Auf alles vorbereitet sein …Schlangen-Workshop für Feuerwehrleute – Einsatzkräfte lernen Umgang mit exotischen Haustieren

von Stefan Efferth

Schlangen gehören nicht zum Alltag der Feuerwehr. Doch wenn exotische Haustiere ausbüxen oder ausgesetzt werden, müssen auch Einsatzkräfte wissen, wie sie reagieren. Im Kreis Lippe lernen freiwillige Feuerwehrleute deshalb bei einem Workshop den sicheren Umgang mit den Reptilien – und dürfen selbst eine Schlange anfassen.

Erste Berührung mit einer Schlange

Königspython Thor ist 17 Jahre alt, frisst Mäuse und tötet sie durch Erdrücken. Giftzähne hat die Würgeschlange nicht. Trotzdem sorgt sie bei Freiwilligen Feuerwehrleuten in Dörentrup (Kreis Lippe) zunächst für Nervosität – und soll ihnen künftig im Ernstfall helfen. Beim Fortbildungsseminar lernen die Einsatzkräfte zuerst einen deutlich kleineren Verwandten von Thor kennen: ein Baby-Python. Für manche ist schon das eine Überwindung. „Ich habe noch nie eine Schlange gehabt und bin eigentlich eher abgeneigt davon“, sagt Marcel Kunze, im Hauptberuf Verfahrensmechaniker. Nach dem ersten Anfassen sei es „doch nicht so schlimm“ gewesen. Auch Heike Lalk, die sonst als Schulbegleiterin arbeitet, ist überrascht: Die Schlange fühle sich weich an – und nicht kalt, wie erwartet. Ziel des Kurses ist es, Berührungsängste abzubauen. Wenn eine Schlange ausbüxt oder Bürger ein exotisches Tier entdecken, rufen sie oft zuerst die Feuerwehr.

Wissen für den Ernstfall

Hinter dem Seminar stehen Megan und Christian Scholz aus Bad Salzuflen. Beide sind Rettungssanitäter, Schlangen sind ihr gemeinsames Hobby. Sie vermitteln Grundwissen: Welche Arten gibt es? Welche sind giftig? Woran lässt sich das erkennen? „Die Tendenz geht zu einer giftigen – Abstand halten, absperren“, erklärt Christian Scholz, der selbst Feuerwehrmann ist. Im besten Fall könne die Feuerwehr das Tier sicher in eine Kiste bringen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Bis Spezialisten kommen, sei das Tier dann gesichert. Viele aufgefundene Exoten sind ausgesetzt worden oder ihren Besitzern entlaufen. Oft wollen die Halter sie danach nicht zurückhaben.

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Wohnung wird Auffangstation

In Ostwestfalen rufen Einsatzkräfte inzwischen die Scholzens. Das Ehepaar holt Schlangen und andere Tiere ab und nimmt sie vorübergehend mit nach Hause. Ihre Wohnung ist zugleich eine Auffangstation für exotische Tiere: Schlangen, Chamäleons, Vogelspinnen und Frösche – manche giftig, manche nicht. „Wir wollen den Tieren eine Stimme geben“, sagen Megan und Christian Scholz. Viele Reptilien würden einfach ausgesetzt. Sie wollen sie auffangen, pflegen und später in geeignete Hände vermitteln. Nicht jedes Tier findet ein neues Zuhause. Manche bleiben dauerhaft bei dem Paar – etwa eine ältere Schlange, die nachts in Dortmund abgeholt wurde. Sie dient nun auch als Ausbildungstier. Bei einer Vermittlung prüfen die Scholzens genau, ob Interessenten wirklich Erfahrung mit dem jeweiligen Tier haben. „Wir wollen damit kein Geld verdienen“, betont Christian Scholz. „Es geht wirklich nur um das Wohl der Tiere.“ Dankbarkeit wie von einem Hund gibt es von einer Schlange zwar nicht. Geduld und Gelassenheit offenbar schon.