Mutter und Großeltern vor GerichtKind jahrelang eingesperrt – Prozess um isoliertes Mädchen aus Attendorn gestartet
Mehr als sieben Jahre – 2.627 Tage, so lange soll ein Mädchen im Sauerland praktisch von der Außenwelt abgeschnitten gewesen sein. Ihre eigene Mutter soll das Kind in Attendorn (Kreis Olpe) im Haus der Großeltern versteckt und dort großgezogen haben – ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Kindergarten, ohne Schule. Seit Mittwoch (07.01.) stehen die Frau und ihre Eltern vor dem Landgericht in Siegen.
Kindheit ohne Freiheit
Die 49-jährige Angeklagte soll ihre Tochter bewusst isoliert haben, um den Vater von jeglichem Kontakt fernzuhalten. Das erklärte die Pressesprecherin des Landgerichts zum Prozessauftakt. Offiziell hatte sich die Mutter 2015 bei den Behörden abgemeldet und angegeben, mit ihrem Kleinkind nach Italien auszuwandern. Tatsächlich, so die Staatsanwaltschaft, lebten Mutter und Tochter weiter im sauerländischen Wohnhaus der Großeltern – die das Versteckspiel offenbar unterstützten und auch gegenüber dem leiblichen Vater scheinbar aufrechterhielten. Erst 2020 gingen anonyme Hinweise bei den Behörden ein. Zwei Jahre später befreiten Ermittler das damals achtjährige Mädchen.
Folgen der Isolation
„Das Kind konnte lesen, schreiben und rechnen“, berichtet Michael Färber vom Jugendamt des Kreises Olpe damals. Es sei aber schon nach den ersten Untersuchungen aufgefallen, dass vieles ungewohnt war – selbst das Treppensteigen, weil das Kind die Wohnung kaum verlassen hatte. Die jahrelange Isolation habe gravierende Folgen hinterlassen, betonte die Pressesprecherin des Landgerichts. Das Mädchen zeige deutliche Entwicklungsverzögerungen in körperlicher, psychischer und sozialer Hinsicht.
Urteil soll Mitte Februar fallen
Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung vor. Die beiden Großeltern, inzwischen 80 und 83 Jahre alt, müssen sich wegen Beihilfe verantworten. Vor dem Landgericht war das Medieninteresse groß. „Sie können sich vorstellen, dass das für jede Angeklagte eine enorme Belastung ist“, sagte Peter Endemann, der Verteidiger der Mutter. Seine Mandantin habe derzeit wieder Kontakt zu ihrer Tochter. Wo sich die inzwischen Zwölfjährige derzeit befindet, ist nicht bekannt.


































