Versorger droht das Wasser zu kappenMiet-Ärger in Hückeswagen: Nebenkosten offenbar nicht weitergeleitet

von Julia Westarp, Maximilian Edelmann, Emily Massenberg und Stefan Efferth

In einer Wohnsiedlung in Hückeswagen herrschte tagelang große Angst. Am Dienstag (19.5.) sollten das Wasser in den Wohnungen und der Strom in den Treppenhäusern abgeschaltet werden. Für viele Bewohner wäre das eine Katastrophe gewesen.

Wohl Schulden bei den Versorgern

Der Grund: Der neue Eigentümer der Häuser soll hohe Schulden bei den Versorgern haben. Nach Angaben der Bergische Energie- und Wasser GmbH (BEW) geht es um offene Forderungen in fast sechsstelliger Höhe. Für die Mieter kam die Nachricht per Aushang im Hausflur. Viele waren schockiert. Die fünffache Mutter Sylvia Rippel lebt seit 17 Jahren in der Siedlung. Ohne Wasser und Strom sei ein normaler Alltag unmöglich, sagt sie. Kochen, Duschen oder die Wäsche waschen – all das wäre kaum noch möglich gewesen.

Zahlung in letzter Minute

Kurz vor dem angekündigten Termin dann die Entwarnung. Wieder hing nur ein kurzer Zettel im Treppenhaus. Die Abschaltung werde zunächst nicht stattfinden: Die BEW erklärte später schriftlich den Grund. Der Eigentümer der Wohnanlage, die NRK Real Estate 77 GmbH, habe erste vereinbarte Teilzahlungen fristgerecht geleistet. Damit scheint die akute Gefahr vorerst gebannt. Gelöst ist das Problem aber offenbar nicht. Der Energieversorger spricht lediglich von „ersten Schritten“ und hofft auf eine langfristige Lösung.

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Schimmel, kaputte Heizungen und offene Fragen

Die Sorgen der Bewohner gehen ohnehin weit über die Nebenkosten hinaus. Viele Wohnungen sind seit Monaten in schlechtem Zustand. Bewohner berichten von kaputten Heizungen, undichten Decken und Schimmel. Von den neuen Eigentümern aus München war vor Ort kaum etwas zu sehen. Für RTL war lediglich ein Name auf einem Briefkasten auffindbar. Der Deutsche Mieterbund Nordrhein-Westfalen e.V. rät betroffenen Mietern dringend dazu, sich rechtlich beraten zu lassen. Eine Mietminderung könne zwar möglich sein. Sie dürfe aber nicht ohne juristische Prüfung erfolgen. Fristen und formale Regeln müssten eingehalten werden. Mieterbund-Geschäftsführerin Judith Turner sagt, viele Unternehmen reagierten erst, wenn finanzieller Druck entstehe. Wenn Mieten ausblieben, würden Vermieter oft aktiv. Unklar bleibt derzeit, warum die Situation in Hückeswagen so eskaliert ist. Es ist offen ist, ob das Eigentümer-Unternehmen seinen Pflichten nicht nachkommen will – oder finanziell dazu nicht mehr in der Lage ist.