Wenn die Fahrt zur Sauna wird …Neue Straßenbahnen ohne Klimaanlage – Dortmund wollte Geld sparen

von Julian Schlauch

Es ist Sommer und NRW schwitzt. Mit Klimaanlage ist es noch einigermaßen auszuhalten - vor allem in Bussen und Bahnen. Die Dortmunder Stadtwerke haben neue Stadtbahnen angeschafft, aber ohne Klimaanlagen. Wie die Verantwortlichen das erklären.

Wärmer als draußen

Mehr als 30 Grad Innentemperatur sind in den Straßenbahnen in Dortmund an heißen Tagen keine Seltenheit. Der Betreiber, die Dortmunder Stadtwerke DSW21, hat sich trotzdem gegen Klimaanlagen entschieden. Der Kauf von 34 neuen Bahnen wurden 2014 beschlossen, 64 alte sollten modernisiert werden. Kosten: rund 250 Millionen Euro. Mit Klimaanlagen wäre das Ganze etwa 70 Millionen Euro teurer gewesen. Zu teuer fanden die Verantwortlichen damals. Eine Fehlentscheidung, findet der stellvertretende Oberbürgermeister Norbert Schilff mittlerweile.

Nicht kompatibel

Alte Bahnen mit neuen Geräten aufzurüsten, sei zu aufwändig. Außerdem wären die neuen Klimaanlagen für die alten Bahnen zu schwer gewesen. In den neuen Modellen sollte zudem mehr Platz für zum Beispiel Rollstuhlfahrer oder Fahrräder sein. So sollten mehr Menschen für den ÖPNV begeistert werden. Grundsätzlich gut, findet Stadtratsmitglied Leander Schreyer (Grünen). Auch seine Fraktion hatte damals gegen die Klimaanlagen gestimmt. Das würde er aber nicht noch mal machen. Heute findet er, dass es ohne Klimaanlage in einer Straßenbahn unerträglich ist.

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Problem nicht nur auf der Schiene

Immer mehr Menschen haben zuhause eine Klimaanlage, fast alle Autos haben eine. In unseren Schulen, Krankenhäusern oder öffentlichen Gebäuden sieht es anders aus. Sie werden immer noch häufig ohne Klimaanlage geplant. Jüngstes Beispiel: Das neue Zentrum für Nuklearmedizin in Essen. Häufiges Argument: Energie sparen. Dabei gibt es in NRW mittlerweile mehr als 1,1 Millionen Photovoltaikanlagen, Tendenz steigend. Sie produzieren Strom, wenn die Sonne scheint und Kühlung gebraucht wird. Bei den Dortmunder Stadtbahnen wird trotzdem ähnlich begründet: Ohne Klimaanlagen in den Bahnen ließen sich angeblich sieben Millionen kw/h pro Jahr einsparen. Außerdem heißt es vom Betreiber: „Eine Klimaanlage bringt ihren größten Komfortgewinn nur an einigen wenigen, sehr heißen Tagen im Jahr. Und selbst dann ist die Wirkung aufgrund der Tatsache begrenzt, dass die Türen alle 60-90 Sekunden aufgehen und warme Luft reinlassen sowie Menschen Wärme abstrahlen.“ Die DSW21 versuchen jetzt, die Temperaturen in den Bahnen mit Fensterfolie erträglicher zu machen. Die Dortmunder werden wohl weiter selbst einen kühlen Kopf bewahren müssen.