sie als Profi kommt schnell an ihre Grenzen: „Bei einigen Profilen kann man Angaben zum Alter finden, zum Geschlecht, aber auch zum vermeintlichen Aufenthaltsort dieser Täter.” Leider sei es auch sehr einfach, solche Angaben zu fälschen. „Sie verschleiern ihre wahre Identität hinter Accounts und wenn es da keine konkreten Hinweise gibt, wie zum Beispiel Telefon-IP-Adressen oder konkrete Handynummern oder eine E-Mail-Adresse, ist es sehr, sehr schwierig, die Person zu identifizieren.”

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Mareile Höppner hat zu den Fake-Inhalten eine ganz klare Meinung: „Ich finde es brutal. Es ist Missbrauch und es müsste unter Strafe stehen. Dass das einfach so geht, ist ein Wahnsinn.” Zusammen mit Jung Quan geht sie den Schritt, den Betroffene auch gehen sollten: Die beiden Frauen beantragen die Entfernung der rechtswidrigen Inhalte von Mareile. Bei Google funktioniert es über diesen Link.

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Einen negativen Aspekt hat die Beantragung. erkärt Jung Quan: „Das bedeutet gleichzeitig, dass man sich die Inhalte anschauen muss.” Für viele Betroffene ist das zu viel. Die Expertin empfiehlt, eine Vertrauensperson hinzuzuziehen, die die Links und Inhalte sammelt, um danach die Löschung zu beantragen. Für die Extra-Moderatorin steht fest: „Man macht es denen, die sich schützen wollen, wahnsinnig schwer. Und die, die Missbrauch betreiben, haben es wahnsinnig leicht. Das ist ehrlich gesagt meine erschreckende Erkenntnis bei alledem.”

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Es brauchte erst einen Skandal, damit Gesetze geschaffen werden

Mareile Höppner fordert, dass in Deutschland bald Grundlagen geschaffen werden, damit Täter endlich Konsequenzen zu spüren bekommen: „Es ist unvorstellbar, wenn man sich das anschaut, dass das so ein rechtsfreier Raum ist. Es ist unvorstellbar, dass das nicht alles viel härter geahndet wird, viel härter bestraft.” Derzeit haben Deepfake-Ersteller nur wenig zu befürchten. Bundesjustizministerin Hubig (SPD) will sich dafür einsetzen, dass Betroffene stärker geschützt und pornografische Deepfakes unter Strafe gestellt werden.

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„Ich bin sehr erstaunt, dass es erst diesen furchtbaren Skandal um Collien brauchte. Dass jetzt darüber nachgedacht wird, ob wir Gesetze brauchen. Ja, wir brauchen sie. Und zwar dringend und ganz, ganz schnell”, sagt Mareile Höppner. „Wenn ich mir vorstelle, dass das jemandem passiert, der nicht 30 Jahre in diesem Job ist [...] wer das nicht kennt, den haut das komplett um. Es ist einfach wirklich schwer auszuhalten.”

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Nach der Spiegel-Berichterstattung meldete sich Christian Ulmens Anwalt zu Wort. Prof. Dr. Christian Schertz vertritt die presserechtlichen Interessen des Schauspielers. Er teilte mit: „Die Berichterstattung ist nach summarischer Überprüfung aus mehreren Gründen rechtswidrig. Wir sind daher auch beauftragt, gegen den Spiegel rechtliche Schritte einzuleiten. Es handelt sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Zum anderen werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet. Wir bitten daher unbedingt, die Persönlichkeitsrechte von Herrn Ulmen zu beachten und von einer Übernahme einseitiger Vorwürfe Abstand zu nehmen.” Eine RTL-Anfrage ließ Rechtsanwalt Prof. Dr. Schertz zunächst unbeantwortet. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche