Korruption hinter Gittern?Razzia in JVA Rheinbach: Gefängnismitarbeiter sollen Drogen und Handys in Zellen geschmuggelt haben
Handys, Drogen, Bestechung und das von innen heraus: In der Justizvollzugsanstalt Rheinbach hat die Polizei Bonn am Dienstagmorgen (14.07.) eine Razzia durchgeführt. Der Verdacht: Mehrere Gefängnismitarbeiter sollen gegen Bezahlung verbotene Gegenstände in den Vollzug geschmuggelt haben.
Acht Bedienstete im Visier der Ermittler
Ermittelt wird gegen insgesamt acht Justizbedienstete: fünf Männer und drei Frauen. Ihnen wird vorgeworfen, Mobiltelefone und Betäubungsmittel gegen Bezahlung in die JVA gebracht und dort Häftlingen überlassen zu haben. Die Schmuggelware soll den Beamten dabei außerhalb der Anstalt übergeben worden sein, mutmaßlich von Angehörigen oder Freunden der Inhaftierten. Neben den Bediensteten stehen auch aktuelle und ehemalige Häftlinge im Fokus der Ermittlungen.
Durchsuchungen in mehreren Städten und Bundesländern
Im Rahmen der Razzia vollstreckte die Polizei gleich mehrere Durchsuchungsbeschlüsse: in der JVA selbst sowie in Privatwohnungen in Rheinbach, Köln, Euskirchen und Siegburg. Die Ermittlungen reichen bis nach Rheinland-Pfalz: Auch in den Landkreisen Mayen-Koblenz und Neuwied wurden Objekte durchsucht. Gesucht wurde in erster Linie nach Beweismitteln: Datenträgern, Mobiltelefonen, Laptops, Festplatten und Unterlagen, die für das Verfahren relevant sein könnten.
Schon Anfang Mai: Razzia in der JVA Euskirchen
Es ist nicht das erste Mal, dass Korruptionsverdacht eine NRW-Justizvollzugsanstalt erschüttert. Bereits Anfang Mai gab es eine Razzia in der JVA Euskirchen. Dort sollen Beamte regelrechte Bestechungs-Abos verkauft haben: Im Gegenzug wurden Häftlinge vor Kontrollen gewarnt. Besonders aufsehenerregend: Ein Clan-Chef aus Leverkusen wurde abends in seinem Rolls Royce geblitzt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt eigentlich in seiner Zelle hätte sitzen sollen.
Minister Limbach ordnet sofortige Taschenkontrollen an
Nach der Razzia in Euskirchen hatte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) Konsequenzen versprochen. Seitdem werden unter anderem Gefangene aus dem Bereich der organisierten Kriminalität verschärft überprüft und der Zugang zum offenen Vollzug erschwert. Offenbar reichte das nicht aus. Als Reaktion auf die Razzia in Rheinbach ordnete Limbach als weitere Sofortmaßnahme an, dass ab sofort an allen NRW-Standorten Taschenkontrollen bei den Bediensteten durchgeführt werden. Auf Fragen zu möglichen Rücktrittsforderungen antwortete der Minister nicht direkt, sprach aber von Aufklärung und Konsequenzen. Ob er damit auch persönliche meint, ließ er offen.
































