Kölns berühmter Fiesta macht den AbflugNach 35 Jahren bekommt der „Goldene Vogel“ ein neues Nest

von Rogatus Skanta

Nach 35 Jahren ist das sogenannte „Flügelauto“ des Aktionskünstlers HA Schult von seinem Stammplatz auf dem Kölner Zeughausturm abgehoben. Das vier Tonnen schwere Kunstwerk – ein umgebauter Ford Fiesta mit zwei jeweils 800 Kilogramm schweren Flügeln – wurde am Donnerstagabend (13.08.) mit einem Kran vom Gebäude gehoben. Grund für den Abbau sind Risse und statische Bedenken am denkmalgeschützten Zeughaus. Die Stadt Köln hatte deshalb schon im vergangenen Jahr angeordnet, die Skulptur zu entfernen. HA Schult wehrte sich vor dem Landgericht Köln dagegen, konnte den Abbau jedoch nicht verhindern. Der Künstler kritisierte, der Zustand des Gebäudes sei deutlich schlechter als der seines Kunstwerks.

Vom Streitobjekt zum Kölner Wahrzeichen

Schon kurz nach seiner Installation auf dem Zeughausturm am 25. April 1991 sorgte das Flügelauto für Streit. Der damalige Kölner Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes, dessen Amtssitz direkt gegenüber lag, wollte die Skulptur wieder entfernen lassen. Seine Begründung: Das Kunstwerk sei ohne Genehmigung auf dem denkmalgeschützten Gebäude aufgestellt worden. Die Auseinandersetzung zog sich über Jahre hin. 2013 entschied der damalige Oberbürgermeister Jürgen Roters schließlich, dass das Kunstwerk auf dem Zeughaus bleiben darf. Nach einer Restaurierung bei Ford ging er sogar davon aus, dass der „Goldene Vogel“ dauerhaft dort seinen Platz behalten würde. Matthias Hamann, Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, sieht in dem Zoff ein Stück Kölner Stadtgeschichte und einen Ausdruck der besonderen Streitkultur der Domstadt. Das Flügelauto gehört dem Förderverein „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e.V.“ und ist dem Museum als Dauerleihgabe überlassen.

Flügelauto kehrt zu Ford zurück

Bevor der „Goldene Vogel“ sein neues Nest beziehen kann, wird er zunächst restauriert. Dafür geht es ins Kölner Ford-Werk. An den Ort, an dem das ursprüngliche Modell früher vom Band lief. Mehr als elf Millionen Ford Fiesta wurden in Köln produziert. Für die Beschäftigten hat die Rückkehr des besonderen Fiesta deshalb auch eine symbolische Bedeutung. Betriebsratsvorsitzender Benjamin Gruschka verbindet die Restaurierung mit der Hoffnung auf bessere Zeiten für die krisengeschüttelten Kölner Ford-Werke. Auf den Zeughausturm wird das Flügelauto nach der Restaurierung allerdings nicht zurückkehren. Voraussichtlich Anfang 2027 soll der „Goldene Vogel“ einen neuen Platz auf dem Turm des Kölner Maritim-Hotels bekommen. Nach 35 Jahren über dem Zeughaus beginnt für eines der auffälligsten Kunstwerke Kölns damit ein neues Kapitel.