Medikament und Partydroge zugleichTod wegen Überdosis? Warum Presley Gerber mit Ketamin behandelt wurde

Presley Gerber bei einem Auftritt in diesem Jahr.
Presley Gerber bei einem Auftritt in diesem Jahr.
imago/Avalon.red / Xavier Collin
von Martina Lewinski

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Widerspruch.
Presley Gerber (†27) kämpfte offen mit psychischen Problemen und Sucht. Trotzdem soll der Sohn von Cindy Crawford von einem Arzt Ketamin bekommen haben – einen Wirkstoff, der auch als Partydroge missbraucht wird und selbst abhängig machen kann. Warum also wird ausgerechnet ein solcher Stoff medizinisch eingesetzt? Und was wissen wir überhaupt über Presleys Behandlung?

Presley Gerbers Todesursache steht noch nicht fest

Presley starb am 20. September im Alter von nur 27 Jahren in einer Reha-Einrichtung im kalifornischen Santa Monica. Die Polizei untersucht seinen Tod als mutmaßliche Überdosis. Eine Obduktion wurde bereits durchgeführt, doch für die endgültige Todesursache sind weitere Untersuchungen nötig. Das Ergebnis kann laut Gerichtsmedizin noch Monate dauern.

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Ob Ketamin bei Presleys Tod überhaupt eine Rolle spielte, ist bislang nicht bekannt. Der 27-Jährige hatte allerdings selbst öffentlich über seine psychischen Probleme und seinen Umgang mit verschiedenen Substanzen gesprochen – darunter auch Ketamin.

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Was ist Ketamin überhaupt?

Ketamin klingt zunächst nach Partydroge, ist ursprünglich aber ein Narkosemittel. Es wird seit Jahrzehnten beispielsweise bei Operationen eingesetzt. Der Wirkstoff verändert unter anderem Wahrnehmung und Bewusstsein. Genau diese Effekte sorgen allerdings auch dafür, dass Ketamin außerhalb der Medizin als Rauschmittel konsumiert wird. Es besitzt Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial.

In den USA ist Ketamin deshalb eine kontrollierte Substanz. Die Arzneimittelbehörde FDA hat Ketamin als Narkosemittel zugelassen – nicht als Medikament gegen psychische Erkrankungen. Ärzte können es in bestimmten Fällen dennoch außerhalb der eigentlichen Zulassung einsetzen.

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Warum wird Ketamin bei Depressionen eingesetzt?

Hier liegt der entscheidende Punkt: Ketamin kann bei bestimmten Menschen mit schweren Depressionen sehr schnell wirken. Vor allem wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben, kann der Wirkstoff deshalb für Ärzte interessant sein.

Eng mit Ketamin verwandt ist Esketamin. Der Wirkstoff wird in den USA als Nasenspray bei bestimmten schweren Depressionen eingesetzt – etwa wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben. Weil dabei Nebenwirkungen auftreten können und auch ein Missbrauchsrisiko besteht, findet die Anwendung unter medizinischer Aufsicht statt.

Hilfe bei Problemen mit Drogen oder Alkohol

Habt ihr selbst oder Menschen, die euch nahestehen, Probleme mit Alkohol oder Drogen? Unter der Telefonnummer 01806 – 313 031 oder unter www.sucht-und-drogen-hotline.de findet ihr Hilfe. 

Der entscheidende Punkt: Ketamin ist nicht einfach nur eine Partydroge. Es ist ursprünglich ein Medikament, das seit Jahrzehnten in der Medizin eingesetzt wird. Gleichzeitig kann es wegen seiner berauschenden Wirkung missbraucht werden. Ob Ketamin hilft oder gefährlich wird, hängt deshalb entscheidend davon ab, wie, in welcher Dosis und unter welcher Kontrolle es eingesetzt wird.

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Wie ist das in Deutschland?

In Deutschland ist Ketamin als Medikament zugelassen – allerdings nicht zur Behandlung von Depressionen. Es wird regulär vor allem als Narkose- und Schmerzmittel eingesetzt.

Bei Depressionen können Ärzte Ketamin trotzdem in bestimmten Fällen einsetzen. Das nennt man „Off-Label-Use“: Der Wirkstoff ist zwar als Medikament zugelassen, wird aber gegen eine Erkrankung eingesetzt, für die er offiziell keine Zulassung hat. Bei Ketamin wäre das beispielsweise die Behandlung einer schweren Depression.

Anders ist es beim eng verwandten Wirkstoff Esketamin. Das Nasenspray Spravato hat eine Zulassung für bestimmte Formen schwer behandelbarer Depressionen. Wird es bei diesen Patienten eingesetzt, handelt es sich also nicht um einen Off-Label-Einsatz, sondern um eine offiziell zugelassene Behandlung.

Hier findet ihr Hilfe bei Depressionen

Solltet ihr selbst von depressiven Gedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Hilfe findet ihr auch unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 33 44 533 oder im Internet unter www.deutsche-depressionshilfe.de.

Warum bekam Presley trotz seiner Vorgeschichte Ketamin?

Genau diese Frage sorgt nach Presleys Tod für Diskussionen. Denn bei Menschen, die bereits Probleme mit Drogen oder anderen Substanzen hatten, muss beim Einsatz von Ketamin besonders sorgfältig abgewogen werden. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine solche Behandlung ausgeschlossen ist. Entscheidend ist, ob Ärzte den möglichen Nutzen höher einschätzen als die Risiken und wie eng die Behandlung medizinisch begleitet wird.

Laut TMZ soll Presley Ketamin von einem Arzt erhalten haben. Menschen aus seinem Umfeld kritisieren dem Bericht zufolge, dass der Wirkstoff trotz seiner Vorgeschichte eingesetzt worden sei.

Was wir allerdings nicht wissen: Warum sich Presleys Arzt für Ketamin entschied, welche Dosis er bekam und wie die Behandlung überwacht wurde. Deshalb lässt sich bislang auch nicht beurteilen, ob der Einsatz in seinem konkreten Fall medizinisch angemessen war.

Jetzt müssen die Untersuchungen Klarheit bringen

Bei Presley Gerber ist bislang nicht bekannt, welche Substanzen sich zum Zeitpunkt seines Todes in seinem Körper befanden. Ob Ketamin überhaupt eine Rolle spielte, müssen deshalb erst die weiteren Untersuchungen zeigen.

Sein Fall rückt den Wirkstoff dennoch in den Fokus – und zeigt, warum bei Ketamin genau hingeschaut werden muss. Medizinisch eingesetzt kann es bestimmten Patienten helfen. Gleichzeitig kann der Wirkstoff missbraucht werden und birgt entsprechende Risiken.

Verwendete Quellen: AP, People, FDA, TMZ , BfArM