Gewerkschaft kritisiert BildungswesenSchulstart in NRW - Lehrermangel bleibt die größte Baustelle

von Stefan Efferth

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW nutzt den Schuljahresstart für eine Grundsatzkritik am Zustand der Bildung im Land. Landesvorsitzende Ayla Çelik fordert nicht noch mehr Einzelmaßnahmen, sondern eine langfristige Bildungsstrategie mit verlässlicher Finanzierung, besserer Personalplanung und klaren Zuständigkeiten.

Bildung braucht Planung

Zum Beginn des neuen Schuljahres hat die GEW NRW die Landesregierung zu einem Kurswechsel aufgefordert. Nach Ansicht der Gewerkschaft reicht es nicht, immer neue Programme und Projekte aufzulegen. Entscheidend sei, was am Ende bei den Kindern und den Beschäftigten vor Ort ankomme. Çelik sagte, es sei höchste Zeit, „nicht mehr nur über kurzfristige Programme und immer neue Einzelmaßnahmen zu sprechen, sondern über deren Wirkung“. Die GEW verlange deshalb eine andere Logik: weg von der Reaktion, hin zu langfristiger Gestaltung. Dazu gehörten eine verlässliche Finanzierung, eine langfristige Personalplanung, gute Ausbildung, attraktive Arbeitsplätze und starke multiprofessionelle Teams.

Zehnjahresplan gefordert

Kernforderung der Gewerkschaft ist ein über die Legislaturperioden hinausgehender „10-Jahres-Plan Gute Bildung NRW“. Dieser solle Planungssicherheit schaffen, die Bildungsfinanzierung dauerhaft stärken und eine Verantwortungsgemeinschaft von Bund, Land und Kommunen organisieren. Die GEW erkennt zugleich an, dass in den vergangenen Jahren wichtige Schritte angestoßen worden seien. Nach ihrer Darstellung reiche das aber nicht aus, um die grundlegenden Probleme im Alltag der Schulen zu lösen.

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Ganztag und Infrastruktur

Besonders deutlich wird die GEW beim Ganztag. Die traditionelle Trennung zwischen inneren und äußeren Schulangelegenheiten werde der Realität von Schulen heute nicht mehr gerecht, heißt es in dem Statement. Gebäude, Ganztagsräume und digitale Infrastruktur seien unmittelbar mit der pädagogischen Qualität verbunden. „Pädagogische Qualität endet schließlich nicht dort, wo kommunale Zuständigkeit beginnt“, so Çelik. Damit richtet sich die Kritik auch gegen ein System, in dem Schulen zwar neue Anforderungen erfüllen sollen, die nötigen Rahmenbedingungen aber oft bei anderen Ebenen liegen.

Schule als demokratischer Ort

Die GEW versteht Bildungseinrichtungen zudem als zentrale Orte der Demokratie. In Schulen und Kitas werde nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Teilhabe, Verantwortung und der Umgang mit Vielfalt gelernt. Daraus leitet die Gewerkschaft eine politische Konsequenz ab: Demokratie stärken gehe nur über die Stärkung der Bildungseinrichtungen. Davon hingen nicht nur die Zukunft der Kinder und Jugendlichen ab, sondern auch die Zukunft der Gesellschaft.

Schulalltag in Köln

Ein Blick in die Praxis zeigt, worauf die GEW ihre Kritik stützt. An der Gustav-Heinemann-Hauptschule in Köln-Chorweiler beginnt das Schuljahr mit zusätzlichen Belastungen: Das Kollegium bereitet sich auf neue Förder- und Dokumentationsaufgaben vor, während die sozialen Probleme im Umfeld der Kinder weiter bestehen. Der Schulleiter verweist darauf, dass solche Programme nur dann wirken, wenn die Schulen dafür auch Zeit und Personal bekommen. Die GEW will genau das zum Thema machen: Nicht die nächste Ankündigung, sondern verlässliche Strukturen sollen den Ausschlag geben. Nach Auffassung der Gewerkschaft entscheidet sich Bildungsgerechtigkeit nicht in Leitbildern, sondern im Alltag der Schulen.