Alice Weidel zu Besuch im WestenMartin Vincentz bleibt Vorsitzender der NRW-AfD – knappe Mehrheit auf Parteitag in Marl

von Vanessa Brodka

Am Samstag (07.03.) und Sonntag (08.03.) fand der Landesparteitag der NRW-AfD in Marl statt. Es ging vor allem um die Wahl des Landesvorsitzenden und damit auch um die Frage, ob die Partei in Nordrhein-Westfalen eher gemäßigt bleibt oder ob sie sich radikaler aufstellt. Gegen die Veranstaltung der AfD gab es auch Proteste.

Demo vor Parteitag

Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel (AfD) kam pünktlich in Marl an. Sie besuchte den Parteitag der NRW-AfD. Gegen den gab es auch Proteste. Rund 300 Demonstranten kamen zusammen, angekündigt waren aber mehr als 1.000 Menschen. Einer der Veranstalter war der Deutsche Gewerkschaftsbund Emscher-Lippe. Für Tobias Krupp ist die AfD eine „arbeitnehmerfeindliche“ Partei. Laut Polizei verlief die Demo friedlich. Anders war es beispielsweise beim Bundesparteitag in Essen 2024.

Buh-Rufe bei Rede von Vincentz

In der Halle flogen beim Parteitag aber die Fetzen. Der Vorwurf einiger AfD-Mitglieder: NRW-Chef Martin Vincentz (AfD) stehe nicht hinter der Jugendorganisation. Der Verfassungsschutz stufte die „Generation Deutschland“ vergangenen Freitag (06.03.) als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Vincentz will aber rechtliche Mittel gegen die Einstufung einlegen - genauso wie Alice Weidel. Die Bundesparteichefin aus Gütersloh hielt am Samstag (07.03.) die Eröffnungsrede. Darin kritisierte sie kaputte Straßen, die innere Sicherheit und sie sieht eine Deindustrialisierung in NRW. Um dagegen vorzugehen, will die Politikerin, dass der NRW-Landesverband zusammenhält. Die Worte waren aber offenbar schnell vergessen, als Weidel weg war. Dann wurde erst richtig gestritten. Es war ein Machtkampf auf offener Bühne. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sven Tritschler wollte sogar, dass die Kameras den Raum verlassen. Nur die Journalisten sollten bleiben. Wieder sind waren die Parteimitglieder uneinig. Es wurde abgestimmt: Eine knappe Mehrheit war gegen den Vorschlag.

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Wahl zum AfD-Parteichef in NRW

Der Höhepunkt: die Wahl des neuen Landesvorsitzenden. Sie war auch eine Art Richtungsentscheidung. Auf der einen Seite: der bisherige NRW-Chef Martin Vincentz. Er gilt als vergleichsweise gemäßigt. Auf der Bühne sagte er: „Die Menschen in überwiegender Zahl in Nordrhein-Westfalen wollen nicht irgendwelche Verrückten von rechts.” Die Gegenseite wollte ihn mit einer Doppelspitze stürzen. Doch dafür gab es keine Mehrheit. Gerade Anhänger von Matthias Helferich waren dafür. Ihn hat das Landesschiedsgericht der NRW-AfD die Mitgliedschaft entzogen. Grund sollen Äußerungen sein, die sich nicht mit dem Grundgesetz decken. Der Dortmunder wurde auch vom Landesvorstand vom Parteitag ausgeladen. Für sein Lager trat dann Fabian Jacobi an. Doch er verlor. Knapp 55 Prozent wählten erneut Martin Vincentz. Er sagte kurz danach gegenüber RTL WEST: „Ist natürlich immer schön, Wahlen zu gewinnen. Auf der anderen Seite: Die Mehrheiten sind ja hier im Raum sehr, sehr knapp. Von daher geht es jetzt auch darum, in den nächsten Jahren wieder Vertrauen zu gewinnen, die Partei zusammenzuführen und dann in 2027 auch mit einer geeinten Partei in den Wahlkampf zu starten.” Am 25. April 2026 ist die NRW-Landtagswahl. Vermutlich kein leichter Wahlkampf für Martin Vincentz, denn zweiter Vorsitzender wurde ausgerechnet Christian Zaum. Er gehört eher zum Lager von Höcke und Helferich.