Frau „wie Sklavin gehalten“Misshandelt und gefoltert? Prozessauftakt nach mutmaßlicher monatelanger Gefangenschaft
Vier Männer sind angeklagt, weil sie eine Frau in Soest misshandelt und gefangen gehalten haben sollen. Am Montag (12.10.) hat der Prozess am Landgericht Arnsberg begonnen.
Zwei Minderjährige mitangeklagt
Mehr als drei Monate soll der Albtraum einer 33-jährigen Frau gedauert haben: In einem Haus in Soest soll sie immer wieder geschlagen, gefoltert, erniedrigt und vergewaltigt worden sein. Gegen vier Beschuldigte hat am Montag (12.10.) der Prozess am Landgericht Arnsberg begonnen. Zwei der Angeklagten sind noch minderjährig: 16 und 17 Jahre alt. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung vor. Den beiden erwachsenen Angeklagten wird zusätzlich Vergewaltigung vorgeworfen. Zudem haben sie offenbar mit Cannabis gehandelt. Im Juli vergangenen Jahres soll die damals obdachlose Frau Männern begegnet sein, die kurz zuvor in ein Reihenhaus in Soest eingezogen waren. Sie brauchte offenbar einen Schlafplatz. Doch statt Hilfe soll sie über Monate hinweg festgehalten, gefoltert und sexuell missbraucht worden sein.
Frau soll „wie eine Sklavin gehalten“ worden sein
Laut Staatsanwaltschaft soll die Frau unter anderem gezwungen worden sein, nackt zu tanzen. Der Hauptangeklagte soll sie im Keller nackt in einer Dusche mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt und an einem Balken aufgehängt haben - so, dass sie nur noch mit den Fußspitzen den Boden berührte. Bei kalten Temperaturen soll sie dabei eine Unterkühlung erlitten haben. Immer wieder kam es zu sexuellen Übergriffen. Monatelang soll niemand von dem Grauen hinter den Hausmauern erfahren haben. Dass die Frau befreit wurde, ist möglicherweise einem Zufall zu verdanken: Anfang November vergangenen Jahres entdeckte ein Nachbar die 33-Jährige nackt und gefesselt an der Terrasse. „Auf Zehenspitzen hing sie und anscheinend hatte sie keine Klamotten an. Man konnte von hier aus wirklich nur die Arme sehen und teilweise ein bisschen den Kopf. Und wie sie sich ein bisschen bewegt hat“, erinnert sich Steven Kürschner.
Speicherstick liefert neue Erkenntnisse
Die Ermittler haben inzwischen einen Speicherstick gefunden, auf dem weitere Taten dokumentiert sein sollen. Seitdem wird gegen weitere Verdächtige ermittelt. Auch die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Ihr wird vorgeworfen, selbst als Täterin an Körperverletzungs- und Nötigungshandlungen beteiligt gewesen zu sein – nicht nur, wie zunächst angenommen, als Gehilfin. Beim Auftakt des Prozesses am Landgericht Arnsberg wurde zunächst nur die Anklage verlesen. Zu Geständnissen kam es nicht. Ein Urteil soll Mitte Dezember fallen.

































