Praxen am Limit - Arbeitsplätze bedrohtSparmaßnahmen der Bundesregierung – drohen bald längere Wartezeiten und weniger Leistungen beim Arzt?

von Vanessa Brodka

Langes Warten bei Arzt kennen wir alle. Und vielleicht brauchen wir bald noch mehr Geduld. Die Bundesregierung plant eine Reform, um gesetzliche Krankenkassen zu entlasten. Doch das könnten zu Kürzungen bei den Behandlungen führen.

Sparen beim Arzt?

Benita Herrmann leidet an starken Rückenschmerzen. Deshalb ist sie Patientin in der Hausarztpraxis in Neuss. Schmerzhaft könnte für sie bald auch die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung werden. Dadurch könnten Leistungen wegfallen, Wartezeiten länger und Behandlungen teurer werden - zum Beispiel Zahnersatz. Sie hat Angst, dass die Qualität der Behandlung nachlassen könnte.

Praxen sind schon jetzt am Limit

Schon jetzt fehlen einigen Praxen Geld und sie ersticken in Bürokratie, sagt Dr. Samina Rasch. Ihr gehört die Praxis in Neuss. Bald gehen auch noch viele Kollegen in Rente. Medizinstudenten verschlägt es ins Ausland, unter anderem wegen besserer Bezahlung und vielleicht auch wegen der Aussichten. Gehälter für Ärzte und Krankenhäuser könnten bald langsamer steigen, so will es das sogenannten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. GKV steht für gesetzliche Krankenversicherung.

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Darum plant die Bundesregierung das Gesetz

Das Ziel von Schwarz-Rot: Die Krankenkassenbeiträge sollen nicht weiter steigen - nur für Besserverdiener. Also, wer etwa 70.000 Euro brutto im Jahr verdient. Das Ganze soll die Versicherungen entlasten, denn sie stehen unter Druck. Ausgaben für Pflege und Medikamente steigen. Dazu kommt: von dem Gesundheitssystem profitieren auch viele, die gar nicht oder nur wenig einzahlen. Allein durch Bürgergeldempfänger entsteht eine Lücke von zwölf Milliarden Euro pro Jahr, heißt es am Dienstag (02.06.) bei einem Pressegespräch in Düsseldorf. Der Vorstandsvorsitzende der kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein Frank Bergmann warnt außerdem: Wenn Praxen sparen müssen, stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Den Krankenkassenbeitrag teilen sich übrigens Arbeitgeber und -nehmer. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumman (CDU) sieht Verbesserungsbedarf. Auf RTL WEST Anfrage heißt es: „Es ist für mich […] nicht gerecht, dass Versicherte und Leistungserbringer zusätzlich belastet werden, während der Bund seinen Verpflichtungen nicht ausreichend nachkommt.” Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) äußert sich zu den Plänen auf RTL WEST Anfrage nicht. Die erste Lesung zu dem Gesetzentwurf im Bundestag ist am 12.06.